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Beachvolleyball : Wie die Mutter, so die Tochter

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Die Kleine und die Große: Karla Borger (rechts) und Britta Büthe sind ein erfolgreiches Beachvolleyball-Paar. Bild: dpa

Bei Karla Borger liegt Beachvolleyball in der Familie. Als Kind war sie live bei den Spielen ihrer erfolgreichen Mutter dabei. Zusammen mit Britta Büthe strebt sie nun nach WM-Silber weitere Erfolge an.

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          Was soll aus einem Kind werden, das von seiner Mutter meistens mit zur Arbeit genommen und dort in einer Ecke zum Spielen abgesetzt wurde? Im günstigsten Fall bekommt es später mal einen gut dotierten Job in der gleichen Branche. „Für mich war das toll, immer dabei gewesen zu sein“, sagt Karla Borger. Die frühkindliche Förderung sei die Grundlage für ihre steile Karriere gewesen, die am vergangenen Samstag ihren vorläufigen Höhepunkt erfuhr, und mit einer Bonuszahlung von 22 500 Dollar belohnt wurde. Karla Borger ist Beachvolleyball-Profi.

          Die 24 Jahre alte Darmstädterin gewann am Wochenende zusammen mit ihrer Partnerin Britta Büthe die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft im polnischen Stare Jablonki. Sie überholte damit im Familien-Ranking ihre Mutter Cordula Pütter, die 1995 - damals schon 34 Jahre alt - im Duett mit Beate Paetow Europameisterin geworden war. Der Strandsport war in seinen Anfängen noch nicht so professionell aufgezogen wie heute, was aber nichts an der Faszination der Tochter änderte. „Ich war immer live dabei und habe mitgefiebert“, erinnert sich Karla, die es als Kind nicht lange in ihrem Eckchen beim Sandspielen aushielt, sondern lieber ihrer Mama beim Sandspielen zugucken wollte. „Es ist der Grund, warum ich selbst Beachvolleyball spiele.“

          Zunächst begann ihre Karriere allerdings in der Halle, auch das eine Parallele zu ihrer Mutter, die es von der TG Rüsselsheim über den VC Wiesbaden in die deutsche Nationalmannschaft geschafft hatte. Karla spielte schon als 16-Jährige in der Bundesliga, ebenfalls beim VC Wiesbaden, und war dort als Eigengewächs mit der Rückennummer 1 ein kleines Zugpferd. Allerdings erhielt sie in der Saison 2004/05 unter Trainer Luis Ferradas nicht allzu viel Einsatzzeit, weshalb sie nach einem Jahr die Heimat verließ. Groll ist keiner geblieben: „Luis war einer der ersten Gratulanten“, erzählte sie nach ihrem WM-Erfolg. Damals folgten Wanderjahre mit Stationen in Braunschweig, Leverkusen, Stuttgart und Villingen. Doch nach ersten Versuchen der Beach-Variante kam schließlich die Erkenntnis: „Das ist mein Ding. Ich geh’ am Beach voll auf.“

          Erst nach dem Erfolg kam die Müdigkeit

          Britta Büthe und Karla Borger kennen sich schon aus der Junioren-Nationalmannschaft, die beiden schlossen sich 2010 zu einem Team zusammen. „Sie ist groß, ich bin klein“, sagt Karla Borger, „es passt einfach.“ Wobei sie mit ihren 1,80 Meter nach herkömmlichen Maßstäben sicher nicht als klein zu bezeichnen ist, im Beachvolleyball aber schon. Allerdings betont sie ihre Vielseitigkeit: „Ich kann auch blocken.“ Es ist Teil des Erfolgsgeheimnisses von Borger/Büthe, dass sie im Verlauf eines Spiels die Rollen wechseln können. Dann kann es schon mal sein, dass die „Kleine“ am Netz bleibt, während die „Große“ - Britta Büthe misst 1,85 Meter - sich auf das Hinterfeld konzentriert.

          Baggern als Beruf: Karla Borger ist Beachvolleyball-Profi Bilderstrecke
          Baggern als Beruf: Karla Borger ist Beachvolleyball-Profi :

          Ihr erster großer Sieg gelang den beiden gleich 2010 als Studenten-Weltmeisterinnen, im Jahr darauf holten sie Gold bei der Universiade. Einen richtigen Schub bekam das für den MTV Stuttgart antretende Team allerdings durch die Zusammenarbeit mit Guillermo Hernandez. Seit November 2012 trainiert der Spanier das Duo, prompt wurde es in den Rang einer deutschen Nationalmannschaft erhoben. Vor der WM in Polen waren sie eigentlich die Nummer vier unter den deutschen Beach-Teams, doch dort gelang ihnen ein fulminanter Durchmarsch durchs Turnier. Sieben Spiele, sieben Siege lautete die Bilanz, ehe sie im Finale den Chinesinnen Chen Xue und Zhang Xi knapp 1:2 (18:21, 21:17, 19:21) unterlagen. Das Spiel auf dem Centre Court wurde von 9000 Zuschauern verfolgt. „Außergewöhnlich viele“, wie Karla Borger noch Tage danach staunte. Zwar waren sie es vorher gewohnt, eher auf den Nebenfeldern zu spielen, „aufgeschütteten Sandhaufen“ mit Netz und ohne Publikum, doch nervös wurde die coole Karla vor der großen Kulisse dennoch nicht. Nur eine Woche zuvor hatten Borger/Büthe nämlich in Rom zum ersten Mal ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht und ebenfalls vor vollbesetzten Tribünen aufgeschlagen. Dort reichte es am Ende zwar nur zu Platz vier, aber das Erlebnis war so prägend, dass bei der WM keine große Nervosität mehr aufkam: „Kennen wir schon.“

          Erst nach dem Erfolg kam die Müdigkeit, weshalb sie ihre Zusage beim Grand Slam im Gstaad zurückzogen. „Kopf frei kriegen, ein paar Wehwehchen pflegen, Kraft schöpfen“, sagt Karla Borger, die für ein paar Tage zu Hause in Darmstadt vorbei schaut: „Die Saison ist noch lang.“ Kommende Woche geht die Tournee weiter mit einem Trainingslager in Los Angeles, ehe vom 23. Juli an ein Turnier in Long Beach auf dem Plan steht. Direkt im Anschluss wird in Klagenfurt die Europameisterschaft ausgetragen, und auch die deutsche Meisterschaft am Timmendorfer Strand hat einen hohen Stellenwert. Wer weiß, welche Titel in dieser Saison noch dazu kommen? Schon jetzt stöhnen ihre beide älteren Brüder Paul und Anton, die beide bei der TG Rüsselsheim - übrigens unter Anleitung von Luis Ferradas - in der zweiten Liga spielen. „Früher waren wir immer nur die Söhne von Cordula Pütter, jetzt sind wir nur noch die Brüder von Karla Borger.“

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