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Basketball : Von der Schussfahrt in den freien Fall

  • -Aktualisiert am

Frankfurter Zuschauer: Bambergs Pleiss macht unbehelligt die Punkte Bild: APN

Die Deutsche Bank Skyliners erwischen einen rabenschwarzen Sonntag und verlieren das dritte Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft mit 52:97 bei den Brose Baskets. Am Dienstag droht das Ende im Kampf um den Titel.

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          War es das? Ist der Kampf im Play-off-Finale der Basketball-Bundesliga für die Frankfurt Skyliners am Dienstag vorbei? 52:97 unterlagen die vollkommen chancenlosen Basketballprofis am Sonntag den Baskets Bamberg. Der Leistungseinbruch der Hessen war jäh und in dieser Art überraschend. Fast schien es, als habe sich die Mannschaft schon früh mit ihrem Schicksal abgefunden und schlitterte unter dem Hohn und Spott der 6800 Zuschauer in der ausverkauften Bamberger Arena in eine ihrer bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte.

          Dass die Frankfurter am Dienstag das Blatt noch einmal wenden und die Bamberger in der Ballsporthalle (19.55 Uhr) in ein fünftes Spiel zwingen können, scheint bei der am Sonntag gezeigten Leistung eher fraglich. „Wir müssen schnell den Weg zurück finden“, sagte der Frankfurter Cheftrainer Gordon Herbert. „Meine Mannschaft hat weder in der Abwehr noch im Angriff ins Spiel gefunden.“ Beste Schützen in der schwachen Frankfurter Mannschaft waren Aubrey Reese (12 Punkte) und Greg Jenkins (11).

          Die Frankfurter fanden überhaupt keinen Rhythmus

          In Bamberg waren die Karten schon Tage zuvor binnen 20 Minuten ausverkauft gewesen. Das Interesse am vielleicht letzten finalen Auftritt der Bamberger in eigener Halle war so groß, dass der Verein ein „Public Viewing“ auf dem Bamberger Maxplatz organisierte. Groß war auch die Zuversicht, mit der die Oberfranken in diese dritte Partie der finalen Play-off-Serie gegangen waren. „Wir haben eine große Chance“, sagte der Bamberger Manager Wolfgang Heyder vor der Partie, „ein Heimsieg würde uns ein großes Stück voranbringen.“

          Haushoch überlegen: Bambergs Roberts
          Haushoch überlegen: Bambergs Roberts : Bild: dpa

          Bislang hatten die beiden Gegner in den zurückliegenden Spielen jeweils den Heimvorteil nicht nutzen können. Nicht zuletzt deshalb hatten die Frankfurter durchaus selbstbewusst und voller Optimismus am Samstag den Weg nach Bamberg angetreten. „Wir haben immer noch eine gute Ausgangsposition“, hatte Skyliners-Cheftrainer Herbert gesagt. Einen Tag später sah die Situation ganz anders aus.

          „Freak City“ kurz vor dem Ausflippen

          Die Bamberger Arena war wieder einmal eine außerordentlich emotions- und stimmungsgeladene Kulisse für dieses Aufeinandertreffen. Schon beim Einlaufen in die Arena dürften es die Frankfurter Profis deutlich gespürt haben: „Freak City“ war wieder einmal kurz vor dem Ausflippen. Schon früh zeichnete es sich ab: Für die Frankfurter bahnte sich eine Niederlage an. Die Profis von Headcoach Herbert fanden überhaupt keinen Rhythmus. Vom 2:4, das Aubrey Rees mit Freiwürfen erzielt hatte, ging es steil bergab für die komplett indisponiert wirkenden Hessen. Nichts funktionierte, nichts war zu spüren, was in irgendeiner Form Schwung und Zuversicht ins Spiel hätte bringen können.

          Bamberg brillierte unter dem Jubel der Fans mit einem 9:0-Lauf und lag nach einem Korbleger des abermals famos spielenden Casey Jacobsen 13:2 vorne. Dann beorderte Trainer Herbert Pascal Roller zusätzlich zum Spielmacher Reese auf das Feld. Es trat dennoch keine spürbare Besserung ein, und das erste Viertel endete mit einem schmerzhaften Rückstand von 6:19. Es kam in den zweiten zehn Minuten noch dicker.

          Aus der Schussfahrt wurde der freie Fall

          Diesmal zauberten die Baskets mit einem 10:0-Lauf vom 22:9 bis zum 32:9, bei dem Elton Brown den Ball per Korbleger ins Ziel gebracht hatte. Bis auf 34:11 katapultierte Brown unmittelbar danach seine Mannschaft nach vorne - die Skyliners wirkten demoralisiert. Es kam kein Aufbäumen, keine Gegenwehr, kein nennenswerter Schub. Dafür gab es ungeschickte Aktionen wie die von Derrick Allen, der beim Rebound in der Abwärtsbewegung Suput am linken Auge traf. Der Serbe musste mit einer stark blutenden Wunde oberhalb des linken Auges auf der Bank behandelt werden - ein Déjà-vu, denn am Donnerstag war Reese nach einem Zusammenprall mit Suput über dem Auge blutend behandelt worden. Beim 24:43 ging es in die Pause, und fast schien es, als hofften die Skyliners auf ein schnelles Ende mit Schrecken.

          Es ging schnell, und es ging noch weiter hinab für die Skyliners, die im dritten Viertel von der Schussfahrt in den freien Fall wechselten. Als die Uhr den Ablauf von 30 Minuten anzeigte, lagen die Skyliners in bislang noch nicht dagewesener Deutlichkeit zurück: 38:71 - ein niederschmetternder Zwischenstand. Das letzte Viertel begann - und die Frankfurter Reisegruppe steuerte benommen wirkend dem Ziel entgegen, das sie nie hatten erreichen wollen. Und am Ende stand die höchste Saisonniederlage der Skyliners fest.

          Die Skyliners müssen sich um ein Vielfaches steigern

          Dass Cheftrainer Herbert seine wichtigsten Profis im Angesicht der ohnehin nicht mehr abwendbaren Niederlage hatte schonen wollen, war deutlich sichtbar. Schon im dritten Viertel hatte er Roller und Reese gleichzeitig auf die Bank geordert, wo ihnen ungewollte Ruhe zuteil wurde. „Wir haben mit 30 Punkten hinten gelegen“, sagte Herbert schulterzuckend.

          Am Ende dieser vielleicht wegweisenden Partie stand vor allem eine Gewissheit: Die Skyliners müssen sich um ein Vielfaches steigern. Sonst steht der Meister schon an diesem Dienstag fest. Und es werden dann nicht die Frankfurter sein.

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