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Basketball und Eishockey im Fernsehen : Raus aus der Nische - aber wie?

  • Aktualisiert am

Seidenberg als Heilsbringer in der Heimat? Bild: dapd

Das Interesse der TV-Sender an der Basketball-Bundesliga ist gering. Daran ändern auch Dirk Nowitzki oder der Aufstieg des FC Bayern nichts. Im Eishockey sieht es nicht besser aus. Maximilian Weingartner über die Suche nach Auswegen aus der Nische.

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          Der Boris-Becker-Wimbledon Effekt ist dieses Mal nicht eingetreten. Jan Pommer, Chef der Basketball Bundesliga (BBL) erwartet „positive Auswirkungen, aber keinen Unterschied wie Tag und Nacht“. Der Präsident des Deutschen Eishockey Bundes, Uwe Harnos, glaubt nicht daran, „dass man da unmittelbar Honig heraussaugen kann“. In den Wochen, nachdem Dirk Nowitzki als erster Deutscher die Meisterschaft in der nordamerikanischen Basketball-Liga (NBA) und Dennis Seidenberg mit seiner Mannschaft den Stanley-Cup der amerikanischen Eishockey Liga (NHL) gewonnen hatten, hat sich außer ein paar unverbesserlichen Träumern niemand dazu hinreißen lassen, einen Boom vorherzusagen.

          Das war einmal ganz anders. 1985 gewann der erst 17 Jahre alte Becker in Wimbledon das wichtigste Tennisturnier der Welt. Der Sieg wirkte wie eine Initialzündung für das deutsche Tennis, das innerhalb kürzester Zeit zum populärsten Sport nach dem Fußball avancierte. Seither ließen sich, sobald eine Mannschaft oder ein Spitzensportler aus Deutschland etwas Herausragendes geleistet hatte, die Verbandsfunktionäre der gerade betroffenen Sportarten von der Begeisterung anstecken und stimmten wie Fans in der Kurve ein „Jetzt geht's los“ an.

          Inzwischen ist man bescheidener geworden. Die Sportarten Basketball und Eishockey sind weit davon entfernt, zum Volkssport zu werden. Das Interesse daran ist zu gering. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Promit zufolge interessieren sich nur zirka 14 Prozent der sportaffinen Menschen für die BBL und nur 27 für die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Es scheint ein Teufelskreis zu sein: Die Sportfunktionäre beklagen mangelnde mediale Präsenz, die Fernsehsender fehlendes Interesse bei den Zuschauern, die - zumindest bei ARD und ZDF - ein Durchschnittsalter haben, das vielleicht einfach nicht passt zu Sportarten, die sich jung und wild geben. Die Rollen von Sport und Spitzensportlern in der Gesellschaft liegen immer weiter auseinander. Top-Athleten werden betrachtet wie Filmstars - oder nicht beachtet.

          Eine Stadt liegt ihm zu Füßen: Nowitzki im Juni in Würzburg
          Eine Stadt liegt ihm zu Füßen: Nowitzki im Juni in Würzburg : Bild: REUTERS

          Übertragungen der Frauenfußball-WM „bemerkenswert“

          „Es ist eine Willensentscheidung, Basketball zu zeigen oder nicht“, sagt BBL-Chef Pommer und findet es „ bemerkenswert“, dass ARD und ZDF bei der Frauenfußball-WM Spiele ohne deutsche Beteiligung übertragen haben. Auch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hat kein Verständnis: „Die Rechte sind da, die Bilder sind da, die Flexibilität ist da“, kritisiert er. „Wenn die öffentlich-rechtlichen Sender wollten, könnte man viel mehr machen.“ In der Tat hat es keine der beiden Ligen geschafft, einen festen Sendeplatz bei einem reichweitenstarken Sender wie ARD, ZDF, RTL oder Sat.1 zu bekommen.

          Woran liegt das? „Monokultur Fußball“, sagt Pommer lapidar dazu. Das zeigt eine aktuelle Studie der Beratung Sport+Markt. Demnach waren die Anteile der Sendezeit der Sportarten Basketball und Eishockey 2010 im frei empfänglichen Fernsehen verschwindend gering. In der ARD wurde von mehr als 675 Stunden Sport nur zirka 18 Stunden Eishockey gezeigt. Basketball war weder im ARD- noch im ZDF-Ranking vertreten. Bei Sat.1 und RTL kamen die beiden Sportarten gar nicht relevant vor.

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