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Basketball-Finalserie : In Bamberg wachsen dir Flügel!

Bradley Wanamaker ist der überragende Spieler der Brose Baskets. Bild: dpa

Die Brose Baskets sind in der Basketball-Bundesliga ein Klasse für sich. Das soll auch Finalgegner Ulm zu spüren bekommen. Hinter dem Bamberger Erfolgsrezept steckt mehr als nur ein Milliardär.

          3 Min.

          Sehr wahrscheinlich, dass die Brose Baskets Bamberg Flügel bekommen. Der Überflieger dieser Basketball-Saison, das Team, das Kommentatoren zu Diskussionen darüber hinreißt, ob schon jemals eine so gute Mannschaft in der Basketball-Bundesliga spielte, bekommt es von diesem Sonntag an (15.00 Uhr) mit dem Überraschungs-Finalisten Ratiopharm Ulm zu tun. Im Halbfinale warf Bamberg mühelos Bayern München aus den Play-offs um die Meisterschaft, die Finalserie dürfte vermutlich auch sehr einseitig und in drei Spielen vorüber sein. Nicht, dass man den Ulmer Sportfreunden um Per Günther nicht wünschte, die Bamberger ein bisschen ins Stolpern zu bringen.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Schließlich haben die Franken jede deutsche Meisterschaft seit 2010 gewonnen bis auf die von 2014; die ging an die Bayern. Doch wenn das Team des Milliardärs Michael Stoschek nicht die insgesamt achte Meisterschaft nach Bamberg holen sollte, haben die Ulmer ein Problem: Dann dürften sie der Spielball des europäischen Spitzen-Basketballs werden, um nicht zu sagen: dessen Fußabtreter. Dem deutschen Meister nämlich ist ein Platz in der Euro-League versprochen. In dieser exklusiven Spielklasse mit den allerbesten Klubs des Kontinents kann nur mithalten, wer ganz, ganz tiefe Taschen hat. Sechzehn Mannschaften spielen jeder gegen jeden, hin und zurück, dann folgen Play-offs und schließlich das Final Four.

          Für diese Tour de Force von mindestens dreißig Spielen mit Gegnern wie Real Madrid und FC Barcelona, mit Maccabi und Zalgiris, mit Panathinaikos und Olympiakos sowie vier hochambitionierten Klubs aus Istanbul forderte der Trainer von ZSKA Moskau, Dimitri Itoudis, als er vor drei Wochen in Berlin den Cup gewann, ein größeres Team und ein Flugzeug. Anders könne man da nicht mithalten, sagte er. Mit anderen Worten: Um den Titel zu verteidigen, muss ZSKA sein Budget von 40 bis 45 Millionen Dollar deutlich erhöhen.

          Das ist, bei allem Respekt, nicht die Liga von Ulm. Das Team verfügt über einen Etat von nicht mehr als sechs Millionen Euro. Auch Bamberg ist mit Moskau nicht vergleichbar. Doch seit der frühere Sponsor Brose in Person von Michael Stoschek, dem Eigentümer des Autoteile-Herstellers Brose, die Führung des Klubs übernommen hat, kann kein deutscher Konkurrent mehr mithalten. Auch deshalb kündigte Bayern-Trainer Svetislav Pesic vor wenigen Wochen an, nach der Saison hinzuschmeißen; auch deshalb wird sein Rücktritt vom Rücktritt mit der Erwartung verknüpft, dass ein Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Ehrgeiz der Basketball-Abteilung finanziell unterfüttern werde. 13 Millionen Euro, wie sie angeblich in Bamberg zur Verfügung stehen, dürften in der kommenden Spielzeit nicht reichen.

          Haushoch überlegen: Daniel Theis und die Bamberger.
          Haushoch überlegen: Daniel Theis und die Bamberger. : Bild: dpa

          Stoschek verfügt über sportlichen Ehrgeiz und Erfahrung als Springreiter und Rallyefahrer. Forbes schätzt ihn auf ein Vermögen von 5,1 Milliarden Dollar (4,5 Milliarden Euro). Zwar wird Rolf Beyer - aus der Geschäftsführung von Brose in die der Baskets gewechselt - nicht müde zu betonen, dass der Klub sich sein Geld selbst verdienen müsse und nicht das Hobby von Stoschek sei. Doch als der furiose Neubeginn des Teams 2014 mit Coach Andrea Trinchieri und zehn neuen Spielern Begehrlichkeiten bei den reichen Klubs Europas geweckt hatte, da machten die Baskets staunen, indem sie den überragenden Aufbauspieler Brad Wanamaker, den NBA-erfahrenen Darius Miller und den überragenden Distanzschützen Janis Strelnieks trotz phantastischer Angebote hielten.

          Mit der Verpflichtung des erfahrenen Nikolaos Zisis, dem Gewinn des vielseitigen Nicolò Melli und der Entdeckung des jungen Patrick Heckmann am College in Amerika verstärkte sich das Team noch. Daniel Theis bewies mit dem Verzicht auf die Europameisterschaft in der Nationalmannschaft, was ihm Kritik von Dirk Nowitzki einbrachte, wie wichtig ihm sein Brotjob ist. Er und Elias Harris haben sich zu den raren Spielern entwickelt, die zusätzlich zum deutschen Pass, wichtig für die Quote, auch internationales Niveau zu bieten haben. Als während der Saison ein Center gebraucht wurde, kam Leon Radoševic. Bamberg agiere oberhalb des Marktes, umschreibt Marco Baldi, der Manager des Konkurrenten Alba Berlin, den Faktor Stoschek.

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          Um sich nicht auf Linienflügen kreuz und quer durch Europa zu verausgaben, sondern Zeit und Kraft für die wichtigen Spiele zu sparen, planen die Bamberger - Meisterschaft vorausgesetzt - ihren europäischen Engagements im Charterflug statt auf Linienflügen nachzujagen. Die doppelt und dreifach so hohen Kosten sollen sich in den Erfolgen auszahlen, die in der vergangenen Saison zum Greifen nahe waren. Immerhin: Mit Siegen über ZSKA und Khimki, Makkabi und Olympiacos sowie dem Erreichen der Top 16 haben sich die Bamberger bekannt und ihre besten Spieler begehrt gemacht. Diesmal werden sie einige wohl nicht halten können: Die Verträge von Strelnieks und Miller laufen aus, Wanamaker darf für eine geringe Ablöse gehen.

          Im Gegensatz zu anderen deutschen Klubs, die den Abschied ihrer Spieler beklagen, manchmal sogar als Treulosigkeit, nehmen die Bamberger einen solchen Aufstieg als Beleg ihres hervorragenden Scoutings und der Wirkung ihres Einzeltrainings. Kyle Hines, den sie in der zweiten italienischen Liga entdeckten, hat mit Olympiakos und ZSKA die Euro-League gewonnen. PJ Tucker und Brian Roberts sind aus Bamberg in die NBA gewechselt. Sie dienen wie Tibor Pleiß, der über Vitoria und Barcelona zu Utah Jazz in der NBA wechselte, wie Marcus Slaughter, den Real Madrid holte, und wie Trevor Mbakwe, der nun in Tel Aviv spielt, dem Bamberger Sportdirektor Daniele Baiesi bei seinem Werben um personelle Verstärkung als Beispiele: Bei uns wirst du besser! Bei uns wachsen dir Flügel!

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