https://www.faz.net/-gtl-11jth

Basketballtrainer Michael Koch : Eine Trainerkarriere im Zeitraffer

  • -Aktualisiert am

„Ich will immer das höchste Ziel erreichen”, sagt Koch. Derzeit ist er Tabellenführer in der Basketball-Bundesliga Bild: imago sportfotodienst

Als Spieler hat Michael Koch alles erreicht. Jetzt führt er das Bonner Basketballteam als Coach an die Spitze. Niemand hätte dem einst gefürchteten Verteidiger einen so fulminanten Start als Trainer zugetraut. Niemand außer Koch selbst.

          2 Min.

          Es herrscht blankes Entsetzen im Fanblock der Schwelmer Baskets. Sekunden vorher hat Michael Koch für die Dragons Rhöndorf mit seinem vierten Dreier zum 63:63 getroffen. Der sonst so cool wirkende ehemalige Basketball-Nationalspieler ballt triumphierend die Fäuste. Die fest eingeplante Schwelmer Aufstiegsparty droht zu platzen. Doch am Ende setzt sich der spätere Meister Schwelm im Spitzenspiel der zweiten Liga durch. Eine Stunde später steht Koch frisch geduscht im winzigen Foyer, plaudert entspannt mit den Dragons-Fans und bestellt frisch gezapftes Kölsch.

          Es war eine kleine Sensation, dass der 140-malige Nationalspieler in der Saison 2003/04 ausgerechnet im beschaulichen Rhöndorf seine aktive Laufbahn ausklingen ließ. Der gebürtige Licher, der mit Bayreuth und Leverkusen insgesamt sechs deutsche Meistertitel gewonnen hatte, war im Sommer 2003 aus Griechenland nach Deutschland zurückgekehrt. Mit Panathinaikos Athen, wo er ob seiner spielerischen Konstanz den Spitznamen „Mercedes“ verpasst bekam, holte er 2000 den Europapokal der Landesmeister und vier Meisterschaften.

          In der Bundesliga war kein Platz mehr für ihn

          In Rhöndorf stand er plötzlich mit Jugendlichen in einer Mannschaft und reiste statt im Privatjet im Kleinbus zu Auswärtsspielen. „Er hatte überhaupt keine Starallüren, sondern war absolut zugänglich, egal ob für Mitspieler oder Fans“, erinnert sich der Rhöndorfer Manager Michael Wichterich. In der Bundesliga war kein Platz mehr für den damals 37-Jährigen. Weder Leverkusen noch Köln, noch Bonn hatten Interesse an Koch, den es zurück ins Rheinland zog. Also schloss er sich den Dragons an, um dort nebenbei in den Trainerjob hineinzuschnuppern.

          Heute steht der Europameister von 1993 beim Bundesliga-Tabellenführer Telekom Baskets Bonn an der Seitenlinie. Seine Trainerkarriere verlief im Zeitraffer: Im Sommer 2005 zunächst als Assistenztrainer von Danijel Jusup bei den Telekom Baskets Bonn verpflichtet, beerbte er den erfolglosen Kroaten im November 2005 als Headcoach. Mit einem Team, das nicht seinen Vorstellungen entsprach, schaffte der Trainernovize noch den Sprung in die Play-offs. Ein Jahr später scheiterten die Baskets im Viertelfinale am späteren Meister Bamberg.

          Trotz der Niederlage gegen Berlin konnte sich Koch als Sieger fühlen

          In der vergangenen Saison aber holten sie zum ganz großen Wurf aus. Die Bonner erreichten das Finale gegen Alba Berlin. Und Kochs Handschrift war unübersehbar: Er hatte aus den Baskets ein leidenschaftlich kämpfendes Team geformt, das mit seiner Verteidigung jedem Gegner das Leben schwermachen konnte. „Ich halte nichts davon, aus Trainern Heroen zu machen“, sagte Vereinspräsident Wolfgang Wiedlich. „Aber Michael erfüllt die in ihn gesetzten Erwartungen - und mehr als das.“

          Die Serie gegen Berlin ging zwar verloren. Koch konnte sich dennoch als Sieger fühlen. Niemand hätte dem einst so gefürchteten Verteidiger einen so fulminanten Start ins Trainergeschäft zugetraut. Niemand außer Koch selbst. „Ich will Bundestrainer werden“, sagte er einst selbstbewusst. Diese forsche Aussage machte er nicht etwa nach dem verlorenen Finale gegen Berlin, sondern schon im Dezember 2004.

          Koch fordert keine neuen Spieler

          Zu diesem Zeitpunkt leitet Koch in Rhöndorf eine Schul-AG mit Drittklässlern. „Ich will immer das höchste Ziel erreichen. Das ist mir als Spieler mit der Nationalmannschaft gelungen, das habe ich mit Panathinaikos geschafft.“ Genauso ehrgeizig ist auch der Trainer Koch: „Wenn ich mir keine hohen Ziele stecke, brauche ich gar nicht erst anzufangen.“

          Michael Koch ist absolut fokussiert auf das, was er erreichen will, ohne dabei seine Lockerheit zu verlieren. Die kommt ihm auch derzeit angesichts des enormen Verletzungspechs, das in dieser Saison treuer Begleiter der Baskets ist, nicht abhanden. Doch der Trainer klagt nicht, er fordert auch keine neuen Spieler. Das gefällt dem Vereinspräsidenten. „Er jammert nicht über die begrenzten finanziellen Möglichkeiten, sondern versucht, aus den vorhandenen Mitteln konsequent das Beste zu machen“, sagt Wiedlich und hofft auf eine langfristige Zusammenarbeit mit Koch. „Michael wäre ein sehr guter Bundestrainer. Aber ob er das noch werden will? Mit unserer neuen Halle in Bonn hat er Möglichkeiten, die in ganz Europa rar gesät sind.“

          Weitere Themen

          Bayern fallen aus allen Wolken

          Basketball-Pokal : Bayern fallen aus allen Wolken

          Titel in Liga und Pokal waren fest eingeplant. Würden die Bayern-Basketballer überhaupt ein Spiel gegen deutsche Gegner verlieren? Schon in der ersten Pokalrunde erfolgt die Bauchlandung.

          Topmeldungen

          Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund.

          Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

          In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.