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Basketball : „Wir haben nichts drauf!“

Tischtuch zerschnitten: Uli Hoeneß kritisiert Dirk Bauermann (r.) scharf Bild: dpa

Nach der desolaten Vorstellung seiner Basketballspieler findet Uli Hoeneß deutliche Worte. Bayern Münchens Präsident kritisiert vor allem den entlassenen Trainer Dirk Bauermann sehr scharf.

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          Der Tag der Deutschen Einheit war ein Tag der bösen Worte beim FC Bayern München. Am Morgen in Minsk hatte Fußballtrainer Jupp Heynckes seinem Sportvorstand Matthias Sammer „Populismus“ vorgeworfen. Am Abend in München warf Präsident Uli Hoeneß seinem bisherigen Basketballtrainer Dirk Bauermann Worte wie „Realitätsverlust“ hinterher. „Er dachte, wir würden jemanden wie ihn nicht entlassen. Da hat er sich getäuscht!“ Hoeneß sah „in diesem Punkt Parallelen zu Louis van Gaal, dass er sich überhaupt nicht hat vorstellen können, dass der FC Bayern diesen Schritt wagen würde“. Beim heutigen holländischen Fußball-Nationaltrainer van Gaal hatte Hoeneß, seit dem Wechsel vom Manager- auf den Präsidentenposten eigentlich nicht mehr im operativen Geschäft, im Frühjahr 2011 die Notbremse gezogen - beim früheren deutschen Basketball-Nationaltrainer Bauermann in der vergangenen Woche. „Ich habe mich bislang nicht eingemischt, aber zuletzt hatte ich den Eindruck, einschreiten zu müssen.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Während die Risse in der Fußballabteilung nach der Rückkehr von der Champions-League-Niederlage in Weißrussland bei einem Gespräch zwischen Heynckes, Sammer und Vorstands-Chef Karlheinz Rummenigge vorerst gekittet worden sein sollen, taten sich im ersten Saisonspiel des Basketballteams in der Bundesliga Abgründe an Verunsicherung und kollektiver Schwäche auf. „Wir haben nichts drauf“, so das verheerende Urteil von Hoeneß nach der 61:80-Niederlage gegen Oldenburg.

          Möchtegern-Meister

          Im Fußball sind die Bayern Rekordmeister, im Basketball Möchtegern-Meister. Ausgerechnet die Saison, vor der monatelang im Verein erstmals vom Kampf um den Titel geredet wurde, begann nun mit einer sportlichen Demütigung - mit der höchsten Heimniederlage seit dem Aufstieg vor einem Jahr, der zweithöchsten Bundesliga-Niederlage überhaupt für die Bayern. Das um vier Spieler von europäischen Topklubs verstärkte Team zeigte sich extrem labil und konnte erst in den letzten Minuten, als Oldenburg nach einer 66:36-Führung vom Gas ging, ein noch größeres Debakel verhindern.

          „Die Mannschaft ist nicht gut in Schuss“, konstatierte Hoeneß und machte für die konditionellen und koordinativen Mängel den alten Chef verantwortlich. „Es wurden keine Drei-Punkte-Würfe, keine Freiwürfe geübt“, so kommentierte er die miserable Trefferquote von dreißig Prozent. „Auch deshalb haben wir uns von Dirk Bauermann getrennt. Wir waren immer der Meinung, dass bei uns zu wenig gearbeitet wird, dass bei uns die Kondition der Spieler zu wünschen übrig lässt. Wenn die Spieler noch so viel Kraft haben, um abends weg zu gehen, dann arbeiten sie tagsüber zu wenig.“ Der Angegriffene selbst wollte sich nicht zur schonungslosen Kritik des Bayern-Präsidenten äußern. „Ich werde das bewusst und ausdrücklich nicht kommentieren“, sagte Bauermann.

          „Nicht hart genug gekämpft“ habe das Team im zweiten und dritten Viertel, klagte Bauermanns früherer Assistent Yannis Christopoulos in seinem ersten Spiel als Cheftrainer. Niemand gab ihm die Schuld an der deutlichen Niederlage, die der deutsche Nationalspieler Demond Greene als „Blamage“ empfand, „weil wir uns den Schneid haben abkaufen lassen“. Immerhin gingen zwei Drei-Punkte-Treffer auf Greenes Konto - zwei von nur vier des gesamten Teams, bei 25 Versuchen.

          Doch Christopoulos konnte das Führungs-Vakuum offensichtlich nicht füllen, und so wirkten die Spieler orientierungslos. Es gab schülerhafte Schrittfehler, reihenweise Rebounds, die man kampflos hergab, peinliche Pässe ins Nichts. Nationalspieler wie Jan Jagla oder Robin Benzing, der in knapp acht Minuten Einsatzzeit auf null Punkte (bei drei Würfen), null Assists, einen Ballverlust und fünf Fouls kam, standen sichtlich neben sich.

          Saison gut überstehen

          „Es macht jetzt keinen Sinn, draufzuhauen“, beteuerte Hoeneß. Doch klar ist, dass auch Christopoulos nicht ewig Zeit bekommen wird. Er müsse die Mannschaft „in den nächsten Wochen zu einer Einheit zusammenbasteln“, sagte der Präsident. Spekulationen darüber, dass der Grieche nur ein Statthalter für einen späteren Star-Trainer sei, etwa Svetislav Pesic, den Vater des Bayern-Sportdirektors Marko Pesic, nannte Hoeneß „Latrinenparolen“.

          Es gehe nun nur darum, „diese Saison gut zu überstehen“. Durch die frühe Trennung von Bauermann sei genug Zeit, die Defizite aufzuarbeiten. „Kein Mensch kann mir klar machen“, sagte Hoeneß, „dass diese Mannschaft nicht gut genug ist, um oben mitzuspielen“. Angefangen hat sie die Saison erst einmal ganz unten.

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