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Basketballer Schaffartzik : Aufbauspieler oder Trainer?

Machen Sie eine wegwerfende Handbewegung! Heiko Schaffartzik macht nicht immer, was er am besten kann Bild: AP

Trotz des starken Heiko Schaffartzik haben die deutschen Basketballer bei der EM ein Führungsproblem. Will die Mannschaft die Zwischenrunde erreichen, ist an diesem Sonntag (14.30 Uhr) ein Sieg gegen Großbritannien Pflicht.

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          So deutlich wie Per Günther hat noch kaum jemand das Problem der deutschen Auswahl mit sich und ihrem zur Zeit überragenden Spieler beschrieben. „Wir haben eine extreme Hierarchie im Team“, sagt er über das Gefälle an Erfahrung, Leistung und Spielanteilen. An der Spitze der Hackordnung steht uneingeschränkt Heiko Schaffartzik. „Es wird von ihm verlangt, dass er verteidigt, dass er den Ball nach vorne bringt, dass er punktet, dass er das Ding reinmacht, wenn es nicht läuft, dass er jeden Tag vor der Presse steht, dass er seine Teammates rausboxt, wenn sie mal nicht gut spielen“, sagt der junge Aufbauspieler. „Ich denke, das ist sehr viel für ihn, und das ist etwas, das wir, wenn wir erfolgreich sein wollen, einschränken müssen. Das geht aber nur, wenn andere Leute hervortreten, basketballerisch. Solange das nicht passiert, kann die Rolle für Heiko nicht einfacher werden.“

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Was soll es zu meckern geben am Solo für Schaffartzik, einen starken, selbstbewussten Aufbauspieler? Von den Lenkern aller 24 Mannschaften der EM in Slowenien ist der 28 Jahre alte Profi, der in der nächsten Saison für Bayern München spielen wird, bislang der Erfolgreichste: Mit fast zehn Assists pro Spiel und im Schnitt 16,3 Punkten steht er an der Spitze der Passgeber-Statistik und auf Nummer 13 bei den Korbschützen - die sein Mannschaftskamerad und Zimmernachbar Robin Benzing mit im Schnitt 20,3 Punkten anführt, gemeinsam mit dem Alleinunterhalter des mazedonischen Teams, Bo McCalebb. Auch das ist ein Verdienst von Schaffartzik, der schon nach drei Spielen als einziger Profi der Titelkämpfe zwei sogenannte Double-Doubles zu bieten hatte, zweistellige hervorragende Arbeitsnachweise bei den Punkten und Assists. Schließlich bekommt Benzing den Ball von ihm. Doch die Statistik hat einen Haken. „Ich würde das gern eintauschen gegen zwei Siege oder wenigstens den einen gegen die Ukraine“, sagt Schaffartzik. Mit bisher zwei Niederlagen droht der Nationalmannschaft selbst bei Siegen über Großbritannien an diesem Sonntag (14.05 Uhr/ARD) und Israel (am Montag) das Ausscheiden.

          „Der Trainer macht immer die Ansagen“ - oder?

          “Wir müssen wieder besser als Mannschaft zusammenspielen“, antwortete Distanzschütze Lucca Staiger auf die Frage, was besser werden müsse im Spiel der Deutschen: „Alle fünf Spieler, die auf dem Spielfeld stehen, brauchen einen besseren Rhythmus, dass alle mehr involviert sind und jeder dazu beitragen kann, dass wir erfolgreich sind und gewinnen.“

          Begnadete Soli: Heiko Schaffartzik übernimmt die Verantwortung
          Begnadete Soli: Heiko Schaffartzik übernimmt die Verantwortung : Bild: AFP

          Offenbar ist es nicht so. Schaffartzik führt Regie und spielt zugleich die Hauptrolle. Wie dominant er ist, zeigt sich nicht nur darin, wie er seine Mannschaft auf dem Feld dirigiert und manchmal auch kommandiert. Die Fernsehzuschauer konnten während der Auszeit kurz vor Schluss der Partie gegen die Ukraine hören, wie der Trainer ein Angriffssystem ansagte, sich an Schaffartzik wandte und dieser ihm widersprach. „Hast recht“, sagt Menz. Schaffartzik entschied: „Wir spielen Horns, und ich kriege ihn raus oder Benzing . . .“ Der Bundestrainer wiederholte die taktische Marschrichtung.

          “Der Trainer macht immer die Ansagen“, beteuerte Schaffartzik am Samstag. „Er gibt uns die Möglichkeit, etwas zu sagen, und ich habe darauf hingewiesen, dass wir nicht mehr die Positionen hatten, dieses System zu spielen.“ Menz legte im Gespräch im Mannschaftshotel Wert darauf, im Besitz der Autorität zu sein. „Erst mal ist es so, dass ich vorgebe, was gespielt wird. Das setzt die Mannschaft eins zu eins um, in allen Bereichen“, sagte er.

          Ein spielentscheidender Fehler

          Die Brillanz seiner beiden besten Angreifer passe ins Konzept. „Diejenigen, die auf europäischem Top-Level mithalten können, müssen wir entsprechend in Szene setzen“, sagte er: „Das gelingt super. Mehr können wir offensiv für Robin und Heiko nicht tun.“ Nicht zu vergessen sei, dass Center Tibor Pleiß mit neun Rebounds pro Spiel zu den besten zehn der EM gehöre. Allerdings kommt der 2,18 Meter lange Rheinländer, der längste Spieler des Turniers, auf lediglich fünf Würfe pro Partie und acht Punkte. Das liege nicht am fehlenden Anspiel, behauptete Menz, sondern an seiner neuen Rolle direkt unter dem Korb.

          So läuft und kämpft, steht und fällt das deutsche Team mit dem übermächtigen Schaffartzik, einem Spieler, dessen Genie immer in Kombination mit Wahnsinn besungen wird. „Wilde“ Distanzwürfe und atemraubende Soli sind seine Markenzeichen, doch mit der Harmonie des Ensembles scheint es zu hapern. Dank des Einsatzes und der Risikobereitschaft von Schaffartzik holte die deutsche Mannschaft 16 Punkte Rückstand auf. Dann aber beklagte der Aufbauspieler während des Ballvortrags beim Schiedsrichter, dass der Ball nass sei. Das brachte ihn derart in Zeitnot, dass er aus der eigenen Hälfte spurten musste - geradewegs in seinen Gegenspieler hinein: ein Offensivfoul, das bestraft wurde. „Wenn wir den gemacht hätten“, sinnierte Menz am Tag drauf, „wir waren einen Punkt dran, und die Ukrainer hatten gar keinen Spielfluss. Das war spielentscheidend.“ Den krassen Fehler von Schaffartzik erklärte er mit abweichenden Regeln in europäischen Wettbewerben. „In der Bundesliga hätten die Schiedsrichter unterbrechen können“, sagte er. Das habe Schaffartzik wohl im Sinn gehabt: „Anders wäre das nicht zu erklären.“

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