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Basketballer Zach Hodskins : Eine Hand am Ball

  • -Aktualisiert am

Höhenflug trotz Einschränkung: Zach Hodskins Bild: picture alliance / landov

Zach Hodskins kann ohne linken Unterarm im College-Basketball beweisen, was er kann. Das Medieninteresse an ihm ist groß. Oft aber wird er von Anhängern gegnerischer Mannschaften verspottet.

          Zach Hodskins kennt die Frage, die ihm Menschen gerne stellen, wenn sie ihn zum ersten Mal auf einem Basketballspielfeld erlebt haben: „Sie wollen wissen, wie ich meinen Arm verloren habe.“ Je nachdem, in welcher Stimmung er ist, gibt er ihnen auch mal diese Antwort: „Ich sage Ihnen: Den hat mir ein Hai abgebissen.“ Der Satz produziere einen Gesichtsausdruck, der unbezahlbar sei, sagt er. Er mag diese Version, weil sie so klinge, als ob er knallhart sei.

          Dabei ist die Wahrheit hart genug. Der Siebzehnjährige kam ohne linken Unterarm zur Welt und musste von klein auf damit umgehen, aus dieser Einschränkung seiner Möglichkeiten das Beste zu machen. Viel besser als in dem Video, das im Sommer im Internet zu zirkulieren begann, geht es allerdings nicht.



          Es zeigte einen jungen Basketballspieler, der mit seiner einen Hand mehr Dreier „versenkte“ als die meisten Spieler in seinem Alter mit beiden Händen. Die Vorführung machte Hodskins nicht nur bekannt, sondern brachte ihm die Chance ein, vom nächsten Jahr an auf dem höchsten Amateur-Level in den Vereinigten Staaten noch mehr von seinen Fähigkeiten zu zeigen.

          Bill Donovan, der Erfolgstrainer der Mannschaft der University of Florida, bot ihm zwar kein Stipendium an, aber immerhin einen Platz im Kader. Die Offerte produzierte landesweit Schlagzeilen, die meistens mit dem Wort „Der Einarmige“ beginnen. Und die gewöhnlich in einem Laudatio-Chor enden.

          „Erstaunlich, wie sehr so etwas andere anspornt“

          Ob verblüffte Experten oder Gegner seiner Schulmannschaft in der kleinen Stadt Alpharetta im Bundesstaat Georgia – alle stimmen eine Melodie an: Der 1,93 Meter große Aufbauspieler arbeitet gut in der Defensive. Sein Sprungwurf ist geschmeidig. Und wenn er den Ball hat, kann man ihn nur schwer decken. „Es ist erstaunlich, wie sehr so etwas andere anspornt“, sagte Hodskins neulich.

          Im Alter von sieben Jahren brachte ihm sein Vater das Spiel nahe. Er brauchte eine Weile, bis er den Dreh herausfand, beim Wurf den verkürzten linken Arm als Stütze einzusetzen. Aber je besser er wurde, desto stärker konzentrierte er sich auf seine Rolle im Mannschaftsgefüge als Ballverteiler und Distanzschütze.

          „Basketball. Um was anderes geht es hier nicht“

          „Er will wie jeder andere behandelt werden“, betont sein Schultrainer Matt Kramer. Zumal die Mannschaftskameraden mit der Situation und der damit einhergehenden besonderen Beachtung umgehen können. „Das beeindruckt uns nicht. Wir spielen einfach Basketball“, sagte einer: „Um was anderes geht es hier nicht.“

          Tatsächlich zeigt das enorme Medieninteresse an Hodskins auch, wie vergesslich die Öffentlichkeit ist. So schaffte es vor ein paar Jahren der 2,11 Meter große Kevin Laue aus Kalifornien nicht nur bis in eine der obersten College-Leistungsstufen, genannt Division I. Aus seiner Lebensgeschichte wurde ein Dokumentarfilm, der vor einem Jahr in ein paar amerikanischen Kinos gezeigt wurde. Titel: „Long Shot: The Kevin Laue Story“.

          Angesichts des Interesses an Hodskins fühlte sich die Vertriebsfirma nun ermutigt, einen neuen Anlauf zu wagen. Auch Laue kam ohne linken Unterarm zur Welt, der ihm als Fötus im Mutterleib von der Nabelschnur abgequetscht worden war. Seine Eltern versuchten, ihn für Fußball zu interessieren. Doch seine sportlichen Ambitionen galten dem Basketball. 2009 erhielt er ein Stipendium vom Manhattan College.

          Die Zeitung „New York Times“ fand die Geschichte „denkwürdig“, kritisierte allerdings, dass der Filmemacher den „intelligenten, liebenswürdigen und mit einem trockenen Witz“ ausgestatteten Sportler als jemanden beschreibt, der sich vor allem deshalb ins Zeug legt, weil ihn der frühe Tod seines Vaters plagt. Als brauchte ein Mensch mit einer Behinderung eine Extramotivation, um dem Rest der Welt zu zeigen, wozu er fähig ist.

          „Das ist von Kind an mein Traum gewesen“

          Zach Hodskins zum Beispiel muss unter anderem damit fertig werden, dass er oft von Anhängern gegnerischer Mannschaften verspottet wird. Es sind Typen in seinem Alter, die „Sachen sagen, um mich aus der Ruhe zu bringen, wenn ich zum Wurf ansetze“. Er hat gelernt, das auszublenden. „Ich finde es lustig. Und ich gehe raus und werfe noch mehr Körbe, einfach, um ihnen das Maul zu stopfen.“

          Dieses Selbstbewusstsein gründet auf einem schlichten Fundament. „Ich weiß, dass mich Gott an den richtigen Ort gestellt hat“, schrieb er neulich im Kurznachrichtendienst Twitter. Er ist längst ein Medienprofi und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Das ist von Kind an mein Traum gewesen. Ich habe zwar nicht damit gerechnet. Aber die harte Arbeit hat sich gelohnt.“

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