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Baskets Bamberg : Der Meister bangt um seinen Spielplatz

In Bamberg gab es zuletzt gute Gründe zum Feiern - doch nun gibt es Probleme Bild: picture alliance / dpa

Die Situation wirkt grotesk. Die Bamberger Fans sind verrückt nach Basketball. Sportlich steht der Meister und Pokalsieger erstklassig da. Dennoch gibt es nur ein Thema: die Halle. Eine Alternative zur bisherigen Spielstätte gibt es nicht.

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          Auf den ersten Blick sind die Aussichten glänzend. Das Parkett in der Bamberger Arena ist mit frischem Lack überzogen worden, die Linien auf dem Spielfeld, wo der Bundesligaklub Baskets Bamberg seine Spiele austrägt, entsprechen den neuen Regeln der Basketball-Bundesliga (BBL), die am kommenden Wochenende beginnt. Am vergangegen Samstagabend war die 6900 Zuschauer fassende Halle am nördlichen Rand der oberfränkischen Stadt Schauplatz des Champions Cups, der vor Beginn der Bundesliga zwischen Meister und Pokalsieger ausgetragen wird.

          Da die Baskets Bamberg in der vergangenen Saison beides gewannen, den Titel in der BBL und den Pokal, traten sie gegen den Zweiten der Bundesliga an, die Frankfurt Skyliners - und gewannen deutlich mit 85:58. Die Partie in der Multifunktionsarena hatte freilich einen merkwürdigen Beigeschmack. Denn die Zukunft der Spielstätte ist ungewiss. Und wenn alles schiefgeht, war der Champions Cup der letzte Auftritt der Baskets in der Arena.

          An diesem Mittwoch wollen die Bamberger Stadträte darüber entscheiden, was mit dem Dauer-Zuschussprojekt geschehen soll. Die Betreiberfirma, die Sabo Vermögens- und Beteiligungs-GmbH, ist insolvent, der Konkursverwalter hat das Wort. Eine Option, die Wolfgang Heyder, der Manager der Baskets, bevorzugen würde, ist der Kauf der Halle durch die Stadt. Diese steht in der Angelegenheit unter erheblichem Druck, weil ihre Bürgschaft über 2,5 Millionen Euro schon gezogen worden und reichlich Steuergeld geflossen ist.

          Wie geht es weiter? Bleibt den Bamberger Basketballern die Halle erhalten oder nicht?

          „Ich weiß nicht, was das für eine Kampagne ist“

          Nun steht zur Debatte, dass Bamberg für weitere 4,5 Millionen die Halle selbst übernimmt. Heyder weiß, dass ein städtisches Engagement in einem privaten Projekt politisch schwer vermittelbar ist. Erschwerend kommt hinzu, dass der smarte Manager nun auch noch bezüglich seiner Rolle in dieser Konkursangelegenheit ins Zwielicht geraten ist. Laut Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) sind Heyder und seine Frau Gabriele auch Geschäftsführer des „Veranstaltungsservice Bamberg“ und Hauptmieter der Arena.

          Ein Thema sind auch die angeblich zu niedrigen Mieten, welche die von Heyder gemanagten Baskets an die Betreibergesellschaft entrichtet und eventuell die Insolvenz so beschleunigt hätten, mutmaßt der BR. „Absoluter Quatsch“, sagt Heyder, seien diese Beschuldigungen. „Ich weiß nicht, was das für eine Kampagne ist. Wir haben marktübliche Preise für die Spiele der Baskets bezahlt.“

          Die Situation wirkt grotesk. Die Bamberger Fans sind verrückt nach Basketball, kaum irgendwo ist die Halle so gut gefüllt, sind die Zuschauer so begeisterungsfähig, ist die Atmosphäre so emotionsgeladen wie bei den Auftritten der Baskets in der selbsternannten „Freak-City“. Aber schon im Frühsommer, als die Bamberger während der Play-off-Spiele auf dem Weg zur Meisterschaft waren, jagte ein Pressetermin den anderen. Das Thema: die Halle.

          „Ich habe das alles nur am Rande mitbekommen“

          Auch in der bevorstehenden Saison können die Anhänger der Baskets eigentlich damit rechnen, dass ihre Helden wieder Großes vollbringen werden auf dem frisch lackierten Parkett. Die Mannschaft ist im Kern zusammengeblieben, was für den Klub sicher auch ein finanzieller Kraftakt war. Mit Tibor Pleiß, Predrag Suput und Kapitän Casey Jacobsen spielen wichtige Profis auch in der bevorstehenden Saison wieder mit. Und nichts anderes als die Titelverteidigung ist das erklärte Ziel der Mannschaft von Trainer Chris Fleming.

          Zudem wollen die Bamberger auch in der Euro League eine gute Rolle spielen. Sportlich scheinen die Baskets also auf Kurs zu sein - wenn da nicht die ungelöste Hallenfrage wäre. „Ein komischer Sommer“ sei es gewesen, sagt Heyder, der die Triumphe seiner Mannschaft nicht so recht genießen konnte. „Ich habe das alles nur am Rande mitbekommen“, sagt er, „dabei ist viel Energie verlorengegangen. Das ist ärgerlich.“

          Manager Heyder: „Einen Plan B gibt es nicht“

          Nun bleibt abzuwarten, wie die Stadträte an diesem Mittwoch entscheiden. „Ich bin sicher, dass es weitergeht“, sagt Heyder. Falls die Stadt die Arena nicht übernehme, stünde ein „anderer Interessent“ bereit, der das Objekt für dann vermutlich nur zwei Millionen Euro kaufen werde. Dann aber werde die ganze Angelegenheit „sehr unangenehm. Es wird sicher noch nerviger als jetzt.“

          Am vergangenen Freitag teilten die Bamberger mit, einen neuen Namenssponsor für die Halle zu haben. Laut Heyder ist dieser bereit, jährlich 250.000 Euro für das Namensrecht zu zahlen. Voraussetzung: der Kauf der Halle durch die Stadt. Der Druck auf alle Beteiligten wächst also stetig. Vor allem die Tatsache, dass in den vergangenen zehn Jahren kein Betreiber die Halle hat profitabel unterhalten können, sorgt für gespaltene Lager unter den Stadtpolitikern. Warum ausgerechnet die Stadt nun die Arena mit Erfolg betreiben könne, sei für ihn nicht ersichtlich, sagte CSU-Stadtrat Georg Seitz.

          Ginge das Projekt schief, hätte Bamberg keine große Multifunktionshalle mehr. Ohne neues Überbrückungsgeld stünde bei einem abschlägigen Beschluss der Stadträte die Schließung bereits zum Oktober bevor. Und der Hauptmieter, die so erfolgreichen Baskets aus Bamberg, hätte keine Spielstätte mehr. „Einen Plan B“, so sagt Manager Heyder, „gibt es nicht.“

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