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Basketball-Bundesliga : Ein Coup, aber kein Paukenschlag

  • -Aktualisiert am

Prominenter Neuzugang: NBA-Center Greg Monroe Bild: dpa

Die Basketball-Bundesliga braucht mehr Stars – und das auch nach der Verpflichtung des FC Bayern München von Greg Monroe. Die Hoffnungen liegen auch auf der Nationalmannschaft.

          3 Min.

          Es geht voran mit dem Basketball in Deutschland. Davon zeugt auch der Coup, mit dem der deutsche Meister Bayern München am Donnerstag überraschte: Die Münchner verpflichteten den amerikanischen NBA-Center Greg Monroe. Der ist eine Größe in seiner Disziplin, nicht nur der 2,11 Meter wegen, die der Brettspieler von den Philadelphia 76ers misst. 632 Einsätze in der amerikanischen Profiliga sprechen für sich, genau wie die 13,2 Punkte und 8,3 Rebounds, die der 29 Jahre alte Linkshänder im Schnitt pro Partie holte. Und in der kommenden Saison dunkt und punktet er nun an der Isar.

          Doch diese spektakuläre Verpflichtung kann nicht kaschieren, dass die finanziellen Möglichkeiten der deutschen Vereine im Vergleich mit den internationalen Spitzenteams weiterhin begrenzt sind. Einen namhaften Neuzugang gab es bis vor wenigen Tagen nur durch den nach Berlin wechselnden Tyler Cavanaugh (50 NBA-Einsätze). Dass Meister Bayern gleich drei seiner Spitzenkräfte an die kontinentale Konkurrenz verlor, hatte aufhorchen lassen. Der ehemalige NBA-Star Derrick Williams hatte immer wieder bekundet, dass in Europa kein anderer Verein für ihn in Frage käme, entschied sich dann aber doch für Fenerbahce Istanbul. Am Mittwoch gaben die Münchner Josh Huestis als Nachfolger für ihren ehemaligen Star bekannt. Der neue Forward trägt ebenfalls das Gütesiegel NBA, hat mit insgesamt 76 Einsätzen aber bei weitem nicht Williams’ Reputation.

          Nun kommt aber Center Monroe zu den Bayern, der vor drei Monaten noch im Viertelfinale der NBA-Play-offs aktiv war. „Wir sind sehr stolz, dass Greg zu uns stößt“, sagte Sportdirektor Daniele Baiesi am Donnerstag. Wer bei den Bayern Spielmacher Stefan Jovic beerben wird, steht noch nicht fest. Jovic und Center Devin Booker nahmen ein Angebot von Khimki Moskau wahr, einem Klub, der ebenfalls in der Euroleague an den Start geht, aber in der vergangenen Spielzeit hinter den Bayern ins Ziel kam. Obwohl Khimki im Großraum Moskau hinter ZSKA nur die Nummer zwei ist, verfügen die Russen über gewaltige materielle Ressourcen, Starspieler Alexey Shved erhält über drei Millionen Euro netto pro Saison.

          Von solchen Summen sind selbst die Münchner als finanziell mit Abstand potentester Bundesligaverein noch weit entfernt, auch wenn der Gesamtetat für die kommende Spielzeit bei etwa 25 Millionen Euro liegen soll. ZSKA Moskau gab am Montag bekannt, dass das Budget nur für Gehälter inklusive 13 Prozent Steuern in der kommenden Spielzeit 26 Millionen Euro betragen wird.

          Die Bundesliga hat Nachholbedarf, was die Stars betrifft. Viele ihrer besten Akteure haben Jobs im europäischen Ausland angenommen. Dass der Sensationsaufsteiger Vechta sein explosives Außenspieler-Duo mit T.J. Bray und Austin Hollins nicht würde halten können, war erwartet worden. Bray bleibt der Liga zumindest erhalten und wechselte zu den Bayern, während Hollins beim Euroleague-Klub Zenit Sankt Petersburg anheuerte. Genauso wenig überraschte es, dass es den hochdekorierten Bamberger Spielmacher Tyrese Rice für seine vielleicht letzte Spielzeit noch einmal in die europäische Königsklasse zog. Der 32-Jährige unterschrieb bei Panathinaikos Athen. Will Cummings, der wertvollste Spieler der vergangenen Saison, verließ Oldenburg und wechselte nach Russland.

          Auch Johannes Voigtmann zog es nicht in die Heimat zurück. Der ehemalige Frankfurter und beste deutsche Basketballspieler außerhalb der NBA unterschrieb beim Euroleague-Champion ZSKA Moskau. Nach drei Jahren in Spanien wäre seine Rückkehr nach Deutschland ein Paukenschlag gewesen und für die Aushängeschilder München und Berlin eine riesige Verstärkung, da in der Bundesliga immer sechs deutsche Akteure auf dem Spielberichtsbogen stehen müssen. Der „Fall Voigtmann“ zeigt exemplarisch, dass es hierzulande aktuell an Geld mangelt, um ganz große Namen anzulocken oder auch zu halten (Derrick Williams). Die unterschiedliche Steuergesetzgebung in Europa benachteiligt die deutschen Vereine; aber es fehlt auch an finanzieller Substanz, um den großen Wurf zu landen.

          Insgesamt aber steigt das Interesse Basketball in Deutschland. Das hat Gründe: Das Final Four der Euroleague wird im Mai 2020 in Köln ausgetragen, eine Vorrundengruppe der mittlerweile EuroBasket genannten Europameisterschaften wird 2021 an gleicher Stätte ausgespielt, die Finalrunde dann in Berlin. Gerade haben die deutschen U-20-Basketballspieler nach ihrem Erfolg im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften in Israel die Bronzemedaille gewonnen. Verbandspräsident Ingo Weiss formulierte keck: „Da kann ich mich gerne dran gewöhnen, dass unsere Nachwuchsnationalmannschaften mit Medaillen von den Europameisterschaften zurückkehren.“ Diese Aussage spiegelt die Entwicklung im deutschen Basketball wider und unterstreicht gleichzeitig das gewachsene Selbstbewusstsein. Aktuell sorgen die Korbjäger für eine positive Meldung nach der nächsten.

          Johannes Voigtmann spielt zukünftig bei dem Euroleague-Champion ZSKA Moskau.
          Johannes Voigtmann spielt zukünftig bei dem Euroleague-Champion ZSKA Moskau. : Bild: dpa

          Wie schon bei der Heim-EM 2018 konnte der DBB-Nachwuchs in diesem Jahr nicht in Bestbesetzung auflaufen, was die Erfolge umso bemerkenswerter macht. Die besten Akteure waren jeweils nicht dabei, weil sie sich auf ihre Saison in der amerikanischen Profiliga vorbereiten wollten. So fehlte vor einem Jahr Isaiah Hartenstein (Houston Rockets), dieses Mal war Isaac Bonga (Washington Wizards) nicht dabei. Hartenstein wird auch im September bei der WM in China nicht im Team stehen, da er abermals seine NBA-Ambitionen in den Vordergrund stellt. Dennoch könnte die deutsche Mannschaft beim Saisonhöhepunkt mit Bonga, Dennis Schröder, Maximilian Kleber, Daniel Theis und Moritz Wagner immerhin fünf Profis aus der besten Liga der Welt an den Start bringen. Mit etwas Glück könnte für das deutsche Team sogar eine Medaille herausspringen. Erfolgreiche Auftritte der Nationalmannschaft in China könnte weitere Geldgeber für den deutschen Basketball begeistern.

          Der Autor war zweimal Trainer des Jahres.

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