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Basketballer Luke Sikma : Er tanzt und er trifft

Einer der besten Spieler der Liga und wichtig für Alba Berlin: Luke Sikma (links). Bild: dpa

Luke Sikma von Alba Berlin wuchs im Schatten einer Center-Legende der Basketball-Liga NBA auf. Nach Startschwierigkeiten ist er nun zum vielleicht besten Spieler der deutschen Liga gereift. Das liegt vor allem an einem.

          3 Min.

          Wie einem Sohn helfen, der so groß werden möchte wie sein übermächtiger Vater? Luke Sikma wuchs buchstäblich im Schatten einer Center-Legende der Basketball-Liga NBA auf. Wenn er mit Daddy zu Spielen der Seattle Super Sonics ging, war dieser stets von Autogrammjägern umlagert. Bald realisierte der kleine Luke, dass das Trikot mit der Nummer 43, das dort in der Halle hing, seinem Vater gehörte; die Sonics würden die Rückennummer nie mehr vergeben.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Zehn Jahre nach der Meisterschaft von Jack Sikma mit den Sonics geboren, 1989, spielte Luke von klein auf Basketball, sprach über Basketball, dachte Basketball. Doch mit fünfzehn, sechzehn kam sich Luke klein und schmächtig und aussichtslos vor im Vergleich mit den 2,11 Meter Körpergröße seines Vaters. Er sei nicht immer der überragende Spieler gewesen, der sieben Mal ins All-Star-Team berufen wurde, machte Vater Sikma dem Sohn deutlich. Er sei ein Spätentwickler gewesen. Erst an der Highschool sei er in die Länge geschossen, so schnell allerdings, dass ihm oft schwindelig wurde. Als er einmal vom Fernsehen aufstand, wurde er ohnmächtig, stürzte und schlug sich die Stirn auf; die Wunde musste genäht werden. „Du entwickelst dich“, beschwor er seinen Sohn. „Das Beste kommt noch.“

          Der Vater hatte recht. In zwei Jahren Highschool wuchs Luke Sikma fast achtzehn Zentimeter. Und er entwickelt sich immer weiter. Vor den Play-offs der Basketball-Bundesliga an diesem Samstag (18.15 Uhr bei Sport 1) ist er zum „MVP“ gewählt worden, dem wertvollsten Spieler der Punktrunde. „Ich verstehe das als Anerkennung meiner Mannschaft und unserer Trainer“, sagt Sikma junior. Alba Berlin, die Nummer zwei der Punktrunde, verfügt in Coach Aito Garcia über den „Trainer des Jahres“; Sikma und Aufbauspieler Peyton Siva sind ins All-Star-Team der Liga gewählt worden. Im Viertelfinale haben sie es mit den EWE Baskets Oldenburg zu tun.

          Der überragende Spieler des Teams

          Nach dem Maßstab des amerikanischen Basketballs ist Luke Sikma zu klein für seine Position. Bei 2,03 Meter Länge endete sein Wachstum. In der NBA spielen Riesen wie Kristaps Porzingis (2,21 Meter) und Anthony Davis (2,11) als Power Forwards; Kevin Durant mit nur 2,06 Meter Länge gilt als Ausnahme. „Nach allem, was ich hörte“, sagt Sikma, „passte das Spiel in Europa schon immer besser zu mir als das in der NBA.“ Davon war auch der Spanier Himar Ojeda überzeugt, als er Sikma 2011 bei einem Turnier in Portmouth (Virginia) sah. Damit der 21 Jahre alte Spieler sich für das spanische Erstliga-Team von Gran Canaria entwickeln konnte, das Ojeda trainierte, verpflichtete er ihn für die Zweitliga-Mannschaft auf Palma; Trainer dort war Carlos Frade. Sieben Jahre später sind alle drei bei Alba: Frade als Individualtrainer, der Sikma dabei geholfen hat, seine vielleicht einzige Schwäche zu überwinden, den Distanzwurf. Ojeda ist Sportdirektor der Berliner, und Sikma, mit 28 der älteste, ist der überragende Spieler des Teams.

          Er spielt unterm Korb, er trifft aus der Halbdistanz und seit einigen Wochen auch Dreier. Es ist, als sei das Wort seines Vaters das Motto seiner sportlichen Karriere geworden. Luke Sikma entwickelt sich immer weiter. Von Palma ging er nach Burgos in die erste spanische Liga, spielte für Teneriffa und gewann im vergangenen Jahr mit Valencia – gegen Real Madrid – die spanische Meisterschaft. Valencia bereue es, Sikma ziehen lassen zu haben, ist zu hören, und auch andere Teams der Euro-League seien interessiert. Doch noch ein Jahr läuft sein Vertrag in Berlin; Zeit, die er gewiss nutzten wird, weiter zu wachsen.

          Die Rolle Sikmas erinnert an die von Nicolo Melli, als dieser noch in Bamberg spielte. Er ist ein gefährlicher Scorer. Auf im Schnitt 12,8 Punkte kommt Sikma pro Spiel, es können aber auch schon mal, wie im Spiel gegen Frankfurt, 28 sein. Er scheint stets zu wissen, wohin der Ball springt; im Schnitt macht er mehr als sieben Rebounds. Seine größte Stärke aber ist die Spielübersicht. Als besten Point Forward der Liga lobte ihn, als er noch Trainer von Bayern München war, Sascha Djordjevic, eine Mischung aus Flügel- und Aufbauspieler. Die Berliner hatten, nach deutlicher Führung, das Pokalfinale gegen die Bayern verloren; fünf Wochen später gewannen sie das Punktspiel in München mit 19 Punkten Differenz. Sikma steuerte 14 Punkte, neun Rebounds und neun Assists bei.

          Wenn das Team seine Punkte braucht, rückt er in die Center-Position und tanzt die längsten und kräftigsten Gegner aus oder lässt sich im Flug den Ball über dem Korb zuspielen. Vor allem aber hat er den Blick für Mitspieler. Wer frei steht, kann sicher sein, von Sikma angespielt zu werden. Die hochgezogenen Augenbrauen des Amerikaners sind fast schon ein Markenzeichen, mit denen er Mitspieler auffordert, in eine Lücke zu ziehen, die sie vielleicht noch gar nicht gesehen haben. Der Stolz auf seinen Vater überwiegt längst den Traum, es ihm gleichzutun. Wie Jack trägt Luke Sikma die Rückennummer 43.

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