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Basketball-Nationalmannschaft : Nowitzki gibt es nur als Zugabe

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsträger: Dennis Schröder soll Deutschland führen Bild: dpa

Dirk Nowitzki könnte zur Nationalmannschaft zurückkehren. Aber ihre Identität muss sie in der mit dem Spiel gegen Polen (20 Uhr) beginnenden EM-Qualifikation ohne ihn finden.

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          Er ist nicht da. Aber er ist wie immer gegenwärtig und in aller Munde: Dirk Nowitzki, der deutsche Basketball-Superstar der Dallas Mavericks. Wenn die Nationalmannschaft an diesem Sonntag (20 Uhr) im polnischen Torun in die EM-Qualifikation mit ihren sechs Spielen gegen Polen, Österreich und Luxemburg startet, kämpft sie auch darum, dass Nowitzki 2015 seine dann dreijährige Sommerpause vom Auswahlteam beenden wird.

          Ein Anreiz für dessen Rückkehr wäre bei der Teilnahme an der EM, woran keiner ernsthaft zweifelt, der mögliche Austragungsort: Mit Berlin hat sich der Deutsche Basketball-Bund (DBB) wie acht andere Verbände um die Ausrichtung der Vorrunde beworben, weil sich die Ukraine aufgrund der politischen Unruhen in dem Land als Gastgeber verabschieden musste. Mit Nowitzki über den Ausgangspunkt Berlin hin zum Fernziel Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro - an diesem Königsweg in Begleitung des deutschen Ausnahmespielers hätte der Verband großen Gefallen.

          Und als Galionsfigur sportlich wieder vorneweg zu marschieren, kann sich der 36 Jahre alte Nowitzki durchaus vorstellen. Seinen vielversprechenden Worten ist zu entnehmen, dass ihn die Spiele in Brasilien noch einmal reizen würden. Viel wird jedoch von seiner Spielbelastung in der NBA und seinem Gesundheitszustand abhängen. Beim Blick voraus hat sich der NBA-Champion von 2011 jedenfalls eine „Hintertür“ offen gelassen. Seine Nationalmannschaftskarriere erklärte er jüngst ausdrücklich nicht für beendet.

          Ansporn für die Jungen

          Wie jeder Trainer lebt Emir Mutapcic im Hier und Jetzt. Der Bundestrainer war in den vergangenen Wochen ja auch voll gefordert, die neue und junge Nationalmannschaft im Schnellverfahren in Form zu bringen. Insofern beschäftigen ihn die Zukunftsgedanken um Nowitzki nicht. Doch ganz ausblenden kann auch Mutapcic den deutschen Stern am Basketballhimmel nicht. Er sagt: „Wenn Dirk kommt, soll die Mannschaft spielerisch bereit sein, für hohe Ziele zu kämpfen.“ Das ist das eine. Zu verstehen quasi als großer Ansporn für seine aufstrebenden Jungs.

          Der Trainer erklärt: Emir Mutapcic (r) diskutiert mit den Spielern Lucca Staiger (l) und Heiko Schaffartzik
          Der Trainer erklärt: Emir Mutapcic (r) diskutiert mit den Spielern Lucca Staiger (l) und Heiko Schaffartzik : Bild: dpa

          Sie hat Mutapcic aber auch gewarnt - davor, ihre Identifikation mit der Nationalmannschaft und ihr eigenes Wohlergehen vor allem mit der Anwesenheit von Nowitzki zu verknüpfen. „Man kann nicht sagen: ,Wenn Nowitzki spielt, bin ich da.‘“ Für den Bundestrainer ist das schlicht die „falsche Einstellung“. Schließlich sei in Deutschland vor Nowitzki Basketball gespielt worden, „und wir werden es nach ihm tun“. Respektlos meint Mutapcic das natürlich nicht. Nowitzki ist auch für ihn „der beste Spieler in der Geschichte des deutschen Basketballs“.

