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Beachvolleyball-WM : Flow und Gänsehaut

  • -Aktualisiert am

Voller Einsatz: Laura Ludwig Bild: Imago

Die eine im Flow, die andere schwächelnd. Doch das neue Beachvolleyball-Duo Ludwig/Kozuch lässt sich bei der WM nicht auseinander dividieren. Im dritten Spiel wollen sie sich finden und weiterziehen.

          Es war kalt geworden in der Interviewzone an einer zugigen Ecke des Rothenbaums, und Margareta Kozuch hatte sich ein rotweißes Strandtuch um die Hüften geknotet. Die Schultern wärmte sie mit einem weißen Handtuch. Die große Hitze hat Hamburg erst einmal verlassen. Dazu passte es, dass Kozuch und ihre neue Partnerin Laura Ludwig am Sonntagabend nun nicht gerade eine kalte Dusche, aber doch eine recht deutliche Niederlage einstecken mussten.

          Nach perfektem erstem Satz ging gerade bei Kozuch nur noch wenig, und das 1:2 (21:13, 13:21, 11:15) gegen die bissigen Brasilianerinnen Carol/Maria Antonelli war ein angemessener Ausgang des späten Höhepunktes vor 6000 Fans im umgebauten Tennis-Stadion. Der Eindruck des Abends war: Während die gut abgestimmten Frauen aus Südamerika schon zur Weltklasse gehören, haben sich die Deutschen erst auf den Weg gemacht. Was kein Wunder ist, wenn man erst seit Jahresbeginn zusammenspielt.

          Nun ist es beim Beachvolleyball überhaupt nicht angebracht, die Teams auseinanderzudividieren und nach Fehlern und Punkten zu sortieren. Am wenigsten mögen das die Spielerinnen und Spieler selbst. Im zweiten Gruppenspiel bei dieser Weltmeisterschaft aber glänzte Laura Ludwig in den ersten 22 Minuten so stark, wie Kozuch in der Mitte und am Ende abfiel. Kozuchs Block hatte kaum Wirkung, Angriffsschläge waren Sicherheitsbälle, und ein paar leichte Fehler kamen hinzu. Es war ganz gut für die Teamhygiene, dass die 32 Jahre alte Abwehrspielerin das famose Niveau des ersten Satzes am Ende verlor: Das verwischte die Unterschiede. Verständlicherweise hielt sich Kozuch lieber mit dem Spielbeginn auf. Sie sagte: „Im ersten Satz waren wir im Flow. Da haben wir echt starkes Beach-Volleyball gespielt.“

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          Wohl wahr. Als die Laura-Ludwig-Show um kurz vor 21 Uhr begann und sie Punkt um Punkt mit ihren eingesprungenen Hechtbaggern gewann, jubelte die Partnerin ausgelassen mit. Auf 7:1 zogen sie gegen die Weltranglisten-Neunten davon. Was die Olympiasiegerin an Übersicht, Cleverness und Präzision mitbringt, konnte von ihrer Schwangerschafts- und Geburtspause nicht überdeckt werden. Einmal in Fahrt, ist ihr freches Spiel unwiderstehlich. Da vereinen sich Kampfgeist und Spielfreude und Erfahrung zu einem attraktiven Paket.

          In Ludwigs Windschatten fand Kozuch in die Partie: Schmetterball, Block, Heber, es stand 17:10, die Stadionregie spielte Queens „Another one bites the dust“, und 6000 Zuschauern standen. „Das Publikum kann und wird für uns ein Faktor sein“, sagte Ludwig, „ich musste mir immer wieder die Gänsehaut abstreifen“. Da war er, der Flow, den Ludwig so oft gerade hier am Rothenbaum zusammen mit ihrer Partnerin Kira Walkenhorst (28 Jahre alt) erreicht hatte. Walkenhorst, Mutter von Drillingen, schaute am Sonntag auch vorbei. „Der erste Satz hat tierisch viel Spaß gemacht“, sagte Ludwig später, als sie sich schwarze Tights und Laufschuhe gegen die Abendkühle angezogen hatte, „danach sind sie richtig gut reingekommen und haben uns mit ihren Aufschlägen unter Druck gesetzt.“ Wobei „uns“ salomonisch ausgedrückt war: Carol/Maria Antonelli hatten längst Kozuch als Schwachpunkt ausgemacht und servierten fast nur noch auf die 32 Jahre alte Hamburgerin.

          Niederlage abhaken – das erwies sich schnell als bester Ansatz des Sonntagabends. Alle Beteiligten im Deutschen Volleyball-Verband (DVV) und zuvorderst Trainer Jürgen Wagner haben gesagt, dass das neue deutsche Duo Spiele, Spiele, Spiele brauche, um auf Spitzenniveau zu kommen und spätestens beim Fernziel Tokio 2020 wettbewerbsfähig im Kampf um die Medaillen zu sein.

          An diesem Dienstag (13 Uhr / DAZN) gegen die Außenseiterinnen Nnoruga/Franco aus Nigeria wollen die für den Hamburger SV antretenden Deutschen die Runde der letzten 32 erreichen. Den Sprung in diese Runde schafften am Montag die Hamburger Julius Thole und Clemens Wickler mit einem 2:0 über die Iraner Arash Vakili/Bahman Salemi. Karla Borger und Julia Sude (Stuttgart/Friedrichshafen), die auch in der nächsten Runde stehen, siegten 2:1 über Amerikanerinnen Alix Klineman/April Ross. Sandra Ittlinger und Chantal Laboureur (München/Friedrichshafen), nach zwei Siegen ebenfalls im Sechzehntelfinale, verloren gegen Marta Menegatti/Viktoria Orsi Toth aus Italien 0:2.

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