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Basketball : Trainer Herbert pokert, die Euroleague ruft

  • -Aktualisiert am

Goldig: Skyliner Diarra genießt Medaille und Meisterschaft Bild: dpa/dpaweb

Nach dem Rausch der Basketball-Meisterschaft planen die Frankfurt Skyliners die Zukunft. Ob Trainer Herbert bleibt, ist noch ungewiß.

          3 Min.

          Tyrone Ellis stand bei seinen Freunden und jubelte. In der rechten Hand hielt der Basketballprofi der Frankfurt Skyliners eine dicke Zigarre, in seiner Heimat, den Vereinigten Staaten, das Symbol der Erfolgreichen. "Ich habe es schon vor dieser Saison gewußt, daß wir es schaffen", rief der 27 Jahre alte Amerikaner in den Siegeslärm, der die Frankfurter Ballsporthalle am Sonntag abend erfüllte. 84:78 hatten die Opel Skyliners im letzten und entscheidenden Spiel der nach dem "Best-of-Five"-Modus ausgetragenen Finalserie gegen den GHP Bamberg gewonnen. Es war ein triumphales Basketballfest, das die 5000 Fans in der Ballsporthalle den siegreichen Spielern von Trainer Gordon Herbert bereiteten. Unten in der Halle war die Luft feucht, immer wieder stiegen Sektfontänen in die Höhe, und die Profis badeten in der Welle der Siegesfreude, genossen den Erfolg in vollen Zügen. "Alle haben von Bonn, von Berlin und von Köln geredet", rief Ellis den Reportern entgegen, "keiner hat mit uns gerechnet. Aber ich habe es gleich gewußt." Und die Frage, warum er sich schon vor der Saison so sicher war, beantwortete Ellis wie aus der Pistole geschossen: "Weil ich in perfekter Form bin", rief er strahlend, "ich bin der beste Guard der Liga."

          Es war vieles möglich an diesem siegestrunkenen Abend in Frankfurt, der den Skyliners im fünften Jahr ihres Bestehens einen für viele überraschenden Erfolg beschert hatte. Gunnar Wöbke, der Manager der Skyliners, lief strahlend durch die Katakomben der Ballsporthalle, zückte sein Handy und zeigte stolz auf eine SMS-Nachricht, die bläulich vom Display seines Mobiltelefons schimmerte: "Welcome to the Euroleague, Jordi", stand hier geschrieben. Jordi Bertomeu ist der Commissioner der Euroleague, die das höchste der Gefühle für europäische Basketballklubs ist. Und die Skyliners sind jetzt dabei.

          Viele Fragen bleiben offen

          An die Zukunft mochte am Abend des Triumphes in Frankfurt kaum einer denken. Man feierte ausgiebig im ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidium, wo sich die Szene trifft, am Montag bat die Stadt Frankfurt zu einem Empfang in den Römer. Zuvor hatte Hauptsponsor Opel die deutschen Meister bei einem kleinen Essen in seinem Werk in Rüsselsheim geehrt. Die Frage nach dem deutschen Meister war nach der harten, packenden Finalserie gegen Bamberg beantwortet. Andere Fragen blieben aber noch offen. Vor allem eine schwebte die ganze Zeit im Raum wie der Rauch der Siegerzigarren: Bleibt Gordon Herbert Trainer der Skyliners? Der Vertrag des kanadischen Sportpsychologen läuft am 30. Juni aus, über eine Verlängerung ist noch nicht verhandelt worden.

          Die Zurückhaltung in der Trainerfrage ist ungewöhnlich - vor allem angesichts des Erfolges. Pokert Herbert? Haben die Skyliners einen anderen Wunschkandidaten? Auf die Frage, ob er die Skyliners in der aktuellen Zusammensetzung für fit für die Euroleague halte, sagte Herbert: "Darauf kann ich nicht antworten, ich bin ja noch nicht der Trainer." Sicherlich ist mit dem Erreichen des Meistertitels - es war auch für Herbert der erste große, persönliche Triumph - eine wichtige Bedingung erfüllt, die den Kanadier in Frankfurt halten könnte. "Die Euroleague ist die zweitstärkste Liga der Welt", sagte Herbert. Eine ihrer Spitzenmannschaften sei durchaus in der Lage, es mit schwächeren Teams aus der amerikanischen Profiliga NBA aufzunehmen. "Der Unterschied ist viel geringer geworden", sagte Herbert. "Es ist viel wichtiger, in der Euroleague mitzuspielen, als bei einem spanischen Verein mehr zu verdienen, aber nur im Mittelfeld der Liga mitzumischen." Andererseits sagte Herbert auch: "Wenn man die Chance hat, sich zu verbessern, muß man sie nutzen."

          Verstärkung muß her

          Sicher scheint, daß sich die Skyliners verstärken müssen, um in der europäischen Liga der Champions mithalten zu können. In der nächsten Saison wird aber auch wieder Center Robert Maras, der wegen einer Verletzung schon früh in der Saison bis zu deren Ende ausgefallen ist, zur Verfügung stehen. Während Manager Wöbke am Montag bekanntgab, daß Maras' Vertrag um zwei Jahre verlängert worden sei, versuchte Trainer Herbert auf dem Podium möglichst unbeteiligt dreinzuschauen. Schon möglich, daß Herbert andere Angebote hat, aber nicht darüber reden will. "Ich habe noch nicht mit meinem Manager telefoniert", antwortete Herbert auf die Frage nach weiteren Offerten. Eine durchaus realistische Antwort. Denn dazu hatte der Trainer in den turbulenten Stunden zuvor wirklich keine Zeit. Am Montag nach dem Triumph wirkte der Meistertrainer ziemlich entspannt. "Der Tag gestern war hart", sagt Herbert, "aber als ich heute früh aufwachte, fühlte ich mich sehr, sehr gut."

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