https://www.faz.net/-gtl-a33j5

Beachvolleyball-Meisterschaft : Plan B und gute Gedanken

So feiern Beachvolleyball-Siegerinnen: Chantal Laboureur (vorne) und Sandra Ittlinger, verfolgt von Laura Ludwig und Margareta Kozuch. Bild: dpa

Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger spielen mit Köpfchen und gewinnen ihren ersten gemeinsamen Titel bei den deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften. Dabei standen die Vorzeichen denkbar schlecht.

          3 Min.

          „Ein bisschen was konnten wir machen“, sagt Chantal Laboureur mit einem versonnenen Lächeln auf den Lippen zu der Frage, wie denn die Meisterfeier in Zeiten von Corona ausgefallen sei? Ihre Partnerin Sandra Ittlinger hatte nach ihrem ersten Titelgewinn noch generell gerätselt, was zu tun sei, wenn sie bei der deutschen Beachvolleyball-Meisterschaft „das letzte Spiel nicht verloren hat“?

          Das letzte Spiel des Turniers am Timmendorfer Strand hatten Ittlinger/Laboureur diesmal 2:1 (19:21, 21:16, 15:9) gewonnen. Es war das Finale gegen Olympiasiegerin Laura Ludwig und deren Partnerin Margareta Kozuch. Und es war eine Meisterleistung der Selbststeuerung auf dem Feld. „Wir hatten Plan B vorher besprochen“, verriet Chantal Laboureur im Gespräch mit dieser Zeitung. Sollte Plan A nicht funktionieren, so hatten es die beiden mit ihrem Coach Danny Wood vereinbart, dann würden sie eine Taktikumstellung vornehmen. Nachdem sie nun den ersten Satz eines intensiv geführten Matches knapp verloren hatten, berieten sie sich und entschieden, es tatsächlich zu wagen. Beim Beachvolleyball ist aktives Coachen eines Trainers während des Spiels nicht erlaubt, die Teams sind auf sich allein gestellt. Und müssen es dann auch durchziehen.

          Absprache und Umsetzung: Sandra Ittlinger (l.) und Chantal Laboureur harmonieren prächtig.
          Absprache und Umsetzung: Sandra Ittlinger (l.) und Chantal Laboureur harmonieren prächtig. : Bild: dpa

          „Anders aufschlagen“ war der Grundgedanke, so Chantal Laboureur am Tag danach: viele kurze, eher leichte Aufschläge, knapp hinters Netz – und immer auf Laura Ludwig. Keine ganz ungefährliche Idee, immerhin galt die Olympiasiegerin auf der Gegenseite zu ihren Glanzzeiten als beste Abwehrspielerin weltweit. Doch mit der Umsetzung ihrer Idee gelang es Ittlinger/Laboureur, die Favoritinnen aus dem Konzept zubringen. „Es war der Schlüssel zum Sieg“ sagte Laboureur und zeigte sich „froh und stolz“, es durchgezogen zu haben. Laura Ludwig dagegen ärgerte sich, dass sie zu viele Fehler gemacht habe: „Dass ich immer unsicherer geworden bin, nervt mich gerade tierisch.“ Obwohl die für den Hamburger SV spielende Berlinerin schon siebenmal deutsche Meisterin war, hätte die 34-Jährige gerne einen weiteren Titel ihrer Sammlung zugefügt, vor allem auch als Geschenk an ihre ein Jahr jüngere Partnerin. „Ich hätte Maggie diesen Erfolg gerne gegeben“.

