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Bayern-Basketballer Cunningham : „Ich will wieder in die NBA“

Dominant: Jared Cunningham war auch im Pokal-Halbfinale gegen Ulm der Beste Bild: dpa

Jared Cunningham war schon nah dran an einem Ring des NBA-Champions. Bei Bayern München will er sich nun abermals empfehlen. Vor dem Pokalfinale gegen Alba Berlin spricht er über die Geschäftslogik seines Sports und über Sneakers.

          Jared Cunningham ist einer der Stars der deutschen Basketballliga BBL. Der 26 Jahre alte Amerikaner hat nach mehreren Jahren in der NBA über China zu Bayern München gefunden. Mit dem Klub bestreitet er am Sonntag (15 Uhr/ live bei TelekomSport) das Finale im BBL-Pokal gegen Alba Berlin. Im Halbfinale am Samstag war der in Kalifornien aufgewachsene Cunningham beim 84:73 gegen Ulm der beste Korbjäger seines TEams. Er erzielte 22 Punkte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Sie sammeln Sportschuhe. Wie viele besitzen Sie?

          Ungefähr 1800. 1800 Paare.

          Die tragen Sie alle?

          Ich versuche es. Ich trage so viele, wie ich kann.

          Auch diese hier? Sind das Vinyl-Schallplatten auf den Laschen?

          Das ist das Zeichen von Roc-A-Fella, der Plattenfirma von Jay-Z. Dies sind Air Forces, die ich online in einem Laden in den Staaten gefunden und mir habe schicken lassen.

          Was hat es mit Sneakers auf sich?

          Als ich jung war, war ich fasziniert von all denen, die ich nicht kriegen konnte. Meine Eltern haben sich krummgelegt, damit ich Schuhe bekomme. Ein Paar zu kriegen bedeutete, drei, vier andere nicht zu kriegen. Seit ich Profi bin, kann ich sie mir leisten. Einfach ein frisches Paar zu tragen, dieses Weiß macht Spaß.

          In der NBA waren Sie Nike-Athlet, nun sind Sie bei Adidas. Wussten Sie, dass auch Bayern München eine der großen Marken der Sportwelt ist?

          In Amerika ahnte ich das nicht. Als ich am Flughafen München den Fan-Shop gesehen habe mit den Fußball- und den Basketball-Artikeln, habe ich gesagt: Wow, ist das unser Laden? Ich hatte keine Vorstellung, wie groß Bayern München ist.

          Engagierte Defensive:  Bayern Münchens Jared Cunningham (Mitte) gegen Bambergs Maodo Lo (r)

          J1Flight klingt wie ein Markenname.

          Am College habe ich den Spitznamen Flight bekommen für meine Sprünge und Dunks.

          Wie Air?

          Ja. Am College war ich die Nummer eins, deshalb J1Flight.

          2012 wurden Sie beim Draft in der ersten Runde von den Cleveland Cavaliers verpflichtet. In den fünf Jahren danach haben Sie, einschließlich Abordnungen in die D-League, für zwölf verschiedene Klubs gespielt . . .

          Die Klubs schicken dich in die D-League, um ein paar Spiele zu machen, dann holen sie dich zurück. Ich würde sagen, dass ich für fünf Teams gespielt habe.

          Bei den Dallas Mavericks im Jahr nach der Meisterschaft mit Dirk Nowitzki, bei den Atlanta Hawks mit dem jungen Dennis Schröder, bei den Sacramento Kings, bei den Los Angeles Clippers, bei den Milwaukee Bucks. Hatten Sie je die Chance, Ihr Potential zu zeigen?

          Nein. Jetzt spiele ich zum ersten Mal wieder auf meinem Niveau.

          Warum war das so?

          Als ich gedraftet wurde, war ich am Oberschenkel verletzt, ein Muskelfaserriss, wie sich später herausstellte. Ich habe nicht in der Summer League gespielt in meinem ersten Jahr. Deshalb war ich nicht in der Rotation, als die Saison begann, und sie haben mich runter in die D-League geschickt. So ging es los.

          In der Saison 2015/16 haben Sie gut vierzig Spiele für die Cleveland Cavaliers mit LeBron James und Kyrie Irving gemacht, die Meister wurden. Aber Sie wurden verkauft.

