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Baskets Bonn : Die Stehaufmänner vom Rhein

  • -Aktualisiert am

Trainer Michael Koch und die Bonner Fans sind wieder eine Einheit Bild: picture alliance / Eibner-Presse

Abgeschlagen, zerstritten und ohne Glauben: Nun spielen die Baskets Bonn am Samstagabend gegen Oldenburg (21.15 Uhr) um den Einzug ins Play-off-Halbfinale.

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          Der Begriff „Wunder“ wäre zu hoch gegriffen, doch die Tatsache, dass die Telekom Baskets Bonn an diesem Samstagabend (Beginn: 21.15 Uhr/live in Sport 1) im fünften und entscheidenden Viertelfinalspiel bei den EWE Baskets Oldenburg um den Einzug in das Halbfinale kämpfen, ist für sich genommen schon eine große Überraschung. Vor rund vier Monaten hatte wenig darauf hingedeutet, dass die Rheinländer überhaupt den Sprung in die Play-offs schaffen würden. Im Gegenteil: Der Verein stand vor einer Zerreißprobe. Mannschaft und Trainer waren bei einem Großteil der eigenen Anhänger in Ungnade gefallen, und selbst Trainer Michael Koch stand zur Disposition.

          Dass der Verein die Wende geschafft hat, spricht für den Charakter des Teams und den Stellenwert, den Koch bei seinen Spielern genießt. Es ist diese Charakterstärke und die Fähigkeit der Telekom Baskets, jeden Rückschlag wegzustecken, der den Favoriten Oldenburg in eigener Halle zu Fall bringen könnte. Der Tabellenzweite aus dem Niedersächsischen hatte eine überragende Hauptrunde gespielt und sich als Verfolger Nummer eins von Meister Bamberg etabliert. Nun muss der Titelkandidat unerwartet zittern: In der 6000 Zuschauer fassenden EWE Arena geht es um den Einzug ins Halbfinale, wo mit ratiopharm Ulm der Gegner schon feststeht.

          Saisonziel erreicht

          Bonn galt in dieser Serie als krasser Außenseiter. Erst im letzten Spiel der regulären Saison hatten die Rheinländer durch einen Sieg nach Verlängerung über Bayern München die Teilnahme an den Play-offs sichergestellt. Diese zu erreichen war das Saisonziel der Telekom Baskets, weil daran zusätzliche finanzielle Zuwendungen des Namenssponsors geknüpft sind. Ende des vergangenen Jahres waren die Bonner noch meilenweit von einem Platz unter den ersten acht entfernt. Sechs der letzten sieben Spiele waren da verlorengegangen, das Team dümpelte auf Tabellenplatz zwölf herum. Die Fans ließen ihrer Enttäuschung freien Lauf. Selbst Koch, im achten Jahr Trainer in Bonn, musste sich der Kritik stellen. Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich deutete an, über eine Entlassung Kochs nachgedacht zu haben. „Das ist das Geschäft“, sagte der Trainer rückblickend. „Als Trainer darf dich das genauso wenig tangieren wie Lobeshymnen.“

          Weil sich der Verein angesichts eines überschaubaren Etats, der im Ligavergleich im unteren Mittelfeld angesiedelt ist, eine Entlassung Kochs aber kaum hätte leisten können und ein neuer Trainer keine Garantie für einen Aufschwung in dieser prekären Situation gewesen wäre, hielt man an Koch fest, auch wenn Wiedlich diesem „offensichtliche Fehler“ bei der Kaderzusammenstellung anlastete.

          Einer dieser Fehler war die Verpflichtung von Patrick Ewing, Sohn des gleichnamigen ehemaligen NBA-Stars. Der kam im Sommer mit Übergewicht und außer Form an den Rhein, was sich auch in den nächsten vier Monaten nicht änderte. Die Entlassung Ewings war unvermeidlich. Dessen potentieller Nachfolger Marqus Blakely war noch gar nicht richtig in Bonn angekommen, da saß er auch schon wieder im Flieger Richtung Heimat, ohne eine Minute auf dem Parkett gestanden zu haben. Ein Doping-Test des Amerikaners war positiv ausgefallen, Blakely hatte Cannabis konsumiert. Unbeeindruckt von den Querelen schaffte das dezimierte Team einen Tag vor Silvester die sportliche Wende: Bei Phoenix Hagen lag das Team 120 Sekunden vor dem Ende mit acht Punkten zurück, die Negativserie drohte auf fünf Niederlagen anzuwachsen. Mit einem 12:2-Lauf gelang den Baskets dann in der Schlussphase der nicht mehr für möglich gehaltene Sieg. Ein Schlüsselerlebnis, das neue Kräfte freisetzte. „Seit Januar standen wir permanent unter Druck, um noch die Play-offs zu erreichen. Es spricht für den Charakter der Mannschaft, wie sie damit umgegangen und nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist“, sagt Koch. Wie nach der Entlassung von Topscorer Robert Vaden, der vor dem Spiel gegen München, genau wie Blakely, positiv auf THC getestet worden war.

          Ihre Nehmerqualitäten beweisen Aufbauspieler Jared Jordan und Co. nun abermals gegen Oldenburg: Zweimal lagen sie zurück, zweimal glichen sie aus. „Jetzt ist es nur noch eine mentale Sache. Trotz allen Drucks darf man aber auch nicht die Lockerheit verlieren“, sagt Trainer Koch. Und er mag sich gar nicht daran erinnern, dass seine Mannschaft diese Lockerheit schon einmal verloren hat: 2009, im fünften und entscheidenden Spiel um die Meisterschaft - in Oldenburg.

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