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Basketball : „Verteidigungsminister Koch“ und die Bonner Abwehrstrategie

  • -Aktualisiert am

Bonn fordert Alba Berlin heraus (hier: Bonns Ronald Burrell (l.) und Berlins Aleksandar Nadjfeji) Bild: dpa

Die Telekom Baskets Bonn sind nach einer Siegesserie Tabellenführer der Basketball-Bundesliga. Das Erfolgsgeheimnis von Trainer Mike Koch ist die Defensive. Deshalb bleibt Bonn wohl bis zum Saisonende härtester Rivale von Branchenkrösus Alba Berlin.

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          Die Fassungslosigkeit in der Arena Trier ist förmlich greifbar. Keine vier Minuten hat es gedauert, bis sich das Gros der 4200 Zuschauer von der Hoffnung auf den siebten Saisonsieg wieder verabschieden musste. Nur die rund 250 Fans im Gästeblock, ganz in Magenta getaucht, feiern ausgelassen ihre Helden.

          Die Telekom Baskets Bonn überwanden im Stile eines Spitzenteams eine Schwächephase zu Beginn der zweiten Halbzeit, die der TTB Trier zunächst dazu genutzt hatte, um auf 43:46 zu verkürzen. Eine Auszeit und sechs Angriffe später führten die Rheinländer wieder 58:46. Als Artur Kolodziejski sechs Minuten vor dem Ende auf 69:52 erhöhte, stehen die Baskets längst als Sieger da.

          10. Sieg im 14. Spiel

          Der 84:66-Sieg über Trier ist für Bonn der zehnte Sieg im 14. Spiel und der vierte in Serie. Da Spitzenreiter Alba Berlin gleichzeitig bei den Düsseldorf Giants das Nachsehen hatte, übernahmen die Bonner erstmals in dieser Spielzeit die Tabellenspitze. „Eine schöne Momentaufnahme, die wir auch genießen“, sagte Trainer Mike Koch. Die Freude währte jedoch nur kurz; denn nur elf Stunden nach dem Sieg in Trier machte sich der Baskets-Tross am Montagmorgen auf den Weg nach Zypern, wo an diesem Dienstagabend in der EuroChallenge die Begegnung mit Keravnos Nikosia auf dem Programm steht. „Die Doppelbelastung durch den internationalen Wettbewerb zehrt an den Kräften“, weiß Koch. „Bestes Beispiel ist Oldenburg, das vergangene Woche in Jerusalem gewann, um dann wenige Tage später in Frankfurt mit 31 Punkten zu verlieren.“

          Die Telekom Baskets Bonn sind von einem solchen Durchhänger bisher verschont geblieben. Ohne die knappe Niederlage in Göttingen am zehnten Spieltag wären die Bonner seit neun Meisterschaftsspielen unbesiegt. Eine beeindruckende Kontinuität, die vielen Faktoren geschuldet ist. In erster Linie der Verteidigung der Bonner. In den vergangenen vier Spielen erlaubte sie dem Gegner durchschnittlich nur 63,5 Punkte. „Unsere Defense wird immer effektiver. Die Spieler verstehen die Rotation, die Laufwege werden automatisiert“, sagte Koch zufrieden.

          Herzensangelegenheit Defensive

          Defensive ist dem Trainer eine Herzensangelegenheit. Zu seiner aktiven Zeit war Koch immer der „Verteidigungsminister“, egal ob in Leverkusen, bei seinen Stationen in Griechenland oder in der Nationalmannschaft. Schon als Trainer-Rookie setzte er in Bonn binnen kürzester Zeit seine Vorstellungen von moderner, variabler Verteidigungsarbeit um. Mann gegen Mann, Zone, Presse, Box-and-one – die Baskets variieren ihre Defensive derart oft, dass gegnerische Coaches gar nicht so viele Auszeiten zur Verfügung haben, um darauf entsprechend reagieren zu können.

          Wer unter Koch spielen will, muss verteidigen können. Seit der Halbfinal-Serie gegen die Frankfurt Skyliners hatte der 42-Jährige beispielsweise ein Auge auf Ken Johnson geworfen. In Frankfurt entlassen, bei den Köln 99ers für untauglich befunden, heuerte der kantige Center vor wenigen Wochen in Bonn an. „Ken gibt uns eine unglaubliche Präsenz unter den Körben. Allein wenn er auf dem Spielfeld steht, ändert er das Innenspiel des Gegners.“ Johnsons Kurzzeit-Vertrag läuft im Januar aus. „Ich würde ihn gerne halten“, sagte Koch, „vorausgesetzt, wir können ihn bezahlen.“

          Drei Deutsche - mehr als bei den anderen

          Ein anderes Beispiel für Kochs feines Gespür für Spieler, die dem Team weiterhelfen können, ist Alex King. Der 25-Jährige galt als ewiges Talent und reiner Defensivspezialist. Acht Jahre lang stand er in Frankfurt unter Vertrag, versauerte dort aber auf der Bank. Seit seinem Wechsel vom Main an den Rhein blüht King auf. Neben seinen bekannten Defensivqualitäten zeigt er unter Koch nun auch, welch offensives Potential in ihm steckt. „Coach Koch spricht viel mit mir und ermuntert mich, in der Offense die Initiative zu ergreifen. Dieses Vertrauen hat mir gefehlt, denn Basketball ist zu 80 Prozent Kopfsache.“ Gegen Trier steuerte er in zwölf Minuten Spielzeit acht Punkte und vier Rebounds bei: Effizienz pur.

          King ist neben Kolodziejski und Johannes Strasser einer von drei Deutschen, die zur festen Rotation gehören. Kaum ein anderer Erstligaklub setzt so konsequent auf deutsche Spieler. Sie geben Koch die Möglichkeit, Leistungsträger wie Winsome Frazier oder Brandon Bowman Ruhepausen zu gönnen. So gut wie nie kommt es vor, dass ein Bonner länger als 30 Minuten auf dem Parkett steht – die „tiefe“ Bank macht’s möglich.

          Schon jetzt haben die Baskets bewiesen, dass ihre Finalteilnahme in der vergangenen Saison keine Eintagsfliege war. „Unser Ziel ist es, am Ende der Hauptrunde unter die ersten vier zu kommen, um in der ersten Playoff-Runde Heimvorteil zu haben“, betont Koch. Auf Augenhöhe mit Meister Berlin sieht er die Baskets noch nicht: „Alba ist ohne Verletzte das Nonplusultra in Deutschland.“ Klar ist aber auch, dass Bonn in der aktuellen Verfassung abermals Berlins härtester Rivale im Kampf um die BBL-Meisterschaft sein wird.

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