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Basketball-Bundesliga : Bamberg bröselt

Lucca Staiger von Brose Bamberg während des Euroleague-Spiels gegen Fenerbahce Dogus. Bild: EPA

Die Bamberger Truppe ist hochkarätig besetzt. Trotzdem läuft es derzeit sportlich nicht rund bei den Basketballern. Auch in der Kabine ist die Stimmung angespannt. Ein Kommentar.

          Im deutschen Basketball zeichnet sich eine Saison der vorzeitigen Endspiele ab. So, wie die Pokal-Qualifikation zwischen Bayern München und Brose Bamberg das Finale vorwegnahm, das am übernächsten Wochenende beim Top Four in Ulm ausgespielt werden soll, könnten auch in den Playoffs im Mai die favorisierten Schwergewichte vor der Zeit aufeinandertreffen. Die Bamberger stehen seit ihrer achten Niederlage in der BBL am vergangenen Wochenende auf Platz acht, dem letzten, der für die Playoffs qualifiziert. Würden die Ausscheidungsspiele am Wochenende beginnen, stünde auf dem Programm: Tabellenführer Bayern gegen Meister Bamberg.

          Doch noch ist Zeit. Im Mai wird die irrwitzige Hauptrunde der Euro-League mit zwei internationalen Spielen pro Woche zu Ende sein. Die verletzten Spieler werden zurückkehren. Dann wird sich zeigen: Brose Bamberg ist stärker besetzt als vermutlich jede andere Mannschaft hierzulande. Aber wird aus der Star-Truppe noch eine Mannschaft?

          Bei den Bambergern ist der Wurm drin. Auf die Niederlage mit mehr als dreißig Punkten Unterschied in Bonn ließ sie einen Triumph in der Euro-League folgen. Wer Panathinaikos Athen mit mehr als zwanzig Punkten besiege, habe vielleicht ein Problem, kommentierte der Berliner Trainer Aito Reneses das Auf und Ab des Rivalen, aber mit Sicherheit stecke er nicht in einer Krise. Wenn der erfahrene Spanier sich da mal nicht täuscht.

          Mitten in der Saison ist den Bambergern ihr schillernder Trainer Andrea Trinchieri abhandengekommen. Er hat sich an der Schulter operieren lassen und verfolgt vorerst die Spiele in der Trainerkabine am Fernseher; das Coaching überlässt er seinem Assistenten Ilias Kantzouris. Die Rückkehr des hochexplosiven Italieners wird keine Erleichterung sein für die Spieler. Seine Unberechenbarkeit und seine Härte haben dafür gesorgt, dass nicht wenige seiner Profis das Weite suchen wollen; mancher soll sogar bereit sein, sich aus seinem hochdotierten Vertrag herauszukaufen, sollte Trinchieri bleiben. Brose Bamberg sucht, das ist weder eine Überraschung noch ein Geheimnis, einen Trainer für die nächste Spielzeit. Dabei hat der Klub Trinchieri nach dessen dritter Meisterschaft im vergangenen Jahr mit einem großzügig dotierten Zweijahresvertrag belohnt.

          Die größte Herausforderung aber ist, das Wohlwollen des Milliardärs Michael Stoschek nicht zu verspielen. Verliert der Eigentümer und Gönner den Spaß an seinem Klub, ist Brose Bamberg schnell keines der Schwergewichte mehr im deutschen Basketball. Der Spielplan führt an diesem Sonntag ausgerechnet Bayern München nach Bamberg. Als wollte er beweisen: Die Zeit der entscheidenden Spiele hat begonnen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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