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Beachvolleyball : Harte Zeiten für Kleine

Kleine 1,86 Meter: Julius Brink Bild: dpa

Das deutsche Duo Brink/Reckermann tritt bei der WM in Rom als Titelverteidiger an. Doch seit 2009 hat sich viel getan im Beachvolleyball. Größer, athletischer - heißt die Devise.

          3 Min.

          Einerseits war es ein schöner Erfolg für Julius Brink und Jonas Reckermann. Platz zwei beim Grand-Slam-Turnier in Peking, das bescherte ihnen 720 Weltranglistenpunkte, knapp 30.000 Dollar Preisgeld und das Bewusstsein, trotz Reckermanns mehrwöchiger Verletzungspause wieder auf Augenhöhe mit der Weltspitze zu sein. Andererseits brachten sie sich durch diese Finalteilnahme in Peking selbst in die Klemme: Zwei Tage nach dem Endspiel am vergangenen Samstag begann schon die Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Rom. Im Klartext: Die Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt beschränkte sich für Brink und Reckermann mehr oder weniger auf die erfolgreiche Anreise.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Viele Spieler hatten die unglückliche Terminkollision und die daraus resultierende Hatz über die Kontinente so unmittelbar vor der WM scharf kritisiert. Immerhin zeigten die Veranstalter ein gewisses Einsehen, Brink/Reckermann mussten erst am zweiten WM-Tag zum ersten Mal im Foro Italico aufschlagen. Das deutsche Nummer-Eins-Duo tritt in Rom als Titelverteidiger an - auch wenn der 28 Jahre alte Brink, der Abwehrspezialist im Team, lieber darauf hinweist, dass es nun darum gehe, „einen neuen Weltmeister zu bestimmen. Den Titel von 2009 kann und wird uns niemand nehmen“.

          Es hat sich scheinbar wenig getan in der Weltspitze

          Es kam damals, an diesem 5. Juli 2009 in Stavanger (Norwegen), für viele überraschend, dass Brink/Reckermann die Weltelite aus Brasilien und den Vereinigten Staaten aus dem Feld schlug und als erstes europäisches Duo den WM-Titel gewann. Wenn es seinerzeit eine Art Geheimrezept gab für diesen Coup, dann lag es wohl in der gedanklichen Salamitaktik begründet: der Kunst, einen Schritt nach dem anderen zu tun, von einem Punkt zum nächsten zu denken, sich mit einem Gegner nach dem anderen zu beschäftigen. So wollen sie auch ihre zweite gemeinsame WM angehen, im Bewusstsein, dass das einwöchige Turnier in Rom einen ganz anderen Rhythmus vorgibt, als es die kürzeren Weltserienturniere den Rest des Jahres über tun. So nehmen sie auch den Anreisestress mit Zeitzonen- und Klimaumstellung gelassen. „Du kannst nicht im ersten Spiel Weltmeister werden“, sagt Brink.

          Gehörte einst zu den Längsten: Jonas Reckermann (rechts)
          Gehörte einst zu den Längsten: Jonas Reckermann (rechts) : Bild: dpa

          Schaut man sich an, wer ihnen in Rom so in die Quere kommen könnte, glaubt man zunächst, es habe sich nicht viel getan in der Weltspitze. Da sind die amerikanischen Olympiasieger Rogers/Dalhausser, die vor kurzem in 40 aufeinanderfolgenden Spielen ungeschlagen geblieben waren, und die in dieser Saison zwei der vier bisher ausgetragenen Weltserienturniere gewannen. Und da sind die Brasilianer, mit altbekannten Namen in neu formierten Teams, von denen zuletzt vor allem Alison/Emanuel überragten, die Sieger der beiden anderen World-Tour-Turniere 2011.

          Sie werden immer länger

          Neben den üblichen Verdächtigen gibt es freilich eine lange Reihe weiterer Medaillenanwärter, aus China, Polen, der Schweiz, den Niederlanden. Der Beachvolleyballsport hat sich enorm entwickelt seit 2009, viele Teams, aus Russland etwa oder aus Italien, sagt Brink, seien ihnen in Sachen finanzielle und personelle Ausstattung inzwischen weit überlegen. Ihre Verbände förderten Teams und Betreuer „in einer Art und Weise, wie ich es noch nie zuvor auf der World Tour erlebt habe“.

          Doch auch das Spiel selbst hat sich verändert. „Der Trend zu immer größeren Spielern hat sich fortgesetzt“, sagt Reckermann, „das Spiel wird immer athletischer, physischer.“ Zwei-Meter-Spieler sind heute gang und gäbe, anders etwa als noch vor zehn Jahren. Als er 2001 auf die Tour gekommen sei, sagt der 2,00 Meter große Reckermann, „gehörte ich vermutlich zu den fünf längsten Spielern - heute vielleicht so gerade noch zu den Top 20“.

          Außergewöhnliche Fähigkeiten von Nöten

          Galt früher allenthalben die klassische Rollenverteilung zwischen einem langen Blockspieler mit gewaltiger Reichhöhe und einem kleineren, quirligen Abwehrspezialisten, so nähern sich die Extreme mittlerweile immer mehr an. Das chinesische Spitzen-Duo Linyin Xu/Penggen Wu liegt mit 2,00 Meter und 1,98 Meter gerade mal noch zwei Zentimeter auseinander.

          Harte Zeiten für die „Kleinen“, das weiß auch Julius Brink, 1,86 Meter groß. Die kleineren Spieler, sagt er, müssten zunehmend „außergewöhnliche Fähigkeiten besitzen, um sich gegen die hohen Blocker durchzusetzen“. Oder eben dank ihrer Aufschlagstärke punkten, wie das Brink oft tut. Auch das Köln-Leverkusener Duo hat versucht, dem allgemeinen Trend Rechnung zu tragen. „Unser Ziel im Winter war, vor allem athletisch einen weiteren Schritt zu machen“, sagt Brink.

          Ihr Spiel ist oft unberechenbar

          Doch gerade im Beachvolleyball, wo die Spieler bessere Allroundkönner sein müssen als in der Halle, zählen auch noch ganz andere Qualitäten: Koordinationsvermögen, technisches Können, Ballkontrolle, Auffassungsgabe, mentale Stärke - und taktische Variabilität. Dort sind Brink/Reckermann vielen in der Branche voraus. Ihr Spiel ist oft unberechenbar, für viele Gegner schwer einzuschätzen. „Wir fragen uns ständig: Wohin entwickelt sich das Spiel?“, sagt Brink. „Wir wollen den anderen immer einen Schritt voraus sein.“

          Und was die Sache mit der Größe angeht, hilft bis auf weiteres ja auch noch ein Blick auf die Überflieger Rogers/Dalhausser. Der Blockspezialist Phil Dalhausser steht zwar mit imposanten 2,06 Meter am Netz - sein Kompagnon Todd Rogers aber misst gerade mal 1,87 Meter. Mit anderen Worten: „Es geht auch so in der Weltspitze“, sagt Reckermann.

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