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Basketball Top Four : Bamberg ist nicht zu stoppen

Bambergs Fabien Causeur (rechts) versucht zum Korb zu kommen. Bild: dpa

Brose Bamberg untermauert seine Vormachtstellung im deutschen Basketball und triumphiert zum fünften Mal im Pokal. Gegen Bayern München hilft dabei auch ein extra aus der NBA eingeflogener Glücksbringer.

          3 Min.

          Die überragende Basketballmannschaft Deutschlands, Brose Bamberg, hat zum ersten Mal seit ihrem Double 2012 den Pokal gewonnen. Das Team, das allein seit 2010 sechs Mal Meister wurde, besiegte im Endspiel des Top-Four-Turniers am Sonntag in Berlin Bayern München 74:71. Überragender Spieler der überlegenen Mannschaft war Center Daniel Theis. „Theis ist unglaublich. Wie er slipt und sich dreht und in der Luft steht“, hatte schon nach dem Halbfinale John Patrick, Trainer der unterlegenen Ludwigsburger geschwärmt, „obwohl wir eine Verteidigung wie aus dem Bilderbuch gespielt haben, hatten wir keine Chance.“ Theis hatte zum 85:78 der Bamberger 19 Punkte beigetragen. Im Spiel gegen die Bayern war er nicht zu stoppen und kam auf 18 Punkte; zudem holte er 10 Rebounds.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mit dem Erfolg widerlegten Andrea Trinchieri und sein Team, was der Trainer noch am Vorabend behauptet hatte: „Der Cup ist etwas für Außenseiter.“ In seinen bald drei Jahren in Deutschland hat er bereits zwei Mal die Meisterschaft gewonnen, aber noch nie den Pokal. Wer nicht Favorit sei – wie die Bamberger –, treffe mühelos, denn auf ihm laste kein Druck, behauptete er. Für Teams wie seines aber gehe es in der Euro-League noch um die Qualifikation fürs Viertelfinale und – vor allem – um die deutsche Meisterschaft. Den Modus des als Top Four veranstalteten Pokalwettbewerbs erklärte er kurzerhand zu Mist: Sechs Klubs spielen zunächst drei Startplätze fürs Endturnier aus, dann geht’s, mit dem Gastgeber als Nummer vier, am Samstag ins Halbfinale; weniger als 24 Stunden später ist Endspiel. „Deutschland ist bereit für ein Top Acht“, sagte Trinchieri – einen Wettbewerb, der an einem langen Wochenende bereits am Donnerstag beginnen würde - und für vier Klubs einschließlich ihrer Fans am ersten Tag auch schon zu Ende sein würde. Würde er immer gekrönt von einem Endspiel dieses Niveaus, wäre die Einführung schon im nächsten Jahr Pflicht.

          NBA-Spieler Dennis Schröder drückt Bamberg die Daumen

          Dabei schien dieses Finale bereits in der ersten Hälfte entschieden. Als der Münchener Bryce Taylor durch die gegnerische Abwehr kurvte, zum Korbleger abhob und mit viel Körperkontakt über den Bamberger Patrick Heckmann segelte, entschieden die Schiedsrichter auf Foul; Offensiv-Foul des Bayern-Spielers. Trainer Sascha Djordjevic explodierte, hatte allerdings die Geistesgegenwart, nach dem ersten Fluch wie der Blitz auf die Trainerbank zu stürzen und dort, mit gesenktem Kopf, auszuharren, bis der Schiedsrichter seinen Blick abwendete. Sein Spielmacher Anton Gavel dagegen steigerte sich in einen wilden Wutausbruch, statt sich unsichtbar zu machen. Weil sich dieser gegen den Schiedsrichter richtete, setzte es ein Technisches Foul, und als die Bamberger nach Freiwurf von Darius Miller, nach Ballbesitz und Treffer von Nicolo Melli mit einem sehenswerten Korbleger ihres jungen Aufbauspielers Maodo Lo nachlegten, lagen die Bayern auf einmal neun Punkte zurück (25:34).

          Das war zunächst ein Bruch im hervorragenden Spiel zweier Teams von internationaler Klasse auf Augenhöhe. 36:45 lagen die Bayern bei Halbzeit zurück, bis auf 56:57 kamen sie (im letzten Viertel) ausgerechnet durch einen Wurf von Gavel zurück. 66:68 stand es eine Minute vor Schluss, und auf 69:70 verkürzte Reggie Redding 25 Sekunden vor der Sirene. Hätte Center Maik Zirbes wenige Sekunden zuvor beide statt nur einen seiner Freiwürfe getroffen, wäre dies der Ausgleich gewesen. Selbst als dem Münchner Aufbauspieler Nick Johnson nach seinem Treffer zum 71:72 ein Ballgewinn gelang, sechs Sekunden vor Ende des Spiels, blockte Melli den Wurf. Die Bamberger schonten am Pokal-Wochenende keinen ihrer Stars.

          Die größte Überraschung war noch, mit welcher Selbstverständlichkeit Trinchieri es Maodo Lo, überließ, das Spitzen-Ensemble aus Franken zu führen. Selbst als der junge Mann, der vor 24 Jahren in Berlin zur Welt kam, im Halbfinale drei Fehler nacheinander machte, die zu Ballverlusten und Gegentreffern führten, zeigte er sich nachsichtig. „Vor einem Jahr hat Maodo noch am College in Amerika gespielt“, sagte er. „Dies hier ist ein ganz anderes Niveau.“ Bejubelt wurden Lo und Theis von einem Zuschauer, der aus Amerika angereist war: Denis Schröder, Point Guard der Atlanta Hawks in der NBA und in Braunschweig Mannschaftskamerad von Theis, schaute zum Halbfinale in Berlin vorbei. Er war ganz offensichtlich angetan von dem, was die deutschen Spieler leisteten, mit denen gemeinsam er im September in der Nationalmannschaft zur Europameisterschaft antreten will.

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