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Ulm im Basketball-Pokal : Mit Distanzwürfen gegen die Favoriten punkten

  • -Aktualisiert am

Ulms bester Mann: Spielmacher Troy Caupain Bild: nordphoto GmbH

Beim Final-Turnier im Pokal-Wettbewerb des Basketballs rechnet sich Außenseiter Ulm eine Chance aus. Ihm gelangen zuletzt neun Bundesliga-Siege in Serie. Dazu kommt eine besondere Qualität.

          3 Min.

          Nachdem die Corona-Fälle bei der BG Göttingen zur Absage der zunächst für den 17. und 18. April geplanten Veranstaltung führten, wird nun an diesem Samstag und am Sonntag in München der deutsche Pokalsieger im Basketball verspätet ermittelt. Die Pandemie sorgt dafür, dass mit dem „Top Four“ ein eigentlich schon abgeschafftes Format wiederbelebt wird.

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          Ratiopharm Ulm gegen FC Bayern München und BG Göttingen gegen Alba Berlin lauten die Halbfinalpartien. Natürlich sind die Euroleague-Teilnehmer aus Berlin und München die Favoriten. Aber mit Ulm hat einer der beiden Außenseiter in den vergangenen Wochen auf einem so hohen Niveau agiert, dass man ihm eine Überraschung zutrauen kann.

          Die Schwaben gehen mit neun Bundesliga-Siegen in Serie ins Wochenende und haben die Saison mit einer neuen Rekordquote von 43,1 Prozent von der Dreipunktelinie abgeschlossen. In keinem Spiel kamen die Ulmer auf weniger als 47 Prozent und versenkten sieben Mal mindestens die Hälfte ihrer Versuche von jenseits der 6,75 Meter.

          Osetkowski ist unentbehrlich

          Der Angriff der Mannschaft von Coach Jaka Lakovic lebt von (Ball-)Bewegung. Diese droht zu stocken, wenn zu viele Spieler isoliert werden. Entsprechend geht es darum, einen praktikablen Mix zu finden. Außerdem müssen die Ulmer körperlich mit den Münchnern mithalten. Das gilt insbesondere für das Spiel in der Zone. Hier ist ein fokussierter Dylan Osetkowski unentbehrlich.

          Der Center-Spieler ist enorm wichtig für die Ulmer. Da die Münchner für die nächste Spielzeit mehr Profis mit deutschem Pass brauchen, wäre der eingebürgerte Amerikaner eine gute Option. Angeblich soll auch konkretes Interesse der Bayern vorliegen. Allerdings steht der 24-Jährige bis Mitte 2022 in Ulm unter Vertrag, verfügt aber über eine Ausstiegsklausel, die ihm einen Wechsel gegen Zahlung einer Ablösesumme ermöglicht.

          Auch Andreas Obst, dessen Arbeitspapier am Saisonende ausläuft, gilt als ein Kandidat für einen Umzug an die Isar. Mit dem Nationalspieler könnten die Münchner den fehlenden Top-Distanzwerfer verpflichten. Beide haben in den vergangenen Wochen sehr stark gespielt, aber der herausragende Ulmer war Spielmacher Troy Caupain, der in den letzten sechs Begegnungen im Durchschnitt 22,2 Punkte, 5,8 Rebounds und 6,0 Assists auflegte.

          Auf ihn könnte weiterhin viel Arbeit zukommen, weil Klub-Ikone Per Günther seit seiner Schleimbeutel-Operation keine Partie mehr bestritten hat und sein Einsatz auch am Wochenende fraglich ist. Der 33-Jährige spielt seit 2008 in Ulm und ist ein Sympathieträger über die Vereinsgrenzen hinweg. Vier Mal stand er mit den Schwaben in einem Top Four, zwei Mal im Finale. Gewonnen hat er nie. Das Finalturnier in München könnte seine letzte Chance sein, seine Ära in Ulm mit einem Titel zu krönen. Darüber hinaus gibt es mit Christoph Philipps, Thomas Klepeisz, Cameron Clark und Isaiah Wilkins angeschlagene Spieler, deren Einsatz offen ist.

          Die Qualität ist vorhanden

          Entsprechend stellt sich die Frage, ob der Kader tief genug besetzt ist. Immerhin müssten die Ulmer, um den Titel zu gewinnen, zwei Euroleague-Teams in weniger als 24 Stunden besiegen. Sie müssen also bereits im Halbfinale alle Energie investieren und dann im Endspiel die verbleibenden Kräfte mobilisieren. Die grundsätzliche Qualität ist vorhanden.

          Ulm gehört sowohl defensiv als auch offensiv zu den drei besten Teams der Liga, auch wenn man die Bundesliga-Saison nur auf Platz sechs abschloss. Vor allem in der Verteidigung sind die zu Saisonbeginn häufigeren Schwächephasen kürzer und weniger geworden. Dennoch sieht Sportdirektor Thorsten Leibenath sein Team in der Außenseiterrolle, aber an eine Chance glaubt auch er: „An einem Tag, an dem sehr viel funktioniert, ist auch diese Münchner Euroleague-Mannschaft für uns nicht unschlagbar.“

          Die Münchner gehen mit der Belastung von 76 Pflichtspielen in das Halbfinale. Nach dem Aus im Euroleague-Viertelfinale gegen Mailand hat Coach Andrea Trinchieri seine besten Spieler weitestgehend geschont. So auch vor einer guten Woche, als der Italiener neben den verletzten Nihad Djedovic und Nick Weiler-Babb noch fünf weitere Stammkräfte im Bundesligaheimspiel gegen Ulm pausieren ließ. Am Ende unterlagen die Bayern 64:98. Auch wenn die Ulmer wissen, dass diese Begegnung nur ein Muster mit marginalem Wert ist, dürfte der deutliche Erfolg ihr ohnehin schon ausgeprägtes Selbstvertrauen weiter gesteigert haben.

          Der Autor war zweimal „Basketball-Trainer des Jahres“.

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