          Das war verrückt. Mein Vertrag passte in das Trade-Schema, das sie hatten. Ich war völlig erledigt, als das passierte.

          Die Cavaliers tauschten Sie und einen anderen Spieler für Channing Frye von den Orlando Magic ein; kaum waren Sie in Florida, wurden Sie freigestellt. Wie haben Sie die Meisterschaft Ihrer alten Mannschaft erlebt?

          Ich konnte mir das entscheidende Spiel gegen die Golden State Warriors nicht anschauen. Mir war schlecht. Meine Familie hat geguckt, und ich war im Nebenraum. Als sie mir sagten, dass die Cavs gewonnen hatten, habe ich LeBron und Tristan angerufen und ihnen gratuliert.

          LeBron James und Tristan Thompson. . .

          Das war hart. Ich könnte einen Meisterschafts-Ring haben. Ich bin überzeugt, dass ich zu dem Erfolg beigetragen habe. Anfang der Saison war ich manchmal in der Starting Five. Ich habe im Schnitt fünfzehn Minuten gespielt.

          Ist der Umgang mit den Spielern fair in der NBA?

          Das ist ganz entschieden ein Geschäft. So muss man es sehen. Selbst Spieler mit großen Namen werden getraded, Chris Paul, Jimmy Butler, Isaiah Thomas. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. Es gibt 460 Plätze in der Liga und Millionen Spieler, die sie haben wollen. Man muss seine Nische finden, sich wie ein Profi verhalten und da durch.

          Oder man geht, wie Sie nach fünf Jahren NBA, nach China und tut was fürs Ego.

          Die Saison ist kurz. Ich war von Oktober bis Februar dort, ich hatte einen guten Vertrag. Als mein Sohn im April geboren wurde, war ich zurück bei meiner Frau.

          In der NBA schon mittendrin: Jared Cunningham (am Boden) im Trikot der Milwaukee Bucks

          Hat es gutgetan, für die Monkey Kings Nanjing zu spielen?

          Ich habe dreißig, vierzig, fünfzig Punkte gemacht, in einem Spiel sogar siebzig. Das ist es, was sie von amerikanischen Spielern dort erwarten. Wenn du nicht triffst, bist du raus.

          Nun sind Sie voller Selbstbewusstsein in Deutschland. . .

          Absolut. Hier ist es anders als in China: strukturiertes Spiel, viele Set Plays, Sachen, auf die du dich zu konzentrieren lernen musst. Ich fühle mich mit jedem Spiel wohler. Viele meiner Mannschaftskameraden spielen schon lange hier, ich bin der Einzige im Team, der neu von außerhalb Europas kommt. Das ist echt eine Herausforderung.

          Müssen Sie sich anpassen, oder müssen Sie Neues lernen?

          Ich muss lernen, langsamer zu machen, mehr Teamspieler zu sein, mehr zu passen. In Amerika haben wir auch in der Verteidigung eine Drei-Sekunden-Regel, das macht es Angreifern leichter, zum Korb zu ziehen. Die Regel gibt es in Europa nicht, wir stehen dichter in der Defensive. Aber hier wie dort ist es Basketball.

          Der Plan ist, die Marke Jared Cunningham aufzupolieren und zurückzukehren nach Amerika?

          Ich will wieder in die NBA. Aber erst mal konzentriere ich mich auf meine Mannschaft und unseren Erfolg. Ich habe hier einen Vertrag für ein Jahr.

          Sieht aus, als hätten Sie die stärkste Mannschaft der Liga und als gäbe es keine Entschuldigung, nicht endlich Meister und Pokalsieger zu werden. Spüren Sie das?

          Ich habe nichts über die vergangenen Jahre gehört. Aber diese Mannschaft ist zusammengestellt, um zu gewinnen. Ich habe das Gefühl, wir machen das ganz gut im Moment. So muss es weitergehen. 

          Ist die Bühne in Deutschland groß genug, um die NBA an Sie zu erinnern?

          Wenn wir Meister werden oder den Euro-Cup gewinnen, spielt das Team nächste Saison Euro-League. Das ist die nächstgroße Liga zur NBA. Deshalb müssen wir alles gewinnen. Dann steigen auch meine Aktien.

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