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Basketball-Bundesliga : Hamburg Towers auf der Suche nach Identität

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Am Ball: Jonas Wohlfarth-Bottermann (rechts) Bild: Imago

Die Hamburg Towers sind ordentlich in ihre vierte Erstliga-Saison gestartet. Trotzdem ringen die Hanseaten um Sichtbarkeit. Center Jonas Wohlfarth-Bottermann will helfen.

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          Draußen vor der Wilhelmsburger Halle steht Jonas Wohlfarth-Bottermann und wartet. Zwei Jungen kommen vorbei, überlegen, erkennen ihn und fragen nach Autogrammen. Der 209 Zentimeter lange Center der Hamburg Towers wirkt weder überrascht noch zurückhaltend. „Ich erlebe das öfter“, erklärt er, „die Kinder sagen, wir haben dich im TV gesehen, und wollen dann meine Unterschrift.“

          Jonas Wohlfarth-Bottermann, alias „WoBo“ (so steht es auf seinem Trikot), ist der Königstransfer des norddeutschen Basketball-Klubs. Nach dem dritten Platz der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Berlin und Köln fühlt es sich noch viel besser an, dass die Geschäftsführer Jan Fischer und Marvin Willoughby bei den Riesen Ludwigsburg zugegriffen haben, um Auswahlspieler „WoBo“ zu bekommen. Denn den Towers fehlt es nach vielen Abgängen an Identifikationsfiguren und Publikumslieblingen – Justus Hollatz verdient sein Geld in Valencia, Maik Kotsar spielt bei Saski Baskonia im baskischen Vitoria-Gasteiz, und Max DiLeo wanderte mit Trainer Pedro Calles zu den Baskets Oldenburg ab.

          Da hilft es, einen Prominenten wie „WoBo“ zu haben, inklusive Bekenntnis zum eingeschlagenen Weg. Als er den DBB-Teamkollegen Dennis Schröder und Maodo Lo während der EM von seinem Wechsel in die Hansestadt erzählte, antworteten sie: „Cool, Hamburg. Das waren ihre Worte, durchaus wertschätzend gemeint“, sagt Wohlfarth-Bottermann, „alle haben mir gratuliert und konnten meine Gründe verstehen. Ich sehe hier eine Chance, die Begeisterung der EM zu entfachen. Es ist im letzten Viertel meiner Karriere ein Riesen-Highlight, in Hamburg zu spielen.“

          Profi-Basketball in Hamburg kein Selbstläufer mehr

          Mit vier Siegen und zwei Niederlagen, die letzte am Sonntagabend in Ludwigsburg (92:103), ist der vorjährige Play-off-Teilnehmer ordentlich in die Saison gestartet; im Eurocup stehen zwei Erfolge ebenso vielen Niederlagen gegenüber – beim Debüt auf europäischer Bühne hatten die Towers in der Vorsaison ebenfalls die erste K.-o.-Runde erreicht.

          Wohlfarth-Bottermanns Wirken ist auch deshalb wichtig, weil Profi-Basketball in Hamburg kein Selbstläufer mehr ist. Sportlich soll der Center die Towers anführen, wie der neue Trainer Raoul Korner sagt, ein Österreicher, zuvor in Bayreuth tätig: „Er ist ein Superstar in seiner Rolle. Bei der Nationalmannschaft hat er eine klar definierte Rolle brillant ausgefüllt. Wir sind kein Team mit einem Superstar, um den alles kreist. Bei uns ist das Team der Star. Und WoBo ist beispielgebend für dieses Prinzip.“

          Darüber hinaus muss die Organisation darum kämpfen, eine spürbare Identität mitzuliefern. Zuletzt waren die Towers, auch wegen Corona, im Stadtbild weniger vertreten, auch Kontakte zu den Fans wurden vermieden. „Es steht auf unserer Agenda, wieder nahbarer zu werden“, verrät Geschäftsführer Fischer, „wir haben Fanevents organisiert und wollen präsenter in der Stadt sein.“ Der Dauerkartenverkauf ist zurückgegangen, was an den meisten Standorten aus den bekannten Gründen ähnlich ist. Und der sportlich attraktive Europapokal wird nicht besonders gut angenommen: „Wir müssen uns bemühen, die Leute dienstagabends in die Halle zu kriegen“, sagt Fischer, „wir hatten nie die Zeit und die Möglichkeit, den Wettbewerb in Hamburg zu etablieren.“

          Importspieler sind Alltag in der BBL. Die Towers aber stecken im nächsten Umbruch. Im zweiten Jahr der Erstklassigkeit wurde außer Seth Hinrichs und Lukas Meisner die gesamte Gruppe getauscht. Fischer sagt: „Wir sind sportlich schneller gewachsen als strukturell. Das weckt Begehrlichkeiten. Wir sind finanziell nicht in der Lage, den Kader zu halten.“ Das wird so bleiben: Der aus Gießen geholte Spielmacher Kendale McCullum kündigte im Magazin „Big“ an, sich in Hamburg für einen Vertrag in München oder Berlin ab 2023 zu empfehlen.

          Fischer will die Towers nicht schlechtreden lassen: „Wir sind aufgestiegen, haben uns durch Corona und Lockdown gekämpft. Wir haben zuletzt beide Play-offs erreicht. Man muss sehen, in welch kurzer Zeit wir diese Entwicklung genommen haben.“ Das wird durchaus wertgeschätzt – von einem Sponsor wie Veolia, beispielsweise. Der Umweltdienstleister lässt sich die Namensrechte am Klub rund eine Million Euro pro Jahr kosten.

          Zur besseren Struktur gehören indes angenehmere Trainingsmöglichkeiten und auf Sicht eine größere Halle als die 3400 Personen Platz bietende Arena in Wilhelmsburg. Sportlich will Korners Team wieder unter die besten acht und dabei die Fans aktivieren wie vor der Pandemie. Mit „WoBo“ als Leuchtturm: „Ich fühle mich nach der EM mit allen Wassern gewaschen und sehe in den Towers ein sehr spannendes Projekt, bei dem man viel aufbauen kann – auch wenn es jetzt einen Umbruch gibt.“ Dem Management gehen solche Sätze runter wie Öl: Besser hätten sie es nicht sagen können.

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