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Basketball-Top-Four : Berlin gewinnt das Pokal-Finale

Ungewohntes Bild in den letzten Jahren: Alba feiert einen Titel, erstmals seit 2009 Bild: dpa

Nach dem Sieg im Prestige-Duell mit Bayern München schlägt Alba im Finale auch die Ulmer. Es ist der erste Titel für die Berliner seit 2009. Damit endet auch die dreijährige Dominanz von Bamberg in Pokal und Meisterschaft.

          Sieben Sekunden noch im dritten Viertel, Alba Berlin hat Einwurf in der zähen, unentschiedenen Partie. Aufbauspieler DaShaun Wood dribbelt zum Korb, dann passt er raus an die Seitenlinie. Der Ulmer Phillip Schwethelm fliegt im Versuch, zu verteidigen, vorbei, dann hat Heiko Schaffartzik freie Bahn. In flachem Bogen fliegt der Ball in den Korb der Ulmer: 62:59, sein erster Treffer, drei Punkte Vorsprung: so viel wie noch nie in diesem Endspiel um den deutschen Pokal.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es war, als sei der Bann gebrochen. Nicht nur trafen die Berliner auf einmal, sie gewannen auch die Lufthoheit. Die Mehrzahl der Rebounds gehörten im letzten Viertel ihnen. Sie setzten sich bis vier Minuten vor dem Ende ab: 72:61. Ulm ging die Luft aus. Wie zuletzt vor vier Jahren, vor Beginn der dreijährigen Dominanz von Bamberg in Pokal und Meisterschaft, gewann Alba mit dem 85:67 über Ratiopharm Ulm wieder den Pokal, zum siebten Mal.

          Das Pokalfinale vor 13.400 Zuschauern in der o2-Arena von Berlin war der Höhepunkt des zweitägigen, sogenannten „Top Four“-Turniers um den Titel. Dabei sollte auch das Duell der Aufbauspieler der deutschen Nationalmannschaft, Schaffartzik und Per Günther ein Rolle spielen. Der Berliner (sechs Punkte) entschied es mit dem Gewinn der Partie für sich; Günther beeindruckte mit Spielwitz und zehn Punkten.

          Das Spiel war in den ersten beiden Vierteln so ausgeglichen wie der Punktstand (38:39). Was die Schwaben in ihrem 2,11 Meter großen Center John Bryant hatten, war für die Berliner Zach Morley. Der Riese mit dem Pferdeschwanz aus Ulm steuerte insgesamt 21 Punkte bei, nicht wenige mit ruhiger Hand aus der Distanz. Der kahlköpfige Morley dagegen, der am meisten gefoulte Profi im Kampf um den Ball, erzielte 24 Punkte, die Mehrzahl durch Freiwürfe.

          Selten konnten sich die Ulmer so gegen die Alba-Defensive durchsetzen

          Er traf auch, bei fünf Berliner Versuchen aus der Distanz, den einzigen Dreier seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit. Deon Thompson gelangen 20 Punkte, 14 davon in der zweiten Hälfte. Der erst vor wenigen Wochen verpflichtete französische Nationalspieler Ali Traoré kam im Ringen mit dem 130 Kilo schweren Bryant auf fünf Punkte. Die Berliner, das demonstrierte auch er, kamen am Sonntag zunächst nicht in ihren Rhythmus.

          Das mag auch daran gelegen haben, dass Trainer Sascha Obradovic auf Nenad Djedovic verzichtete. Der hoch veranlagte und vielseitige Bosnier hatte trotz zehn Punkten und fünf Rebounds beim Halbfinalsieg über Bayern München am Vortag einige Wutausbrüche seines Trainers provoziert; im Finale spielte Dereck Byars (vier Punkte) an seiner Stelle.

          Ein bisschen Show muss sein: Die Ulmer machten vor dem Finale eine gute Figur

          Genug ausländische Spieler hat Alba ja. Obradovic setzte nur acht Spieler in der Rotation ein, sein neunter Mann, der Veteran Sven Schultze, kam nur für Spezialeinsätze aufs Feld. Yassin Idbihi (4) musste wegen fünf Fouls sein Engagement vorzeitig beenden.

          Ulms Trainer Thorsten Leibenath nutzte dagegen die ganze Breite seiner „Ban“, darunter neben dem überragenden Per Günther der von Bayern ausgeliehene Philipp Schwethelm (4), das zwanzigjährige Talent Daniel Theis (1) und der junge Sebastian Betz, die neben den erfahrenen Profis wie Steven Esterkamp(10) und Keaton Nankivil (3) eine gute Figur machten. Bundestrainer Menz schaute jedenfalls voller Wohlwollen auf seine Kandidaten für die Europameisterschaft.

          Im Halbfinale zeigten die Fans aus Berlin, was sie von den Gästen aus München halten

          Das geschliffene Zusammenspiel der beiden Finalisten hatte sich schon in den Halbfinalbegegnungen gezeigt. Fünf Ulmer hatten beim 86:77 über die Artland Dragons zweistellig gepunktet, was Aufbauspieler Per Günther (12) als hervorragenden Ausweis des Stärke seines Teams lobte; die Fähigkeit nämlich, die Offensive auf viele Schultern zu verteilen. Noch erfolgreicher taten das die Spieler von Alba Berlin. Sieben von ihnen erzielten zehn und mehr Punkte.

          Dadurch war die mit Spannung erwartete Halbfinalbegegnung von Alba und Bayern München schnell entschieden. Bei Halbzeit führten die Berliner mit 14 Punkten (51:37), von bis zu 22 Punkten Vorsprung, die sie in der zweiten Hälfte erkämpften, blieben nach einer furiosen Schlussoffensive der Bayern neun (92:83). Das Spiel um Platz drei gewannen die Bayern 88:76 gegen Quakenbrück.

          Bilderstrecke

          Nach dem Finale zogen sich die Ulmer zunächst traurig zurück, während die Berliner auf dem Parkett tanzten. Ulm hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem Spitzenteam entwickelt. Was fehlt, sind Titel. „Berlin hat den Heimvorteil genutzt“, sagte Schwethelm. „Mehr gibt es nicht zu sagen.“ Doch.

          2014 haben die Ulmer die Chance, es mit Rückenwind vor eigenem Publikum besser zu machen. Die Vereine der Bundesliga entschieden in Berlin, das Pokalturnier der nächsten Saison in der neuen Ratiopharm-Arena von Ulm auszutragen. Die Stadt baute eine Halle mit einer Kapazität von sechstausend Zuschauerplätzen. Jetzt muss das Team der Zukunft nur noch zweimal gewinnen. Denn der Ausrichter ist automatisch qualifiziert.

          Basketball-Top-Four in Berlin

          Samstag, 23.03.2013:  

          Halbfinale:

          ratiopharm Ulm - Artland Dragons 86:77 (37:38)
          Alba Berlin - Bayern München 92:83 (51:37)

          Sonntag, 24.03.2013:

          Spiel um Platz 3:

          Bayern München - Artland Dragons 88:76 (43:43)

          Finale:

          Alba Berlin - ratiopharm Ulm 85:67 (38:39)

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