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Beachvolleyball in Doha : Mit guter Laune und langer Hose

Voller Vorfreude und gewisser Aufregung: Nach längerer Pause greifen Margareta Kozuch (l.) und Laura Ludwig wieder an. Bild: Imago

Unter Druck denken selbst Sportfunktionäre manchmal um. Qatar lässt Beachvolleyballerinnen spielen, wie sie wollen. Prompt treten einige bedeckt an. Auch im deutschen Verband hat sich etwas getan.

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          Laura Ludwig bekannte, vor dem ersten Spiel aufgeregt zu sein. Und das will etwas heißen bei einer offiziell als „Sportlegende“ Ausgezeichneten, die in ihrer Sportart alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Doch nun steht die Beachvolleyball-Olympiasiegerin an diesem Dienstag beim Turnier in Doha erstmals seit einem halben Jahr wieder auf einem Wettkampf-Court. Und da wisse die 35-Jährige nicht, wie sie vorher schlafen werde. Weil sie letztlich nicht sagen könne, wie es um Form und Fitness sowie Spielverständnis bestellt sei.

          Wissen war nie wertvoller

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          Ein ganzes Jahr ist es her, dass zuletzt ein Turnier auf der Beachvolleyball-Welttour ausgetragen wurde; ein halbes Jahr, seit Laura Ludwig und Margareta Kozuch zuletzt einen Wettkampf bestritten haben. Es war die Europameisterschaft in Jurmala (Lettland), bei der sie nach drei glatten 2:0-Siegen in der Vorrunde im Viertelfinale gegen die späteren Europameisterinnen Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré aus der Schweiz unglücklich ausschieden. Laura Ludwig hatte im dritten Satz wegen Rückenschmerzen eine „medizinische Auszeit“ verlangt, der Schiedsrichter gewährte sie aber nicht. Danach spielte sie einige Punkte chancenlos weiter, ehe sie den Satz und somit das Spiel und die EM kampflos verloren gab.

          Nun sind nach der langen Phase der zwangsweisen Auszeit alle Beschwerden ausgeräumt. Und verschlafen haben Ludwig/Kozuch die Corona-Pause ebenfalls nicht. Sobald es möglich war, packten sie ihre Reisetaschen für Trainingsaufenthalte in wärmeren Gefilden: Im Januar bestritten sie ein zweiwöchiges Trainingslager in Rio de Janeiro, anschließend nach einem Zwischenstopp im kalten Hamburg ein zehntägiges Trainingscamp auf Teneriffa im Februar: „Wir arbeiten immer an unserer guten Laune und ständig an unserer Turnierform“, posteten sie bei Instagram mit einem urlaubsreifen Strandfoto im Gegenlicht, mit dem Beachvolleyball-Spielerinnen häufig die Gratwanderung in der Wahrnehmung zwischen Sport und Lifestyle bedienen.

          Dass beim nun anstehenden Vier-Sterne-Turnier in Qatar bei aller Freude, wieder ein Turnier spielen zu können, die lebensfrohen Seiten des einstigen Funsports eher im Hintergrund stehen, war allerdings schon an den Auseinandersetzungen vorab abzulesen. Die Ausrichter wollten den üblichen Bikini-Dress nicht zulassen. Stattdessen sollten Schultern und Beine der Spielerinnen bedeckt sein. Eine Vorschrift, gegen die sich vor allem das deutsche Spitzenduo Karla Borger und Julia Sude zur Wehr setzte und seine Nichtteilnahme verkündete.

          Klassischer Dress: Schneider/Körtzinger (in gelb) gewinnen gegen die Norwegerinnen Helland-Hansen/Lunde.
          Klassischer Dress: Schneider/Körtzinger (in gelb) gewinnen gegen die Norwegerinnen Helland-Hansen/Lunde. : Bild: AFP

          In der von Borger/Sude losgetretenen Diskussion knickten die Veranstalter letztlich ein und gewährten den Sportlerinnen nun doch freie Wahl bei der Sportbekleidung. Ludwig/Kozuch wiederum entschieden nun, trotz der zu erwartenden Temperaturen von knapp 30 Grad das Turnier in langen Hosen und Shirts bestreiten zu wollen. „Aus Respekt vor der einheimischen Kultur“, wie ihr Manager Andreas Scheuerpflug gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte. Schon bei den Qualifikationsspielen am Montag trugen auch einige weitere Teams die Winter-Variante.

          Andere, wie das deutsche Duo Sarah Schneider/Leonie Körtzinger, traten in den gewohnten knappen Sport-Bikinis an. Schneider/Körtzinger gewannen so ihr Match gegen die Norwegerinnen Helland-Hansen/Lunde 2:1 und zogen als viertes deutsches Team ins Hauptfeld ein, wo sie an diesem Dienstag (10.30 Uhr MEZ) im ersten Spiel prompt gegen Ludwig/Kozuch antreten müssen. Zudem sind auch Victoria Bieneck/Isabel Schneider sowie Kim Behrens/Sandra Ittlinger in Doha dabei.

          Umdenken beim deutschen Verband

          Dass Verbände zum Umdenken bereit sind, wenn sie unter Druck geraten, hat unterdessen auch der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) dieser Tage bewiesen. Er führte die „Country Quota“ ein, die dann greift, wenn sich mehr als die maximal zugelassenen vier Teams aus einer Nation für ein Turnier anmelden. Dann werden interne Ausscheidungsspiele angesetzt. Beachvolleyball-Großmächte wie Brasilien und die Vereinigten Staaten hatten dies schon lange so gehandhabt. Der deutsche Beach-Sportdirektor Niclas Hildebrand beharrte dagegen stets auf der Nominierunghoheit durch den Verband.

          Dagegen klagten Cinja Tillmann und Kim Behrens vor Gericht, weil sie sich in der freien Ausübung ihres Berufs eingeschränkt sahen, und bekamen in erster Instanz recht. Die Revision läuft zwar noch, doch das Umdenken bei der „Country Quota“ lässt erkennen, das die Sportlerinnen auch einen Denk-Prozess angestoßen haben. Tillmann/Behrens werden nicht mehr davon profitieren: Sie nahmen den Sieg über den DVV vor Gericht noch mit, ehe sie ihr Team auflösten. Auch für die anderen ist unklar, wie es weitergeht: Nach Doha ist bislang kein weiteres Turnier vor Olympia angesetzt. Laura Ludwig und Margareta Kozuch haben ihr Saisonziel trotzdem klar anvisiert. „Tokio im Blick“, lautet ihr Slogan.

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