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Basketball-Profi Schaffartzik : „Eigentlich habe ich zu kurze Arme“

„Ich höre den Beat und spiele im Takt“: Heiko Schaffartzik Bild: Picture-Alliance

Heiko Schaffartzik ist Spielmacher der Basketball-Nationalmannschaft und von Bayern München. Vor dem Playoff-Duell mit Alba Berlin spricht er über Taktgefühl, Kampfgeist und Poesie.

          5 Min.

          Nationalspieler Heiko Schaffartzik ist Spielmacher von Basketball-Meister Bayern München. An diesem Dienstag (20 Uhr) steht er im vierten Halbfinale unter Zugzwang, denn die Bayern liegen in der Playoff-Serie gegen Alba Berlin mit 1:2 im Rückstand. Sollten sie gewinnen, komt es am Donnerstag zum fünften Duell in Berlin.  Schon am Sonntag beginnt die Finalserie mit Spiel 1 bei den Brose Baskets in Bamberg.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Sie sind der Point Guard, der Spielmacher des deutschen Basketballmeisters Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft. Es ist eine komplexe Rolle: den anderen den Rhythmus vorgeben, zugleich Solist sein. Wie passt das zusammen?

          Man braucht ein hohes emotionales Verständnis für andere. Was will der Trainer, was wollen die Spieler, was läuft gerade für uns auf dem Feld? Es ist wohl die schwierigste Position im Basketball, weil man sich permanent um alle anderen Gedanken machen muss. Der Center muss sich weniger Gedanken um irgendjemand anderen machen. Weil er 2,10 Meter ist.

          Auch für das Nationalteam ist Schaffartzik von zentraler Bedeutung

          Dennoch wirkt Ihre Spielweise manchmal völlig unberechenbar. Wie findet das ein Disziplin-Fanatiker wie Svetislav Pesic, Ihr Trainer?

          Ich finde mein Spiel gar nicht so unberechenbar und glaube, dass der Coach Facetten meines Spiels sehr schätzt. Jeder Trainer möchte aber, dass das, was er gesagt hat, umgesetzt wird. Nur sieht man als Aufbauspieler manchmal: Das geht jetzt aber gerade nicht, warum auch immer - weil die jetzt anders verteidigen, weil mein Mitspieler anders gelaufen ist oder einfach mal ein Fehler passiert. Und dann muss ich etwas anderes machen, zumindest empfinde ich es in der Situation dann so. Dass solche Abweichungen vom Plan nicht immer gefeiert werden, verstehe ich auch. Und als Point Guard bin ich dann der erste Ansprechpartner.

          Wie ein Quarterback im Football, als Verbindung vom Trainer zum Team?

          Ja, man möchte die Anweisungen des Trainers auf dem Feld ausführen. Mein erster Blick gilt immer ihm, fragt immer: Trainer, was möchtest du gerade? Wo soll der Ball hin? Und wenn man einen Trainer hat, dem man vertraut, und den habe ich, und er sagt, der Ball geht zu Dusko inside - dann geht er zu Dusko inside.

          Dirk Nowitzki trainierte früher manche Bewegungen zu Jazz-Musik. Hat für Sie, als Taktgeber des Teams, ein Basketballspiel einen musikalischen Rhythmus?

          Ich habe keine Musik im Kopf beim Spielen. Aber wenn ich etwas gehört habe, das einen gewissen Takt hat, versuche ich unbewusst, im Takt zu dribbeln. Ich höre den Beat und spiele im Takt.

          Schirmt den Ball ab: Heiko Schaffartzik im Duell mit Alba-Spieler Renfroe

          Sie kamen vor zwei Jahren aus Ihrer Heimatstadt Berlin nach München. Nun spielen Sie in den Halbfinal-Play-offs gegen Ihren alten Klub Alba. Waren die Bayern für Sie ein neuer Anreiz, eine neue Herausforderung?

          Es war nicht so, dass ich dachte: Hier in Berlin geht nichts mehr. Aber mit Bayern München verbinde ich sehr viel in meinem Leben, weil ich früher so ein großer Fußballfan war. Für mich hat den Ausschlag gegeben, mit wem ich hier arbeiten kann: Trainer, Sportdirektor, Mitspieler.

          Mit Bayern-Sportdirektor Marko Pesic haben Sie noch bei Alba gespielt.

          Ja, ich war 19, wir wurden Meister. Er war der Chef in der Mannschaft.

          Bei Alba war Basketball die Nummer eins, hier ist er der Juniorpartner des Fußballs. Merkt man das als Spieler?

          Nein, so wie die Leute bei uns arbeiten, mit welcher Leidenschaft, habe ich immer das Gefühl, dass Basketball die absolute Nummer eins ist. Es gibt aber auch keine Schnittstelle zum Fußball. Ich stehe hier nicht beim Essen mit, sagen wir, David Alaba an und muss vielleicht länger warten, weil er vor mir dran wäre.

          Interessiert Sie Fußball überhaupt?

          Mich hat Fußball früher wahnsinnig interessiert. Ich habe selber viel gespielt, hatte viele Lothar-Matthäus-Trikots, feierte jede Bayern-Meisterschaft. Aber mittlerweile gucke ich mir selten Fußballspiele an.

          Was mögen Sie an Basketball ganz besonders? Gibt es ein sinnliches Moment?

          O ja, das Geräusch von einem Swish.

          Sie meinen einen Wurf ins Netz ohne Berührung von Brett oder Ring?

          Das Geräusch von einem Swish ist Wahnsinn. Das ist so ein wunderschönes Geräusch. Und auch, genauso toll: der Moment, in dem jemand etwas macht, mit dem niemand gerechnet hat, und wie den anderen nun erst klar wird, was gerade passiert ist. Diese Momente, in denen etwas Unerwartetes gelingt, die liebe ich.

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