          Schröder als Hoffnung

          Im Team des Bundestrainers verkörpert momentan der Jungstar Dennis Schröder die große Hoffnung. Der 20 Jahre alte Aufbauspieler, dessen stolze Leistungsbilanz nun eine NBA-Saison bei den Atlanta Hawks ziert, würde gerne mit Nowitzki gemeinsame Sache machen - spätestens 2016 in Rio de Janeiro. Die Signale des deutschen Basketball-Leuchtturms haben auch Schröder elektrisiert. Der hat wie einige Nationalmannschaftskollegen in der NBA-Summerleague vorgespielt. In seinem Fall hatte Mutapcic dafür großes Verständnis, da Schröder in den Vereinigten Staaten bereits etwas vorzuweisen hat und kein Träumer ist. Bei anderen hingegen kritisierte er deren Prioritäten. Denn für den Bundestrainer, der seinen Plan, die besten Spieler von Anfang an zusammenzuhaben, schnell aufgeben musste, ist eben die Nationalmannschaft im Sommer keine zweite Wahl. „Ein guter Spieler kann auch über die Nationalmannschaft nach vorne kommen“, findet er. „Ich respektiere den Wunsch jedes Spielers. Aber das nächste Mal muss er das in Verbindung bringen mit der Nationalmannschaft.“ Und weiter: „Wenn die Nationalmannschaft keinen Erfolg hat, ist das vielleicht auch ein Problem für die Bundesliga.“

          Deren Geschäftsführer Jan Pommer hat sich hohe Ziele gesetzt: Spätestens 2020 soll die Bundesliga die beste nationale Liga in Europa sein. „Aber ohne deutsche Spieler geht das nicht“, betont Mutapcic. „Ohne gute Arbeit in den Vereinen und beim Verband kommt keine Qualität.“

          Wird der Bundestrainer seine Tätigkeit fortsetzen - dafür müsste er aber zur Dauerlösung werden, was bei geschaffter EM-Qualifikation nicht unwahrscheinlich ist -, will der 54-Jährige eine Qualitätsoffensive bei der Zusammenarbeit zwischen dem Verband, der sich „besser organisieren“ müsse, und den Nationalspielern starten. Enger Kontakt, eine gute Abstimmung und Kontinuität sind für ihn Voraussetzungen eines gedeihlichen und aussichtsreichen Miteinanders. „Es ist unser Ziel, dass die Mannschaft länger zusammenbleibt. Dann werden wir von dem Talent der Spieler profitieren.“ Ihnen möchte Mutapcic außerdem die bestmögliche medizinische Betreuung sowie „Kraft- und Konditionstraining auf hohem Niveau“ anbieten. Die Nationalmannschaft soll so zur beliebten Anlaufstelle der besten deutschen Spieler werden.

          Wir-Gefühl dank Supercup

          Der Abschlusserfolg über Russland beim gewonnenen Supercup in Bamberg hat das „Wir-Gefühl“ der Mannschaft gestärkt. Eine, die am Anfang ihres Entwicklungsprozesses steht und die offenbar weiß, was für den gemeinsamen Erfolg wichtig ist. „Das macht ein bisschen die Nationalmannschaft aus, dass man sich gegenseitig hilft. Im Vereinsbasketball herrscht vielleicht ein bisschen mehr Egoismus“, sagt Johannes Voigtmann, der Jungnationalspieler und Center des Bundesligaklubs Fraport Skyliners.

          Über allem steht Mutapcic. Als oberste sportliche Instanz kommt der Deutsch-Bosnier offenbar gut an. Statt nur über die Köpfe der Spieler hinweg zu entscheiden, nimmt er sie in die Verantwortung. Mit positiver Motivation versucht er sie anzutreiben. Sein Elan sei ansteckend, ist zu hören. Mutapcic habe eine „tolle Autorität“, sagt der Power Forward Maximilian Kleber. Den Worten müssen jetzt Taten folgen. Mit einem Auftakterfolg in Polen hätten die Deutschen bereits einen wesentlichen Schritt für eine erfolgreiche Qualifikationsrunde gemacht. Danach könnte wieder Nowitzki ins Spiel kommen. Bei aller Hochachtung für ihn wünscht sich der Bundestrainer aber, dass sich jeder Profi schon jetzt mit der Nationalmannschaft identifiziert. Das ist dem Identitätsstifter Mutapcic ganz wichtig.

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