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WM-Start in Wien : Das neue Top-Paar im deutschen Beachvolleyball

Gemeinsam erfolgreich für Deutschland: Chantal Laboureur (links) und Julia Sude Bild: AP

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst holten Gold bei Olympia. Nun sind Chantal Laboureur und Julia Sude die Favoriten bei der WM. Der Weg dahin war schwer. Nun aber genießen sie ein besonderes Privileg.

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          Schon wenn Chantal Laboureur „neutral“ guckt, scheint sie zu lächeln. Was erst mit ihrer Mimik passiert, wenn es gut läuft, ist derzeit auf den Beachvolleyball-Feldern dieser Welt zu sehen. Da strahlt die 27-Jährige meistens, häufig schon zwischen zwei normalen Ballwechseln. „Ich bin ein sehr emotionaler Typ“, sagt sie über die Spielfreude, die ihr ins Gesicht geschrieben steht. „Das Lächeln kommt von innen – und beim Spielen kommt alles raus.“

          Vor allem natürlich in den Phasen des Erfolgs. So wie in dieser Saison. Gemeinsam mit ihrer zweieinhalb Jahre älteren Partnerin Julia Sude hat Chantal Laboureur bislang ein exzellentes Jahr erwischt. Vor den an diesem Freitag auf der Donauinsel in Wien beginnenden Weltmeisterschaften ist das Duo aus Stuttgart und Friedrichshafen das nominell Beste der fünf deutschen Damen-Teams, die qualifiziert sind. Und auch wenn offiziell nur Platz fünf das Ziel der beiden ist, redet Abwehrspielerin Laboureur nicht großartig um ihre Ambitionen herum: „Ich will eine Medaille holen.“

          Nachdem die seit 2013 zusammen spielenden Laboureur/Sude nur wegen der nationalen Quote die Olympischen Spiel 2016 knapp verpasst hatten – ihrem Weltranglistenplatz gemäß hätte es locker gereicht –, haben sie sich 2017 noch einmal verbessert. Schon beim hochklassigen Auftaktturnier der vom Weltverband (FIVB) ausgerichteten World-Tour im Februar in Fort Lauderdale belegten die beiden den dritten Rang, das Vier-Sterne-Turnier in der Olympia-Stadt Rio beendeten sie als Fünfte. Beim exzellent besetzten Saisonstart der nationalen Beach-Serie in Münster unterlagen sie erst im Finale den Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst in drei engen Sätzen.

          „Ein bisschen feiern und das Leben genießen“ gehöre schon dazu, wie hier beim Turniersieg in Gstaad.
          „Ein bisschen feiern und das Leben genießen“ gehöre schon dazu, wie hier beim Turniersieg in Gstaad. : Bild: dpa

          Auch auf europäischer Ebene schlugen sie auf und gewannen im Juni das Masters im österreichischen Ort Baden. Ein Turnier mit niedrigerem Prestige, aber hohem emotionalen Wert: „Die Atmosphäre in Baden erinnert mich an das Strandbad von Friedrichshafen, weckt also heimische Gefühle“, sagte die am Bodensee aufgewachsene Chantal Laboureur, was unterstreicht, dass es ihr bei allem Ehrgeiz nicht nur ums Siegen allein geht. „Wenn mir Beachvolleyball keinen Spaß mehr machen würde, dann würde ich etwas anderes machen“, daran lässt die Medizinstudentin keinen Zweifel.

          Ohnehin hat die Professionalisierung dem einstigen Fun-Sport schon einen Teil seines Charmes genommen. „Früher sind wir an den Strand gegangen und haben einfach gespielt“, pflegt Ricardo Brunale de Andrade zu sagen. Der Brasilianer, genannt „Vento“, hat freilich seinen Anteil daran, dass es anders wurde: Er ist Chef-Trainer des Teams Laboureur/Sude. Neben ihm gehören noch ein Ball- und ein Athletiktrainer sowie ein Mentalcoach zur Crew. Und auch die umfangreiche Auswertung des statistischen Materials sorgt dafür, dass kein Team von Welt mehr einfach so in ein Spiel stolpert.

          Auch in Wien bei der WM will das Duo glänzen.
          Auch in Wien bei der WM will das Duo glänzen. : Bild: dpa

          Zwar lässt das WM-Turnier ein gemächliches Warmwerden zu. Von 48 Teams, die in zwölf Vorrunden-Pools antreten, erreichen 32 die K.-o.-Runde. Chantal Laboureur gibt dennoch als Ziel aus, die Gruppe gewinnen zu wollen, „als Basis zu einem guten Turnierverlauf“. Das Duo ist bislang gut damit gefahren, sich vor jedem Auftritt intensiv mit den Gegnerinnen zu beschäftigen, einen Matchplan zu erstellen und zu definieren, was es erreichen will. Die vorläufige Krönung gelang so Anfang Juli, als Laboureur/Sude das Fünf-Sterne-Turnier in Gstaad gewannen. Im Endspiel schlugen sie die Weltranglistenersten Larissa/Talita aus Brasilien und kletterten selbst auf Rang zwei der Hackordnung.

          Nun konnte selbst der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) nicht mehr an seinem Top-Team vorbeischauen und beförderte die 1,78 Meter große Laboureur und die sieben Zentimeter größere Angreiferin Sude gerade noch rechtzeitig vor der WM zum offiziellen Nationalteam. Zuvor hatte sich der DVV geziert, weil die Sportlerinnen sich weigerten, an dem vom Verband vorgegebenen Standort Hamburg zu trainieren. Sie reklamierten eine Insel-Lösung mit eigenem Coach für sich, wie sie auch Ludwig/Walkenhorst genießen. „Wir wollen das Problem sportlich lösen“, hatte Laboureur schon Anfang Mai in Münster gesagt. Nun habe es „positive Gespräche“ gegeben, man sei „aufeinander zugegangen“. Über Details wollte sie sich nicht äußern: „Wir haben das Thema unserem Management abgetreten“, sagt sie lässig.

          Wer deutet die Zeichen richtig? Und wer gewinnt die WM in Wien?
          Wer deutet die Zeichen richtig? Und wer gewinnt die WM in Wien? : Bild: dpa

          So viel steht aber fest: Der Status bringt neben finanziellen Vorteilen auch das Recht, auf den verbandseigenen Physiotherapeuten zuzugreifen. „Bisher genossen wir diesen Luxus nicht“, sagt die Sportlerin, die dennoch ohne größere Blessuren über die Runden kam. „Vielleicht weil wir wussten, dass wir fit bleiben müssen.“ Beide sind mit robuster Gesundheit gesegnet, was angesichts der Vielreiserei erstaunt. Noch im Juli waren sie zwischen den Turnieren in Gstaad und Olsztyn (Polen) zum President’s Cup nach Kalifornien geflogen. „Wenn wir im Flieger sind, schlafen wir, wenn wir Sand stehen, spielen wir“ sagt Laboureur lapidar: „Wir kennen keinen Jetlag.“

          Den letzten Schliff vor der WM holte sich das Duo nun am Olympiastützpunkt in Stuttgart, bei Nieselregen und 16 Grad. Nicht schön, aber auch kein Problem für das stresserprobte Team, das in dieser Saison schon bei Graupelschauern in Moskau spielte. Die für Wien prognostizierten 30 Grad liegen Chantal Laboureur allerdings mehr. Sonnenschein passt auch besser zum Image der Bikini-Sportart, kommt zudem ihrer Einstellung entgegen. „Ein bisschen feiern und das Leben genießen“ gehöre schon dazu.

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