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Basketball-Trend „Small Ball“ : Kleiner, schneller, weiter

  • -Aktualisiert am

Wegbereiter des Small Ball: Draymond Green (rechts) von den Warriors (im Duell mit LeBron James) Bild: AFP

Größe allein gilt nicht mehr im Basketball: Der Spielstil „Small Ball“ breitet sich im internationalen Basketball dank der Erfolge der Golden State Warriors immer mehr aus. Auch das deutsche Top-Team liegt im Trend.

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          Die nordamerikanische Profiliga NBA ist im Basketball seit je das Maß aller Dinge. Mit den Golden State Warriors hat eine Mannschaft zwei der letzten drei Meisterschaften gewonnen, die als wichtigster Repräsentant eines Spielstils gelten darf, der als „Small Ball“ bezeichnet wird. Die Kalifornier um ihren derzeit verletzten Superstar Stephen Curry gewannen ihre Titel, indem sie häufig auf einen klassischen Centerspieler verzichteten und stattdessen den nur zwei Meter großen Flügelspieler Draymond Green auf diese Position stellten. Damit führten sie eine Idee zur ultimativen Produktreife, die in den letzten Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks in unterschiedlichen Nuancen vorangetrieben wurde.

          Grundsätzlich versteht man unter „Small Ball“ das Spielen mit kleineren Formationen. „Small Ball“ kann unterschiedliche Gesichter und Ausprägungen haben, den Verzicht auf einen Center, den Einsatz eines Small Forwards als Power Forward oder das Agieren mit drei Guards. Diese Aspekte sind miteinander kombinierbar. Verbunden mit solchen Aufstellungen sind in der Regel hohes Tempo und exzellente Drei-Punkte-Werfer, die entsprechend viele Würfe von außen nehmen. Dazu kommt, dass oftmals vier oder alle fünf Spieler auf dem Feld dazu in der Lage sind, den Ball nach einem Defensiv-Rebound selbst nach vorne zu bringen.

          Schnelligkeit statt Größe

          Während im „Small Ball“ in erster Linie Schnelligkeit zählt, konnten zum Ende des vergangenen Jahrtausends die Akteure nicht groß genug sein. Vor allem auf der Position des Small Forwards, des kleineren Flügelspielers, galt eine Länge von 2,05 Metern oder mehr als Gardemaß. Der Kroate Toni Kukoc wurde als Prototyp gehandelt. Seine enorme technische Vielseitigkeit wäre für den Small Ball wie gemacht, allerdings in einer anderen Rolle. Dass er nach seinem Wechsel in die NBA auch als Power Forward, als großer Flügelspieler, agierte, war ein Fingerzeig, wohin die Entwicklung gehen sollte.

          Aktuell werden kleinere Spieler als Power Forwards eingesetzt, die mit ihrer Fähigkeit, den Ball von der Dreipunktelinie zu werfen, Räume schaffen sollen und mit dem Begriff Stretch Four etikettiert werden. So verbleibt nur ein Akteur am Zonenrand, im „Small Ball“ der Warriors sind sogar fünf Außenspieler möglich.

          Im Trend: Bamberg setzt in der Bundesliga auch auf kleine und schnelle Spieler

          In Deutschland hat unter anderem Meister Brose Bamberg immer wieder „Smallball“-Tendenzen gezeigt. Oftmals spielen die Oberfranken mit drei Guards und dazu mit dem „gelernten“ Small Forward Dorell Wright als Power Forward. In dieser Saison gab es bei Rückständen in der Euroleague sogar schon erfolgreich die Variante mit dem 1,95 Meter großen Bryce Taylor auf der Position vier. Gerade wenn Aufholjagden im letzten Viertel initiiert werden müssen, greifen Trainer gerne zum taktischen Mittel des „Small Balls“. Da die kleinen Formationen mit hohem Tempo spielen, generieren sie schnellere und damit häufigere Abschlüsse, was es ermöglicht, Rückstände in kürzeren Zeiträumen aufzuholen.

          Ein Beispiel lieferte der Vorjahreszweite Oldenburg am siebten Bundesligaspieltag, als er vor dem Schlussviertel in Würzburg mit 13 Zählern zurücklag. Dann beorderte Coach Drijencic den 1,96 Meter großen Rickey Paulding auf die Position des Power Forwards. Der Routinier war von keinem Würzburger zu kontrollieren. Oldenburg erzielte 33 Punkte in den letzten zehn Minuten, davon Paulding allein 17, und drehte das Spiel noch.

          Während man in der Bundesliga immer wieder mit „Small Ball“ konfrontiert wird, spielt er in europäischen Nationalmannschaften kaum eine Rolle. Das größere athletische Potential der amerikanischen Spieler (je Team sind sechs Ausländer erlaubt) ist dafür ein ganz wichtiger Faktor. Robin Benzing, Kapitän der deutschen Auswahl, spielt im Verein als Power Forward und als Center, für den DBB war der 2,10-Meter-Hüne zuletzt nur als Small Forward aktiv. Fenerbahce Istanbul, aktueller europäischer Vereins-Champion, hat sich die Krone mit einem Gegenentwurf zum „Small Ball“ gesichert. Phasenweise maß Istanbuls kleinster Spieler auf dem Parkett 1,97 Meter, bei einem Durchschnitt von 2,05 Metern.

          Mit dem Tschechen Jan Vesely stand ein Spieler auf der Position vier, der zwar über herausragende athletische Fähigkeiten verfügt, aber den Dreipunktewurf nicht im Repertoire hat. Der Erfolg des türkischen Meisters zeigt, dass der Small-Ball-Trend schon etwas an Schubkraft verloren hat. Aber nach wie vor können fast alle Teams zumindest als Variante eine „Smallball“-Formation auf das Parkett stellen. Taktische Veränderungen im Basketball verlaufen oftmals in Wellenform. Entsprechend wird auch der weitere Erfolg der Golden State Warriors mitentscheiden, wohin die Entwicklung geht: kleiner, schneller, weiter?

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