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Terminprobleme im Basketball : Platzhalter sollen die Lösung sein

  • -Aktualisiert am

Gordon Herbert sieht in seinen Spielern nicht die Lückenbüßer, sondern die Zukunft. Bild: dpa

Die besten Spieler werden dem neuen Basketball-Bundestrainer erst einmal fehlen. Denn die sind in der NBA gefragt und höchstens im Sommer zu haben. Gordon Herbert macht aus der Not eine Tugend.

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          Die Premiere von Basketball-Bundestrainer Gordon Herbert wirkt wie ein Witz. Vor tausend Zuschauern in Nürnberg wird er an diesem Donnerstag (19.00 Uhr bei MagentaSport) mit einer Nationalmannschaft die Qualifikation zur Basketball-Weltmeisterschaft 2023 beginnen, die ohne achtzehn antritt: ohne die sieben deutschen Profis aus der NBA wie Dennis Schröder von den Boston Celtics, die Wagner Brothers von den Orlando Magic und Daniel Theis von den Houston Rockets – die, bis auf Maxi Kleber und dessen Dallas Mavericks, allesamt am Donnerstag Spiele haben.

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          Aber von denen gehörte ohnehin nur ein einziger, Moritz Wagner, zur glorreichen Olympiamannschaft 2021. Niemand kann allen Ernstes erwarten, dass die großen Jungs während der Saison aus Amerika einfliegen zu den ersten Qualifikationsspielen für die Weltmeisterschaft 2023, gegen Estland und in Polen am Sonntag.

          Europa läge näher als die NBA – wenn da nicht die streitbehaftete Konkurrenz des Verbandes FIBA mit der Euroleague wäre. Von den elf deutschen Nationalspielern, die von deren Terminüberschneidung wieder ein Mal betroffen sind, spielen am Donnerstagabend Tibor Pleiß und sein Meister-Team Anadolu im Istanbuler Lokalderby gegen Fenerbahce mit Danilo Barthel und Ismet Akpinar. Bayern München mit Andreas Obst spielt in Moskau gegen ZSKA mit Johannes Voigtmann. Alba Berlin mit Maodo Lo und weiteren sechs Nationalspielern tritt gegen Maccabi Tel Aviv an. Und all diese Partien und noch einige mehr aus der Euroleague werden, wie das Länderspiel auch, live übertragen.

          Auf dreißig, vierzig Spieler beziffert Herbert den Kreis der potenziellen Nationalspieler. Diese Großzügigkeit ist dem Umstand geschuldet, dass er in Herbst und Winter mit der zweiten und dritten Reihe auskommen muss in Länderspielen gegen Teams, denen ebenfalls die Besten fehlen. Man mag diese Art von Bewährungsprobe für zwei, drei Routiniers plus unerfahrene Talente im Dutzend als Reverenz an die Bundesliga verstehen. Sie hat mit Quotenplätzen für deutsche Spieler einen Talentquell eröffnet, der nicht nur die Mannschaften der BBL speist, sondern auch Begehrlichkeit internationaler Teams weckt.

          Bei allem Respekt vor der Nachwuchsarbeit muss Herbert in Wirklichkeit vom ersten Tag seines Wirkens an Etikettenschwindel vertreten: eine Nationalmannschaften, in der die Besten, wenn überhaupt, lediglich im Sommer spielen. In der diejenigen, die sich durch die Qualifikation kämpfen, nicht mehr sind als Platzhalter. Herbert versucht aus der Not eine Tugend zu machen: Er sieht in seinen Spielern nicht die Lückenbüßer, sondern die Zukunft.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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