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Im Gespräch: Ex-Basketballer Herber : „Keiner wollte mit Nowitzki tauschen“

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Erzählungen aus seinem Sport: Der ehemalige Basketballer Johannes Herber Bild: dpa

Johannes Herber war Basketball-Profi. Jetzt hat er ein Buch geschrieben über Sport am College, in der Bundesliga und seine Rolle als Posterboy der Lost Generation. Ein Gespräch.

          4 Min.

          Ende März erscheint das Buch des ehemaligen Basketball-Profis Johannes Herber im Berlin-Verlag. Vor gut einem Jahr schrieb er im Feuilleton dieser Zeitung über die Schwierigkeit, aufzuhören mit dem Sport. Nun legt der Einunddreißigjährige einen Rückblick aufs große Ganze vor: aus der Warte seiner vier Jahre an der West Virginia University - der Titel des Buchs entstammt der Hymne „Country Roads“ des amerikanischen Bundesstaats -, aus der Erfahrung seiner sechs Spielzeiten für Berlin, Tübingen und Frankfurt in der Bundesliga sowie mit der Erfahrung von 74 Einsätzen in der Nationalmannschaft.

          Was meinen Sie, wenn Sie sagen, Basketball sei eine große Erzählung?

          Seine Geschichte, seine Geschichten, seine Legenden. Basketball ist The Game, dem man huldigt und dem man Opfer bringt mit seiner Einstellung. Ich wäre glücklich, wenn ich dazu einen Beitrag leisten könnte.

          Haben Sie die Distanz zu sich selbst, die Ihrem Buch eine selbstironische Färbung gibt, aus dem Sport?

          Ich habe Kolumnen geschrieben, da konnte ich das trainieren. Es ist auch eine Möglichkeit, schreiberisch mit dem Ich umzugehen. Wenn man so viel von sich erzählt, gehört es auch dazu, ein bisschen neben sich zu stehen.

          Ihre Erinnerungen sind sehr konkret. Haben Sie Tagebuch geführt?

          Leider nicht so akribisch und lückenlos, wie ich es mir beim Schreiben manchmal gewünscht habe. Am Ende der Karriere habe ich mehr geschrieben als zwischendurch. Meine Zeit in Amerika ist gut dokumentiert von den Medien. Ich war dort von neunzehn bis 23. Das war eine Zeit, die ich intensiv gelebt habe.

          Hatten Sie den Impuls: Halt das fest, das ist unwiederbringlich?

          Das hat uns auch unser Trainer, Coach Beilein, eingebleut. In seinen Motivationsreden sprach er davon, dass dies für uns eine endliche Erfahrung ist: vier Jahre und, wenn man Glück hat, 120, 130 Spiele. Er hat uns klargemacht, dass wir jedes einzelne Spiel genießen sollten.

          In einem Ihrer schönsten Texte beschreiben Sie, wie Sie und Ihr Team am Endturnier im Madison Square Garden von New York teilnehmen. Das muss der Höhepunkt Ihrer Karriere gewesen sein ...

          es kam noch die Europameisterschaft in Spanien ...

          ... 2007. Sie erreichten, im Team mit Dirk Nowitzki, Platz fünf.

          Da hatte ich ein paar gute Spiele und vom Gefühl her ein Hoch. Aber wenn man zurückblickt auf die Bedeutung des Spiels in New York und die Aufmerksamkeit, die wir bekamen, auf die Mannschaft und meinen Platz darin, da hat alles gestimmt. Ja, das war der Höhepunkt.

          Das ist nicht nur eine glückliche Erinnerung, sondern manifestiert auch den Umstand, dass man als Sportler nie weiß, wann es bergab geht.

          Das war schon ein sehr früher Peak. Ich wusste, dass das nicht wiederkommen würde. Im Rückblick ist es schön zu wissen, dass ich das würdigen konnte.

          Wie war es, mit dem besten deutschen Basketballspieler zu spielen?

          Ich war 21 und kam aus West Virginia, als ich Dirk in der Nationalmannschaft kennenlernte. Das war etwas Besonderes. Selbst wenn er als Typ einer von uns war, war immer klar, dass er doch nicht einer von uns ist. Er ist ein Ausnahmespieler. Er hat eine herausgehobene Position allein durch sein Können. Es ist unglaublich. Wenn man ihm dabei zusehen darf, bleibt einem der Mund offen stehen.

          Und man tauscht einen Blick mit dem Gegenspieler, und beide sagen: Wow!

          So ein Einverständnis ist schon selten. Aber auch die Situation, dass man nur den Kopf schüttelt und sagt: Wie hat er das wieder gemacht? Das hat ihn von uns abgehoben. Und natürlich die Aufmerksamkeit, die er auf sich zieht. In Japan und China waren die Hotellobbys voll mit Menschen, wenn wir kamen. Er musste geschützt werden, um dort durchgehen zu können. Das ist beeindruckend, wie beliebt ein Mensch sein kann. Aber auch beängstigend. Keiner hätte mit ihm tauschen wollen.

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