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Wade Baldwin beim FC Bayern : Kampf gegen die Vergangenheit

„Der Rest ist Geschichte“: Wade Baldwin hat sein Glück in München gefunden. Bild: Picture-Alliance

Ein schwieriger Typ? Der Basketballprofi Wade Baldwin IV ist von mehr als einem Team verstoßen worden. Die Bayern haben trotzdem an ihn geglaubt – und recht behalten.

          4 Min.

          An einem Morgen im Oktober steht Wade Baldwin IV in einer Basketballhalle in Piräus, fast 8000 Kilometer und einen Ozean von seiner Heimat entfernt, und fragt sich: Was zur Hölle geht hier ab? Er trägt, das weiß er noch, ein Shirt von Olympiakos, dem großen griechischen Verein, bei dem für ihn alles anders werden sollte.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Anders als in seinem Heimatland, den Vereinigten Staaten. Anders als in seiner Heimatliga, der NBA, wo er noch im Februar innerhalb von drei Tagen von drei Teams verstoßen wurde. Die Portland Trail Blazers schickten ihn in einem Tauschgeschäft zu den Cleveland Cavaliers. Die Cavaliers schickten ihn in einem Tauschgeschäft zu den Indiana Pacers. Und die Pacers schickten ihn dann ohne Tauschgeschäft fort.

          Er wechselte, wie viele Profis, die aus der NBA entlassen werden, in die Euroleague, den besten europäischen Wettbewerb. Es ging auch ums Geld, vor allem aber um ein Gefühl: endlich wieder gebraucht zu werden.

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          An dem Morgen im Oktober aber, sein Vertrag mit Olympiakos ist drei Monate alt, steht Baldwin in der Halle und spricht mit seinem Trainer, der spontan vom Assistenten zum Chef befördert ist und nun sagt: „Wir brauchen dich nicht mehr!“ Jetzt, fast anderthalb Jahre später, sitzt Baldwin, ein Mann mit ernstem Blick, in der Basketballhalle in München und sagt: „Das kann ich nicht vergessen.“

          18 Euroleague-Vereine, ein Angebot

          Wenn Wade Baldwin, 25 Jahre alt und 1,93 Meter groß, sich in dieser Saison für ein Euroleague-Spiel mit dem FC Bayern motiviert, denkt er an sein Jahr in Piräus, das er trotz der Entwürdigung durchgezogen hat. Er denkt an den Sommer danach, an die vielen Tage, an denen er in den Vereinigten Staaten trainiert und auf ein Zeichen aus Europa gewartet hat, fast immer vergeblich. In der Euroleague spielen 18 Vereine mit. Baldwin sieht das so: 18 Vereine, ein Angebot, das heißt: 17 Vereine wollten ihn nicht. Er sagt: „Ich nehme das persönlich.“

          Jetzt, da der FC Bayern an diesem Dienstag (21.00 Uhr) zu seinem drittletzten Hauptrundenspiel gegen Fenerbahce Istanbul antritt, kann man sagen: Ja, Baldwin hat’s persönlich genommen – und seinem neuen Team damit sehr geholfen. Die Bayern sind momentan Tabellenfünfter, so gut wie keine deutsche Mannschaft zuvor.

          Er verbreitet Angst – nicht nur beim Gegner

          Als sie gegen den FC Barcelona, den Ersten der Euroleague, gewannen, machte er 29 Punkte. Als sie gegen ZSKA Moskau, den Zweiten, gewannen, machte er 22 Punkte. Und als sie gegen Panathinaikos Athen gewannen, dunkte Baldwin den Ball in einer der spektakulärsten Szenen der Saison über Konstantinos Mitoglou, 2,10 Meter groß, in den Ring. Später veröffentlichte er auf Instagram ein Foto der Aktion und fügte vier Buchstaben an: F.E.A.R. In Baldwins Sprache heißt das: Face Everything And Rise. Stelle dich allem und wachse daran. Und natürlich ist es kein Zufall, dass das Wort „Fear“ in der englischen Sprache etwas anderes heißt: Angst.

          Wenn Baldwin Basketball spielt, verbreitet er Angst. Das macht er mit seiner außergewöhnlichen Athletik und seinen langen Armen. Wenn er angreift, kommt er oft an seinen Gegenspielern vorbei. Wenn er verteidigt, kommen seine Gegenspieler oft nicht an ihm vorbei. Seine Spezialitäten: Korbleger mit Körperkontakt und Würfe, die er hoch in der Luft loslässt.

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