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Beachvolleyball-Olympiasieger : Julius Brink macht Schluss

Sternstunde: Julius Brink nach seinem Olympiasieg mit Jonas Reckermann in London 2012. Bild: dpa

Nach seinem Partner Jonas Reckermann, mit dem er in London 2012 Olympia-Gold im Beachvolleyball gewann, muss auch Julius Brink wegen gesundheitlicher Probleme seine Karriere im Sand beenden.

          2 Min.

          Sportlerkarrieren nehmen manchmal einen denkwürdigen Verlauf. Die von Julius Brink und Jonas Reckermann kommen einem heute vor wie ein Hollywoodfilm. Da sind diese zwei außergewöhnlich begabten Beachvolleyballspieler, die sich Ende 2008 zusammentun, zwei renommierte Profis, zwei starke Charaktere, zwei besondere Typen. Von Anfang an arbeiten sie auf das große Ziel Olympia 2012 hin, und von Anfang an sind sie erfolgreich: Legen eine nie dagewesene Siegesserie hin, werden Weltmeister, Europameister, deutscher Meister.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Doch das alles ist nichts gegen die Nacht des 9. August 2012 – die Nacht, als sie in London in einem packenden Finale Olympia-Gold gewinnen. Mehr als neun Millionen Deutsche schauen mit wachsender Begeisterung im Fernsehen zu, wie zwei mit Sand panierte Typen am Ende wie irre durch den olympischen Sandkasten tollen. Ziel erreicht - Brink und Reckermann werden zu deutschen Olympia-Lieblingen. Happyend, Schlusseinstellung, Abspann. Denn das, so weiß man heute, das war’s.

          „Ich sehe keine Perspektive“

          Das Saisonende 2012 wird zum Ende des Duos Brink/Reckermann – im Januar 2013 gibt Reckermann gezwungenermaßen sein Karriereende bekannt, wegen chronischer Rückenprobleme. Seit Freitag ist nun auch Teil zwei des Gold-Pärchens Beachvolleyball-Geschichte: Da teilte Julius Brink mit, dass auch für ihn Schluss sei, wegen anhaltender Hüftprobleme. „Mein Körper gibt mir keine Anhaltspunkte, ein zeitnahes Comeback umsetzen zu können“, so der 31 Jahre alte Brink in einer Erklärung. „Für das Erreichen meiner sportlichen Ziele sehe ich keine Perspektive. Dies ist bitter für mich, doch letztendlich eine konsequente Entscheidung.“ Und ein Tiefschlag für die deutsche Beachvolleyball-Szene.

          Brink wollte nach Olympia eigentlich 2013 mit Sebastian Fuchs einen neuen Anlauf nehmen. Wegen Verletzungsproblemen konnte er aber nur drei internationale Turniere mit ihm spielen. Er entschied sich zu einem Wechsel, wollte Olympia 2016 in Rio de Janeiro mit Armin Dollinger angehen, Studentenweltmeister und Silbermedaillengewinner der Universiade. Doch dann konnte der Abwehrkünstler seit nun mehr als einem Jahr kein Turnier mehr bestreiten, auch eine Hüftoperation im Januar brachte keine entscheidende Besserung.

          Von der Heißdüse zur Höchstleistung

          Wann Brink unter diesen Bedingungen wieder ein regelmäßiges Balltraining hätte aufnehmen können, war genauso wenig absehbar wie der Zeitpunkt einer möglichen Rückkehr in den Turnierzirkus. „In Abwägung der eigenen sowie der Ziele mit Armin bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich diese für mich sehr schwere Entscheidung treffen musste“, ließ Brink wissen. „Ich möchte auch Armin, der alles mitbringt, die Chance geben, seinen Traum von Olympia 2016 zu erreichen und ihm nicht im Weg stehen.“

          Abwehrkünstler: Julius Brink zählte zu den besten Beachvolleyballprofis der Welt.

          Brink war in jungen Jahren lange als Heißdüse auf dem Feld bekannt gewesen, er schaffte es dann aber, seine oft überbordende Energie in sportliche Höchstleistung zu kanalisieren. Durch Olympia-Gold wurden Brink und Reckermann zu den Gesichtern des Beachvolleyballsports in Deutschland, zu sehr sympathischen Gesichtern, sie traten bei „Menschen 2012“ auf, bekamen den Bambi, zierten eine Sonderbriefmarke. Um so größer ist die Lücke, die sie nun hinterlassen.

          Erst mal das Studium beenden

          Reckermann arbeitet heute als TV-Experte für den Bezahlsender Sky, auch am Wochenende beim Turnier in Hamburg ist er dabei. Brink will nun erst mal sein Studium des Sportbusiness-Managements beenden, auch er will dem Beachvolleyball, dem er durch die magische Nacht von London so viel Aufmerksamkeit beschert hat, auf jeden Fall erhalten bleiben. In welcher Form, das ist seit Freitag völlig offen.

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