          Für Ittlinger/Laboureur war es im zweiten Jahr ihrer Zusammenarbeit der erste große Erfolg – und dies nach einer extrem schwierigen Saison. Die Stuttgarterin Laboureur, selbst angehende Ärztin, musste sich im vergangenen Winter einer Schulteroperation unterziehen und konnte monatelang nicht am Ball trainieren. Die Corona-bedingte Zwangspause im Frühjahr machte die Situation nicht einfacher. Während Ittlinger intensiv am Ball trainierte und auch bei der privat organisierten Beach-Bundesliga in Düsseldorf mitwirkte, quälte sich Laboureur alleine im Kraftraum, um wieder an die gewohnten Fitnesswerte heranzukommen. Erst auf der „Road to Timmendorf“ kamen sie wieder gemeinsam zum Spielen, erreichten aber bei keinem der Vorbereitungsturniere das Endspiel. Nun gelang ihnen, zum vorläufigen Saisonhöhepunkt ihre beste Leistungen abzurufen, was neben Pokal und Applaus der nur 200 zugelassenen Zuschauer auch mit einem Siegerscheck in Höhe von 10.000 Euro belohnt wurde.

          Als weiteres Geheimnis des Erfolges der beiden Studentinnen ließ sich an den drei Turniertagen ihre Haltung auf dem Feld ausmachen, unabhängig vom Spielstand. „Wir lagen öfter 16:19 zurück“, erinnert sich Laboreur im Rückblick an zwei etwas wacklige Partien, „doch wir haben es immer noch gedreht“. Sie führt die Nervenstärke auf positive Gedankenführung zurück. „Wir sind immer zurück gekommen, darüber freue ich mich riesig. Und das Resultat ist mega cool“

          Mit ihren 30 Jahren ist Chantal Laboureur, die 2017 schon einmal an der Seite von Julia Sude deutsche Meisterin war, die Führungsspielerin des Duos, gleichwohl gilt ihre vier Jahre jüngere Partnerin als die künftige Spitzenkraft der Szene. „Ich bin mega stolz auf Sandra“, sagte Chantal aktuell über ihre Partnerin. „Sie hat hart an sich gearbeitet und noch einmal einen Riesensprung gemacht.“ Gemeinsam haben beide die Hoffnung auf einen Startplatz in Tokio noch nicht aufgegeben, obwohl bei Olympia nur zwei deutsche Teams startberechtigt sind – und Ittlinger/Laboureur derzeit als nationale Nummer vier in der Weltrangliste geführt werden. Doch schon in knapp zwei Wochen steht der nächste Höhepunkt der dichtgedrängten „Late Season“ auf dem Programm: Bei den Europameisterschaften in Jurmala (Lettland) wollen sie besser abschneiden als im Vorjahr. Da waren sie Fünfte.

          Titel für Thole/Wickler

          Die WM-Zweiten Julius Thole und Clemens Wickler aus Hamburg haben den Beach-Titel bei den Männern gewonnen. Im Finale am Timmendorfer Strand setzte sich das Duo gegen Nils Ehlers/Eric Stadie mit 2:0 (21:12, 21:18) durch. Für Thole/Wickler war es der zweite gemeinsame Meistertitel nach 2018. Das Spiel um Platz drei gewannen die Düsseldorfer Alexander Walkenhorst/Sven Winter (Düsseldorf) mit 2:0 (21:19, 21:17) gegen Paul Becker und Jonas Schröder aus Frankfurt. Die Titelverteidiger Bennet und David Poniewaz waren im Viertelfinale gescheitert. (ad./sid)

          Weitere Themen

          Gladbacher Achtungserfolg mit bitterer Note

          2:2 bei Inter Mailand : Gladbacher Achtungserfolg mit bitterer Note

          Borussia Mönchengladbach schnuppert beim Champions-League-Comeback bei Inter Mailand lange an einer Überraschung – und muss kurz vor Schluss doch den Ausgleich hinnehmen. Zufrieden sein können die „Fohlen“ trotzdem.

          Topmeldungen

          Glänzte schon wieder als Torschütze: Kingsley Coman

          Gala in der Champions League : Auf dem Platz klappt alles beim FC Bayern

          Vor dem Spiel sorgt der Corona-Fall Gnabry für Aufregung in München, dann spielt der FC Bayern beim 4:0 gegen Atlético Madrid locker und leicht auf. Zum Champions-League-Auftakt markiert der Titelverteidiger sein Revier. Final-Held Coman überragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.