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Beachvolleyball-WM : Findungsprozess auf Sand

Noch fehlt ein gehöriges Stück zur Höchstform: Beachvolleyballspielerin Laura Ludwig Bild: Imago

Laura Ludwig tritt als Titelverteidigerin bei der Beachvolleyball-WM in Hamburg an. Doch sie und ihre neue Partnerin Margareta Kozuch müssen noch ihr Spielverständnis schärfen.

          Rechtzeitig zur Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Hamburg kann die Hansestadt sogar einen „Laura-Ludwig-Platz“ vorweisen. Allerdings beschränkt auf vier Wochen und im Kleinformat. Im Miniatur-Wunderland in der Speicherstadt wurde zwischen den Gleisen der größten Modelleisenbahn der Welt ein filigranes Beachvolleyball-Stadion als neue Attraktion aufgebaut. Und wem sollte dies eher gewidmet sein als der populärsten Spielerin des Landes, die vor nicht allzu langer Zeit die Beste der Welt war? Die Patin zeigte sich vor dem WM-Auftakt an diesem Freitag jedenfalls begeistert: „Als Hamburgerin und Namensgeberin ist die kleine Arena für mich persönlich natürlich eine riesengroße Ehre und etwas ganz Besonderes.“

          Laura Ludwig ist zwar eigentlich Berlinerin, aber sie spielt für den Hamburger SV und tritt in dem mit Sand aufgeschütteten Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum als Titelverteidigerin an. Zudem trägt sie den sportlichen Adelstitel Olympiasiegerin und gewann in ihrer Karriere viermal die Europameisterschaft. Doch ob die 33-Jährige nach 20-monatiger Babypause noch einmal und gerade jetzt an ihre Höchstform der Jahre 2016 und 2017 herankommen kann, scheint vor dem Saisonhöhepunkt fraglich, auch wenn sie ihre Vorfreude als „riesig“ bezeichnet. Die 1,81 Meter große Ludwig, Typ Wirbelwind, spielt seit Jahresbeginn mit der 1,88 großen, ehemaligen Hallen-Nationalspielerin Margareta Kozuch zusammen. Die Konstellation ergab sich, nachdem Laura Ludwigs langjährige kongeniale Partnerin Kira Walkenhorst aufgrund anhaltender Probleme an Schulter und Hüfte ihre große Karriere beendet hatte. Das löste einigen Staub in der Strandsparte auf – denn in der Folge des Wechsels mussten drei weitere Teams neu gebildet werden.

          Die Resultate der ersten fünf Turniere, die Kozuch/Ludwig auf der World Tour erzielten, waren nicht nach dem Geschmack der ebenso ehrgeizigen wie sieggewohnten Sportlerin. Die beiden kamen nie über das Achtelfinale hinaus. „In unseren guten Momenten fühlt sich alles schon sehr sicher an“, verbreitet Ludwig dennoch wie gewohnt Optimismus. Allerdings befinde sich das Team eben noch im Lernprozess und noch lange nicht auf dem Leistungshöhepunkt. Und sie selbst kämpft noch mit Formschwankungen.

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          Erfolgstrainer Jürgen Wagner, der Ludwig/Walkenhorst 2016 wie schon vier Jahre zuvor Julius Brink und Jonas Reckermann zu Olympia-Gold führte, spricht davon, dass dem Team „mindestens ein Jahr“ fehle, um zu Höchstform heranreifen zu können. Das ferne Ziel der neuen Kombination sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Doch selbst bis dahin könnte es knapp werden, schließlich hatten sich Ludwig/Walkenhorst drei Jahre eingespielt, ehe sie Weltklasse erreicht hatten. Bei Olympia dürfen zudem nur zwei Teams einer Nation mitspielen, bei der aktuellen WM sind es vier – und Deutschland bekam als Gastgeber zusätzlich noch zwei Wildcards zugesprochen. Eine davon ging an Kozuch/Ludwig, die es aufgrund ihrer Weltranglistenplatzierung nicht geschafft hätten.

          Doch auch bei den anderen neuen deutschen Verbindungen, Karla Borger/Julia Sude, Sandra Ittlinger/Chantal Laboureur sowie Kim Behrens/Cinja Tillmanns, fehlt nach der kurzen Eingewöhnungsphase bislang das blinde Spielverständnis, das ein großes Team auszeichnet – was keine großen Hoffnungen auf WM-Medaillen weckt.

          Um sich vor eigenem Publikum wenigstens bestmöglich präsentieren zu können, haben sich Kozuch/Ludwig in den vergangenen Tagen in ein Uhlenhorster Fitness-Center mit eigener Beach-Anlage zurückgezogen. Um an der Abstimmung zu feilen, hatten sie zuvor Trainingslager auf Teneriffa und in Südafrika durchgeführt. Die Bewegungsabläufe am Beach sind nur durch tausendfache Wiederholung einzustudieren. Erst wenn der Dreiklang aus Annahme, Zuspiel und Schmetterschlag sowie die Laufwege auf der acht mal acht Meter großen Spielfläche passen, bleibt auch Platz für jene genialen Momente, die gerade Laura Ludwig immer wieder in ihr variantenreiches Spiel einstreute – so, wenn sie Abwehrbagger als Überraschungsangriffe einsetzte.

          Immerhin verstehen sich Kozuch, die 336 Länderspiele für Deutschland absolvierte, und die langjährige Beach-Königin Ludwig gut. Beide bezeichnen sich als Gefühlsmenschen, und sie kennen sich schon, seit sie mit 14 in der Jugend-Nationalmannschaft gemeinsam zu einem Turnier in Weißrussland unterwegs waren. Zu ihrem WM-Beginn steht ihnen an diesem Freitag (18 Uhr) gegen die Amerikanerinnen Kelley Larsen und Emily Stockmann gleich eine schwere Aufgabe bevor. Doch egal, wie es ausgeht, es ist ein besonderer Tag für Laura Ludwig. Denn ihr Söhnchen Teo hat Geburtstag. Er wird ein Jahr alt.

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