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Basketballer John Bryant : Der Koloss aus Kalifornien

Athletik kann er nicht verlieren - er hatte nie eine

Finanziell soll es kein außergewöhnliches sein in Anbetracht der bescheidenen Gießener Möglichkeiten. „John passt in unser Gehaltsgefüge“, betont Schelberg. „Er hat einen ganz normalen, nicht leistungsbezogenen Vertrag, bei dem gewisse Prämien mit drin sind.“ Für Bryant ist Geld nicht mehr „das Wichtigste“. Als junger Spieler sei das anders gewesen, gibt er zu. „Da haben mich materielle Dinge wesentlich mehr beschäftigt.“

Der Center, der schon immer mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Von Januar bis Mitte Juni 2017 arbeitete er mit einem Fitnesscoach in München. Anschließend hielt er sich auch in Kalifornien strikt an den aufgestellten Trainingsplan. In seinem ersten Jahr an der Universität wog Bryant noch 180 Kilo, er genoss das süße Studentenleben und futterte auch Eiscreme. Bevor er in Ulm zum Superstar wurde, nahm Bryant 50 Kilo ab. So oder so: Seiner Statur, findet er, werde zu viel Gewicht beigemessen. Denn seine Athletik könne er nicht verlieren, weil er nie groß eine gehabt habe, sagt Bryant. Zu seinen Stärken zählt er seine Spielintelligenz, die er sich bei seinen körperlichen Voraussetzungen auch aneignen musste. Der Brettspieler, der beim Rebound und direkt unter dem Korb eine Macht ist, hat immer ein Auge für seine Mitspieler. Drei Ballvorlagen pro Spiel sind für ihn aktuell ein Bundesliga-Karrierebestwert. Seine Bandbreite an Fähigkeiten in der Offensive machen Bryant allemal zu einem Ausnahmespieler, einem Phänomen. Er könnte auch auf den Flügelpositionen agieren.

In Ulm erweiterte er unter Trainer Thorsten Leibenath als ordentlicher Dreipunkteschütze sein Repertoire beim Abschluss. Nur momentan liegt seine Quote aus der Distanz bei mageren 16,7 Prozent. Bryant führt das darauf zurück, dass ihm noch ein bisschen der Rhythmus und das Selbstvertrauen fehlten. Beim von Trainer Freyer vorgegebenen Hochgeschwindigkeits-Basketball ist Bryant der Bulle unter vielen Rennpferden. Das hohe Tempo passe nicht zu seiner Spielweise, aber die Dinge würden „langsam zusammenwachsen“, meint er. „Es ist ein Lernprozess.“ Die sportlichen Vorzüge seines Vorzeigespielers will Freyer „bestmöglich nutzen“: Bryant, der Fels in der Brandung, soll nicht nur Punktelieferant sein, sondern auch passen und die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich ziehen. Nutzen diese die Schnelligkeitsvorteile ihrer Spieler im Umschaltspiel, stößt Bryant in der Defensive aber an seine Grenzen. In der Zone kann Bryant mit geblockten Würfen jedoch eine Macht sein.

Mit harter Arbeit hat er sich wieder hochgearbeitet. Seine Fitness werde „definitiv von Tag zu Tag besser“, sagt Bryant. Sein Plan ist aufgegangen: es allen zu beweisen, dass er noch Statistiken auflegen kann. Nun wollen die Gießener ihrem Königstransfer noch die Krone aufsetzen und den Vertrag mit ihrem prominenten Zugpferd über diese Saison hinaus verlängern. „John räumt auf und weg unter dem Korb. Er lässt es mal krachen.“ Schelberg erwartet „schwierige Gespräche“ mit seinem Hochkaräter. Bryant, der seinen Marktwert in Gießen wieder gesteigert hat und sich in der Universitätsstadt wohl fühlt, macht den 46ers immerhin Hoffnung. „Es gibt immer eine Chance.“

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