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Volleyballerin Kozuch : Vom Star in der Halle zum Neuling am Strand

  • -Aktualisiert am

Beachvolleyballspielerin Karla Borger: Partnerin gesucht und gefunden Bild: Picture-Alliance

Margareta Kozuch war mal Deutschlands beste Hallenvolleyballerin. Nun gibt sie ihr Debüt im Beachvolleyball – und bekommt gleich mit, wie hart die Bedingungen in ihrem neuen Arbeitsumfeld sein können.

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          Sie riss die Arme hoch, stieß einen Jubelschrei aus und umarmte Partnerin Karla Borger. Dann verschwand Margareta Kozuch schnell vom Beachvolleyballfeld in Fort Lauderdale. Sie setzte sich unter einen Sonnenschirm und goss sich Wasser über Kopf und Nacken. Gerade hatte sie beim Weltcup-Auftakt in Florida das erste Match ihrer Beachvolleyball-Karriere gewonnen – allerdings hatte sie auch einen Eindruck davon bekommen, wie hart die Bedingungen in ihrem neuen Arbeitsumfeld sein können: „Die Sonne steht sehr hoch, es ist extrem anstrengend, hier zu spielen.“ Und so saß Margareta Kozuch eine ganze Weile bei 26 Grad Celsius und leichter Meeresbrise da und ließ den Zweisatzsieg gegen ein argentinisches Team Revue passieren.

          Ein neues deutsches Duo im Beachvolleyball – und Olympiasieger Julius Brink spricht von „einem sehr interessanten Projekt“. Karla Borger spielt seit sieben Jahren Beachvolleyball, wurde 2013 mit Britta Büthe Weltmeisterschafts-Zweite und bei Olympia in Rio Neunte. Nachdem Büthe im September bei den deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand ihr Karriereende bekanntgab, dachte auch Borger ans Aufhören. Was sie zu jenem Zeitpunkt noch nicht wusste: Ihre neue Partnerin war bereits in der Nähe. Margareta Anna Kozuch ist Deutschlands beste Hallenvolleyballerin gewesen und Spielführerin des Nationalteams. Die 1,88 Meter große Diagonalangreiferin war zehn Jahre lang eine Volleyball-Weltreisende, spielte in Italien, Russland, Polen, Aserbaidschan und China. Im April hatte Kozuch mit ihrem italienischen Klub Pomi Casalmaggiore noch die Champions League gewonnen und war auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

          Margareta Kozuch: Deutschlands bislang beste Hallenspielerin wechselte an den Beach
          Margareta Kozuch: Deutschlands bislang beste Hallenspielerin wechselte an den Beach : Bild: Picture-Alliance

          Da ein Engagement in China scheiterte und andere Teams ihre Kaderplanungen für die neue Saison bereits abgeschlossen hatten, war Kozuch vereinslos. Sie hatte somit Zeit, bei den deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften vorbeizuschauen. Drei Tage später klingelte ihr Telefon. Am anderen Ende war eine „hypernervöse“ Borger und fragte vorsichtig, ob sie sich vorstellen könne, zum Beachvolleyball zu wechseln. Rückblickend begründet sie ihre Aufregung damit, dass sie Kozuch nur flüchtig kannte und nicht gewusst habe, wie sie auf die Idee reagieren würde. Beiden sei aber schnell klar gewesen, dass man zusammenspielen werde, so Borger.

          Im Gegensatz zu den Olympiasiegerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst trainieren Kozuch/Borger nicht in der Halle in Hamburg, sondern unter freiem Himmel in Teneriffa. „Es war für mich extrem wichtig, rauszukommen. Nur so verstehe ich, warum ich spezielle Techniken anwenden muss, denn es ist einfach anders, mit dem Wetter drumherum“, sagt Margareta Kozuch.

          Die erste Standortbestimmung in Florida endete mit einem Sieg und drei Niederlagen. Doch Ergebnisse sind noch sekundär. Kozuch/Borger machen gerade ihre Findungsphase durch. Vor allem für die Strand-Debütantin Margareta Kozuch ist jedes Match wichtig. Natürlich sei eine gewisse Nervosität da. Aber es sei „eine schöne Nervosität und auf jeden Fall die Herausforderung, für die ich mich entschieden habe“. Karla Borger weiß, dass der Körper „ein halbes bis ein Jahr“ braucht, um sich an den Strand zu gewöhnen. Kira Walkenhorst traut Margareta Kozuch zu, „schnell reinzukommen“. Kozuch weiß aber, dass sie trotz aller Verdienste unter dem Hallendach beim Beachvolleyball ein „namenloser“ Neuling ist – zumindest vorerst.

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