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Basketball-WM : „Wir müssen perfekt spielen“

  • -Aktualisiert am

Deutsche Zuversicht: Ademola Okulaja Bild: REUTERS

Das deutsche Basketballteam macht sich Mut für das WM-Viertelfinale gegen Amerika. Den Weg zum Korb dicht machen, hart verteidigen, Tempo runter: So sieht die Taktik gegen die übermächtigen Superstars aus der NBA aus.

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          Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft übt in ihrem Hotel die Prozentrechnung. Das Ergebnis macht Mut. Denn die Chancen auf einen Sieg gegen die Amerikaner am Mittwoch im Viertelfinale der Weltmeisterschaft, so die Teamkalkulation laut Steffen Hamann, stünden 50:50. Man trifft sich zum Anpfiff um 12.30 Uhr ( FAZ.NET-Liveticker) mitteleuropäischer Zeit in der "Super-Arena" von Saitama also auf Augenhöhe.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Diese kühne innerdeutsche Einschätzung scheint logisch. Denn beim letzten Treffen mit den Elite-Werfern aus dem Mutterland des Basketballs 2004 in Köln siegten die Amerikaner erst mit dem letzten Wurf des Superstars Allen Iverson im letzten Moment. "Wir hatten sie dicht an einer Niederlage", sagte Cheftrainer Dirk Bauermann am Montag, "sollten wir das (und etwas mehr) nicht wiederholen können?"

          „Zurückholen, was uns gehört

          In den vergangenen zwei Jahren ist viel passiert. Die Deutschen wuchsen, wurden Zweiter der Europameisterschaft, während die Amerikaner ein ganz neues Team zusammenstellten. Sie hatten begriffen. Mit einem Haufen Egozentriker von Rang und Namen ist kein Staat zu machen bei internationalen Basketball-Turnieren. Das Debakel bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis (sechster Platz) und Bronze (also Blech) bei den Sommerspielen in Athen machte den Weg frei für die "Operation Peking". "Wir wollen", sagte der verletzte Superstar der NBA, Kobe Bryant, "zurückholen, was uns gehört." Gold und Ehre. Erst bei der WM und dann bei den Olympischen Spielen in China.

          Coach Mike Krzyzewski soll Amerika zum Titel führen

          Dafür tun die Amerikaner, was ihnen angeblich so schwer fällt. Sie orientieren sich an der alten Welt. Dafür sprach schon die Auswahl der Trainer mit dem College-Coach Mike Krzyzewski als Chef und dem als Spieler und Trainer europäischer Vereine erfahrenen Mike D'Antoni (Phoenix). Die Zusammenstellung der neuen Mannschaft gilt deshalb als die erste sichtbare Verbeugung vor den taktischen Finessen des europäischen System-Basketballs. Denn die Mischung aus jungen Stars (LeBron James oder Dwayne Wade) sowie mehr oder weniger bekannten Rollenspielern läßt ein variableres Spiel zu. Weil Amerikaner beim Spiel eins gegen eins überlegen sind, wählen die Gegner häufig eine in der NBA lange verbotene Ball-Raum-Verteidigung (Zone). Für solche Fälle steht Krzyzewski nun ein Zonen-Experte als Berater zur Seite, während auf der Bank Spieler sitzen, die ein wirkungsvolles Gegenmittel sind: eigens ausgewählte Distanzschützen wie Joe Johnson.

          Einheit auch abseits des Parketts

          Auch Bauermann wird es mit einer Zonen-Verteidigung versuchen. Denn wer wie Australien im Achtelfinale mit den Amerikanern rennt, fängt sich einen Korb nach dem anderen ein (73:113). "Im Spiel eins gegen eins oder zwei gegen zwei kann keiner mithalten", sagt der deutsche Cheftrainer. Und so steht in seinem "Game-Plan" unter anderem: die Amerikaner aus der Zone heraushalten, den Weg zum Korb dicht machen, hart verteidigen, Tempo runter, den Rhythmus nehmen. Auf daß den NBA-Profis der Spaß vergeht an der Neuentdeckung des Teamgeistes im Mannschaftssport. "Jeder spielt für jeden", sagte Shane Battier (Memphis) nach dem Sieg im Achtelfinale, "nicht mehr jeder gegen jeden." Die Spielfreude führte zu durchschnittlich 105 Punkten in jedem der bislang sechs WM-Spiele und einer auffälligen Einheit auch abseits des Parketts: Kaum einer der Multimillionäre kam bei seinen Statements zu Spiel und Turnier ohne die Kombination von "fun", "great", und "exciting" aus.

          Und der Schwachpunkt? Schulterzucken im deutschen Lager. Dirk Nowitzki stellt sich immerhin die Frage, wie stabil seine NBA-Kollegen im Ensemble sind: "Wie reagieren sie, wenn es mal eng wird?" Eine Antwort gab es schon beim Spiel gegen Italien, als die Amerikaner zu Beginn der zweiten Halbzeit mit elf Punkten in Rückstand lagen. Das große Zittern in der Wurfhand blieb aus. Sie gewannen 94:85. So bleibt nur die Hoffnung auf einen schlechten Tag der Spezialisten. "Vielleicht treffen sie nicht so hochprozentig von außen", sagt Bauermann. Vielleicht aber trifft dann ein anderer. Battier zum Beispiel. Gegen Australien gelangen ihm vier Dreipunkte-Treffer bei fünf Versuchen. Dabei ist Battier nur wegen seiner Kampfbereitschaft und Reboundstärke nominiert worden.

          Nowitzki bleibt nicht viel Zeit

          Nach den Nationalspielern hat auch der Cheftrainer gerechnet: Maximal um die "80 Punkte" darf man den Amerikanern mit ihrem einfachen, aber wirkungsvollen Spiel erlauben, wenn es für die Deutschen mehr werden soll als ein interessantes Erlebnis. Da schaut Mithat Demirel auf. Er wird mit 1,82 Metern zwar der Kleinste auf dem Feld sein, aber von einer großen Aufgabe getrieben werden. Als Aufbauspieler ist er im Wechsel verantwortlich für den Ballvortrag, für die Einleitung des Angriffs, für das Anspiel auf die deutsche Punktemaschine Nowitzki.

          Den ehemaligen Berliner werden sich die Amerikaner zur Brust nehmen. Und zwar noch intensiver, als sie es mit den Aufbauspielern der ersten sechs Gegner getan haben: "Wir müssen unsere Verteidigung verbessern", erklärte Krzyzewski nach dem Sieg mit mehr als 40 Punkten über Australien: "Ein Coach ist halt nie zufrieden." Krzyzewski schätzt die Perfektion. Im Finale will er soweit sein. Soviel Zeit bleibt Nowitzki nicht. Der Würzburger kalkuliert übrigens mit 100 Prozent: "Wir müssen am Mittwoch perfekt spielen."

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