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Basketball-Bundesliga : Warum die Riesen Ludwigsburg an der Tabellenspitze stehen

  • -Aktualisiert am

Wer viel wirft, trifft viel: „Riese“ Brown (links) gegen Hill vom MBC Bild: Imago

Mit alten Tugenden und jungen Nachrückern: Die Riesen Ludwigsburg sind in der Bundesliga derzeit das Maß der Dinge. Damit liegt die Mannschaft ein weiteres Mal deutlich über den Erwartungen.

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          Als die MHP Riesen Ludwigsburg in der vergangenen Spielzeit beim Finalturnier in München überraschend Platz zwei in der Meisterschaft errangen, wurde dieser Erfolg in der Szene wohlwollend anerkannt. Gleichzeitig wurde aber auch vermutet, dass die Schwaben angesichts ihres personellen Aderlasses wohl kaum in der Lage sein dürften, in der Spielzeit 2020/2021 daran anzuknüpfen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Mit nur zwei Niederlagen in 27 Partien steht Ludwigsburg an der Tabellenspitze der Basketball-Bundesliga (BBL), erst dahinter folgen die beiden Euroleague-Teilnehmer aus Berlin und München.

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          Alte Tugenden bilden die Grundlage dafür, dass die Mannschaft von John Patrick auch in dieser Spielzeit deutlich über den Erwartungen liegt. Der 53 Jahre alte Amerikaner setzt seit anderthalb Jahrzehnten auf einen Stil, dessen tragende Säulen physische und mentale Härte sind. Über aggressive Verteidigung soll zusätzlicher Ballbesitz generiert werden. Das funktioniert blendend. Die Ludwigsburger forcieren 16,5 Ballverluste beim Gegner, leisten sich aber selbst nur 10,9, was den Liga-Bestwert darstellt. Dazu kommen 12,6 offensive Rebounds pro Partie, das ist Ligaspitze. In Summe führt dies dazu, dass der Tabellenführer im Schnitt pro Spiel am häufigsten auf den Korb wirft. Aufgrund dessen kann man auch die schwächste Feldwurfquote (46,5 Prozent) aller Teams auf den Playoff-Plätzen wegstecken und trotzdem die dritthöchste Punkteausbeute (87,9) im Wettbewerb erzielen.

          Das Angriffsspiel ist relativ einfach konstruiert. Die Ballgewinne sollen durch Tempobasketball in Punkte umgemünzt werden, und im Halbfeld möchte man mit überschaubarer Struktur individuelle Vorteile ausnutzen. Dabei präferieren die „Riesen“ kleinere Spieler. Nur drei Kadermitglieder verfügen über das Gardemaß von zwei Metern.

          Umdenken hat stattgefunden

          Schlüsselspieler ist dabei Jaleen Smith. Der 26-Jährige bestritt nach zwei Jahren in der zweiten Liga 2019/2020 mit Ludwigsburg seine erste Saison in der obersten Spielklasse. Obwohl der Amerikaner solide ablieferte, standen andere Akteure stärker im Rampenlicht. Dennoch war auch er im Sommer ein gefragter Spieler, unter anderem zeigte Virtus Bologna Interesse. Aber John Patrick wollte ihn unbedingt behalten und versprach ihm die zentrale Rolle im Team. Smith stimmte zu und gilt im Moment als erster Kandidat für die Auszeichnung des wertvollsten Spielers der Saison. Der Aufbauspieler liegt in den vier wichtigsten Statistiken (Punkte, Rebounds, Assists und Ballgewinne) in den Top Ten. Allerdings spult er auch ein gewaltiges Pensum ab, spielt die meisten Minuten in der Liga. Damit stellt sich die Frage, wie frisch er in der entscheidenden Saisonphase noch ist.

          Sein Partner im Aufbauspiel ist der aus Würzburg gekommene Wurfspezialist Jordan Hulls, der mit seinem Stil die perfekte Ergänzung darstellt. Mit dem besten Verteidiger der Liga, Yorman Polas Bartolo (35 Jahre), und dem ältesten Akteur der BBL, Tremmell Darden (39), standen zwei sehr erfahrene Profis bislang in jeder Partie in der Startformation. Sie bringen nicht nur Leistung, sie dienen auch als Vorbild für die jungen deutschen Spieler. Denn während die taktische Ausrichtung gleich geblieben ist, hat ein Umdenken stattgefunden. John Patrick setzt mittlerweile stärker auf junge deutsche Spieler. Dazu gehören auch zwei seiner Söhne, von denen vor allem dem 17 Jahre alten Jacob eine große Zukunft prophezeit wird.

          In den vergangenen Jahren fanden häufig größere Personalrochaden während der Saison statt. In dieser Saison war die Fluktuation deutlich geringer. Der frühere Nationalspieler Elias Harris nutzte zum Jahreswechsel seine Ausstiegsoption und wechselte zu deutlich besseren Konditionen nach Spanien. Aber auch ohne den starken Center blieben die Ludwigsburger auf Kurs.

          Sie verpflichteten zwei Spieler nach, die ihre Ambitionen deutlich machen. Als Harris-Ersatz kam Jamel McLean. Der 32-Jährige verfügt über Euroleague-Erfahrung und wurde 2015 im Trikot von Alba Berlin zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt. Als Sahnehäubchen präsentierten die Verantwortlichen am 24. März Oscar da Silva. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler stieß nach Beendigung seiner College-Karriere an der Stanford University zur Mannschaft und hat Außenseiterchancen, im Sommer in der zweiten Runde des NBA-Drafts ausgewählt zu werden. Trotz dieser Verstärkung sind München und Berlin mit ihren qualitativ und quantitativ hochwertigen Kadern die Topfavoriten auf den Titel. Aber Ludwigsburgs starke Hauptrunde, die an diesem Sonntag gegen Frankfurt wegen eines positiven Corona-Tests bei den Skyliners nicht wie ursprünglich geplant fortgesetzt wird, ist ein eindeutiger Indikator, dass in den Playoffs mindestens das Halbfinale möglich ist.

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