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Beachvolleyball : Starke Frauen – reif für die Insel

  • -Aktualisiert am

Perspektivteam ohne Perspektive wird Europameister: Nadja Glenzke (r) und Julia Großner Bild: dpa

Deutschlands Beachvolleyball-Spielerinnen sind außergewöhnlich erfolgreich. Doch Ärger über den zentralen Stützpunkt überschattet die ganze Saison. Viel ungeschickter kann ein Verband kaum agieren.

          Im Sport wie im Leben kommt es oft genug auf die richtige Perspektive an. Julia Großner und Nadja Glenzke haben als Beachvolleyball-Team nach Ansicht des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) keine mehr. Ihnen wurde im Laufe der vergangenen Woche die Zusammenarbeit als „Perspektivteam“ am Leistungszentrum in Hamburg zum Saisonende gekündigt. Ein paar Tage später gewannen die beiden das Endspiel der Europa-Meisterschaft.

          Wetten auf die sportliche Zukunft sind immer auch ein Glücksspiel, aber viel unglücklicher als die Strandsparte der Volleyballer kann sich ein Verband kaum darstellen. Schon während der gesamten Saison überschattet das Gezerre um den neu gegründeten zentralen Stützpunkt in Hamburg die sportlichen Leistungen der deutschen Beachvolleyball-Frauen, obwohl die in breiter Phalanx der Weltklasse angehören. Allen voran Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, die ihr uneingeschränktes Erfolgsstreben mit hohen Sympathiewerten kombinieren. Sie sind Olympiasieger, Weltmeister und, fast noch als größere Sensation zu bezeichnen: „Mannschaft des Jahres“ in Deutschland. Dies alles ist ihnen weitgehend auf eigene Faust gelungen. Ludwig/Walkenhorst ziehen mit ihrem Trainer Jürgen Wagner und dem Team hinter dem Team ihr Ding durch, eine „Insellösung“ jenseits der Verbandsstrukturen. Erfolgreich, darüber gibt es keine zwei Meinungen.

          Golden Girls: Laura Ludwig (r.) und Kira Walkenhorst

          Seit Beginn dieses Jahres und für alle Zukunft wollte der DVV nun aber selbst für die Grundlage der Medaillen und Triumphe sorgen. Alle Nationalteams sollten am zentralen Stützpunkt trainieren. Das Problem dabei: Die etablierten Spielerinnen hatten längst eigene Pläne. Karla Borger, WM-Zweite 2013 und EM-Dritte 2016, gründete gemeinsam mit ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch, Deutschlands bester Hallen-Spielerin des vergangenen Jahrzehnts, bereits ein spektakuläres Start-up mit Trainer-Team auf Teneriffa, als der Standort Hamburg noch nicht spruchreif war. Auch Chantal Laboureur und Julia Sude reklamierten eine Insellösung für sich. Lieblinge des Verbandes waren sie ohnehin noch nie. Ihnen war in der Olympia-Saison die Unterstützung verweigert worden, also wollten sie auch 2017 autonom auftreten.

          Julia Großner dagegen agierte folgsam, sie verlegte ihren Lebensmittelpunkt von Berlin nach Hamburg, um dort langfristig mit der 21 Jahre alten Nadja Glenzke eine Spielgemeinschaft aufzubauen. Ihr gemeinsamer EM-Sieg hätte der erste große Erfolg des Standorts Hamburg sein können. Stattdessen kam die Quittung. Bei Großner sei „kein langfristiges Potential für Olympia 2024“ zu sehen, teilte die für den Beach-Bereich zuständige neue DVV-Sportdirektorin Jana Köhler mit. Julia Großner ist schon 29. Ihr Alter war allerdings auch vorher kein Geheimnis. Nun ist sie reif für die Insel. Und Nadja Glenzke sucht eine neue Partnerin.

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