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Bayern-Basketball : Garantiert zwanzig Prozent!

Hallo, hallo, aufgepasst - Hier zeigt der Meistercoach Pesic seinen Bayern, wie man spielen muss Bild: camera4

Die Basketballprofis des FC Bayern werden ihren neuen Coach Svetislav Pesic nach der Niederlage gegen Berlin richtig kennenlernen. Wer folgsam ist, sagt der Trainer, wird sich um Längen steigern.

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          „Haben Sie Alba heute gesehen?“, fragte Svetislav Pesic nach dem Spiel: „Das ist meine Philosophie.“ Gerade hatte Bayern München, Pesics neue Mannschaft, die sechste Niederlage bezogen im elften Spiel dieser Basketball-Saison, 70:82 mit zeitweise zwanzig Punkten Rückstand, und die Berliner Fans hatten sein Team, die teuerste Mannschaft der Liga, verhöhnt: „Ihr seid nur Mittelmaß!“ Nun sollte der 63 Jahre alte Coach erklären, wie er sich Basketball vorstellt.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich hier sitze und Pesic dort“, sagte Sascha Obradovic in der Pressekonferenz. Er war Aufbauspieler des Meistertrainers in Berlin, in Köln und in der serbischen Nationalmannschaft und hat nicht einmal die Hälfte von dessen Triumphen miterlebt, die Weltmeisterschaft, die Europameisterschaften, den Gewinn der EuroLeague und des Korac-Pokals, Meisterschaften in Deutschland und Spanien. „Hätte ich halb so viel Erfolg wie er“, sagt Obradovic, „wäre ich vollkommen zufrieden.“

          Alba auf die Landkarte gebracht

          Svetislav Pesic ist der Übervater des Berliner Basketballs. In der Hauptstadt hat er seit zwanzig Jahren seine Wohnung, hier sind seine Kinder aufgewachsen, hier erwarb er die deutsche Staatsbürgerschaft, hier lebt er, wenn er kein Engagement hat. Nach dem Spiel am Sonntagabend, als seine geschlagene Mannschaft sich auf den Heimweg nach München machte, ist er erst einmal nach Hause gefahren. „Er hat Deutschland zum Europameister gemacht 1993; niemand hatte Deutschland damals auf dem Zettel“, fasst Marco Baldi, der Manager von Alba Berlin, die Verdienste des Meistertrainers zusammen. „Er hat Alba auf die Landkarte gebracht, wo es vorher nur Leverkusen gab.“ Und nun wird er den Bayern Beine machen?

          Pesic hatte seine Zusage bei den Münchenern hinausgezögert. Als hätte er darauf gewartet, seinen Einstand in Berlin geben zu können Das Publikum, rund 11.000 Zuschauer in der O2-Arena, dankte es ihm mit freundlichem Applaus. Pesic mitsamt seiner Mannschaft wiederum bescherte den Berlinern am ersten Advent einen Wohlfühl-Abend, ein Basketballfest, drei Tage nachdem Alba sich mit einem unansehnlichen Kraftakt für die Top 16 der EuroLeague qualifiziert hatte. Großartige Spieler wie Yotam Halperin, Tyrese Rice, Chevon Troutman, Lawrence Roberts und Jared Homan ließen zwar ihr Talent aufblitzen, doch mit 53 Würfen erzielten sie nur siebzig Punkte und machten von Anfang an nie den Eindruck, sie könnten den entschlossenen und variantenreich spielenden Berliner gefährlich werden.

          Wie also stellt sich Pesic Basketball vor? Darüber kann er stundenlang sprechen. Aber diesmal verwies er schlicht auf den Gegner. „Alba hat ein perfektes Spiel gespielt“, sagte er. „Ich glaube zwar, dass sie noch besser werden. Aber nicht besser als heute Abend.“ Mit Sentimentalität hat das nicht viel zu tun. Als Pesic vor bald zwanzig Jahren in Berlin begann, war er so alt wie Obradovic. Sieben Spielzeiten und vier Meisterschaften später ging er. In den zwölf Jahren seitdem ist er mit RheinEnergie Köln und dem FC Barcelona nach Berlin gekommen und vor allem als kritischer Zuschauer.

          Hochtalentiert - doch schwer erziehbar

          Für ihn besteht Basketball aus solider Verteidigung, bedingungslosem Einsatz und einem Schuss Genie. So wie Meister Bamberg am Sonntag im Spitzenspiel der Liga auftrat: Trotz 18 Punkten Rückstand gegen Ulm kam der Meister im letzten Moment unter Führung des überragenden Aufbauspielers Anton Gavel (30) zu einer Verlängerung (70:70) und gewann 85:83. Die Qualität, sich zu wehren, darüber ins Spiel zu kommen und es zu drehen, hatte Pesic als gelegentlicher Zaungast bei den Berlinern lange vermisst: „Zum ersten Mal seit Jahren spielt Alba wieder Basketball.“

          Chevon Troutman (r.) hat mit dem FC Bayern gegen Sven Schultze und Alba Berlin das Nachsehen

          Die Berliner kennen die Ansprüche ihres 63 Jahre alten guten Bekannten. Wohl auch deshalb widerspricht Baldi dem Präsidenten des Deutschen Basketball-Bundes, Ingo Weiss, der das Engagement von Pesic in München begrüßt hatte, weil es dem deutschen Basketball guttue. Baldi dagegen sieht vor allem, dass Pesic nach der Qualifikation für die Europameisterschaft als Bundestrainer ausgestiegen ist. Nachdem die junge Generation mit erfrischendem Spielwitz und Tempo überzeugt hatte. „Pesic geht als Impulsgeber des deutschen Basketballs verloren“, sagt er: „Für Basketball in Deutschland ist die Entscheidung nicht gut, sie ist für Bayern München gut.“ Der Idee, Pesic könne - anders als zuletzt sein Vorgänger Dirk Bauermann - zusätzlich zu den Bayern auch die Nationalmannschaft betreuen, erteilte Baldi eine Abfuhr: „Das geht nicht nebenher.“

          Die Bayern werden die ganze Tatkraft von Pesic beanspruchen. Sie stehen in dem Ruf, hochtalentiert, doch schwer erziehbar zu sein. „Ich habe versucht, die Spieler besser kennenzulernen“, sagte Pesic ohne jede Ironie über seine erste Woche mit ihnen. „In den nächsten vierzehn Tagen sollen sie mich besser kennenlernen.“ Aufbauspieler Steffen Hamann verstand sofort: „Jetzt müssen wir uns endlich als Mannschaft finden. Wir haben lange Wochen vor uns“, sagte er und flüchtete in Ironie: „Jeder, der Sveti kennt, wird sie mit Genuss angehen.“ „Die Spieler wissen genau: Wenn sie mir folgen, werden sie besser“, sagte Pesic nach seiner Münchener Premiere in Berlin. „Ich kann garantieren: Jeder, der heute gespielt hat, wird zwanzig bis dreißig Prozent besser werden.“ Obradovic lachte: „Er wird sie dazu zwingen.“ Pesic blieb ernst: „Alle sagen, dass ich ein guter Trainer bin.“

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