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Basketball-Euroleague : Die Nachwuchs-Nowitzkis

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In der „besten Liga“: der Slowene Luka Doncic (rechts) Bild: AFP

Immer mehr europäische Basketballer spielen in Amerika. Doch auch die Euroleague muss sich hinter dem Spitzenreiter NBA nicht verstecken und punktet mit ganz eigenen Vorteilen.

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          Die Euroleague gilt als die zweitbeste Basketballliga der Welt. Einzig die NBA wird als stärker eingestuft, wenngleich es auch Stimmen gibt, die dies differenzierter einordnen. So bemängeln Kritiker, denen der teamorientiertere Ansatz in Europa mehr zusagt, die ausgeprägte Betonung der individuellen und athletischen Komponenten in der NBA. Sie kommen dann zu dem Fazit, dass zwar die besten Korbjäger in Nordamerika unter Vertrag stehen, der beste Basketball aber diesseits des Atlantiks gespielt wird. Längst haben die Europäer, die über viele Jahrzehnte hinweg ehrfürchtig jeden Trend aus den Vereinigsten Staaten aufsaugten und kopierten, ein Selbstbewusstsein und eine eigene Identität entwickelt.

          Die Erfolgsgeschichten europäischer Spieler in der NBA liefern eine wichtige Grundlage. Der Würzburger Dirk Nowitzki war diesbezüglich absoluter Vorzeigeathlet, aber mit dem erst 21 Jahre alten Slowenen Luka Doncic und dem Griechen Giannis Antetokounmpo, der 25 Jahre alt ist, gehören auch aktuell zwei Europäer, die wie Nowitzki weder High- School- noch College-Basketball in Amerika gespielt hatten, zur ersten Riege der NBA-Ikonen. Neben diesen Beweisen, dass der europäische Basketball auch in der „besten Liga“ der Welt auf höchstem Niveau konkurrenzfähig ist, verweist man auf dem alten Kontinent gern auf die positive Entwicklung der Euroleague, die sich bezüglich ihrer Qualität immer näher an die NBA heranpirscht.

          Jetzt aber belegt eine Studie des Serben Dimitrije Curcic auf der Internetseite RunRepeat.com, dass diese Liga bei weitem nicht so europäisch geprägt ist, wie sie dargestellt und wahrgenommen wird. Im Gegenteil, bei Betrachtung der Daten kann man erkennen, dass die Euroleague im Laufe der Zeit immer stärker amerikanisch beeinflusst wurde. Seit dem Start des Wettbewerbs vor 20 Jahren hat sich die Zahl der amerikanischen Spieler mehr als verdoppelt. In dieser Saison liegt ihr Anteil erstmals bei mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig stieg die Quote der europäischen Spieler in der NBA innerhalb dieser beiden Dekaden von vier auf 13 Prozent. Es findet also ein Austausch statt, den man zunächst einmal positiv bewerten kann – immer mehr Europäer sind in der Lage, auf NBA-Niveau zu spielen. Aber welche Folgen könnte es haben, wenn der Trend zu immer mehr Amerikanern in der Euroleague anhält?

          Keine Beschränkungen bezüglich der Nationalität

          Im Gegensatz zu den nationalen Ligen gibt es in der europäischen Königsklasse keinerlei Beschränkungen bezüglich der Nationalität der Akteure. So könnten die beiden deutschen Vertreter Berlin und München beispielsweise mit zwölf Amerikanern antreten. In der Bundesliga sind die nationalen Spieler durch die Quote von maximal sechs Ausländern pro Partie geschützt. Aber für die Entwicklung absoluter deutscher Topakteure ist Spielzeit in der Euroleague unabdingbar. Entsprechend problematisch ist die Tendenz, dass die Kader immer mehr mit Blick auf die Euroleague zusammengestellt werden.

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          Die Berliner haben sieben Ausländer unter Vertrag. Es wäre aber keine Überraschung, wenn sie noch einen weiteren hinzufügen würden. Bayern München hatte zum Euroleague-Start am Freitag sogar neun Ausländer auf dem Spielberichtsbogen notiert. Mit dem angeschlagenen Malcolm Thomas fehlte ein weiterer Legionär, der als gesetzt gelten darf. Nicht alle diese ausländischen Akteure sind Amerikaner, aber in der zwanzigjährigen Geschichte der Euroleague liegen die deutschen Vertreter mit einer Quote von 38 Prozent amerikanischer Spieler auf Rang zwei. Seit 2016/2017 ist der Anteil der Amerikaner in den Teams größer als der der nationalen Spieler des jeweiligen Landes.

          Starke Nachfrage nach Amerikanern

          Natürlich kann man argumentieren, dass es egal ist, ob ein Spieler aus dem europäischen Ausland oder aus Nordamerika den Platz für einen deutschen Akteur blockiert. Ganz so einfach ist es aber nicht. Auch wenn sich die amerikanischen und europäischen Basketball-Philosophien angenähert haben, so sind doch die zu Beginn beschriebenen Unterschiede nach wie vor evident. Es dürfte für einen deutschen Spieler leichter sein, mit einem Europäer als mit einem Amerikaner zu konkurrieren.

          Das legt zumindest Curcics Studie nahe, wenn sie vermutet, dass die im zweiten Euroleague-Jahrzehnt stark gestiegene Nachfrage nach amerikanischen Innenspielern damit zusammenhängt, dass die durch ihre Agilität die Dreipunktelinie besser zu verteidigen wissen. In letzter Konsequenz könnte man die These in den Raum stellen, dass der europäische Spitzenbasketball immer mehr amerikanisiert wird. Die Zahlen liegen nun vor, jetzt müssen sie eingeordnet werden.

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