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Basketball : Spitzenklasse in der Star-Abteilung

  • -Aktualisiert am

Eine Wucht: Dirk Nowitzki Bild: dpa/dpaweb

Da helfen noch so viele Körbe nichts: Warum Basketballprofi Dirk Nowitzki trotz seiner Führungsposition bei den Dallas Mavericks und der NBA nicht Meister in Amerika wird.

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          53 - 16 - 4.  Das sind die Maße, die Dirk Nowitzki in der stärksten Basketball-Liga der Welt vorgegeben hat: 53 Punkte, 16 Rebounds und vier geblockte Würfe - niemals zuvor ist einem Deutschen so ein Zahlenspiel in einer einzigen Partie gelungen.

          106:113 verloren die Houston Rockets in der vergangenen Woche gegen die Dallas Mavericks. Oder sollte man sagen: gegen Nowitzki? Der 26jährige Würzburger versetzte nicht nur sein Team in Staunen. Die gesamte NBA (National Basketball Association) spricht seit Beginn dieser Saison Anfang November über den nächsten Karriereschritt des Franken: Döööörk - wie die Amerikaner in Dallas ihren Liebling rufen - gilt nicht nur als der beste Deutsche, der sich jemals am Basketball vergriff und in der NBA wie ein Volltreffer einschlug. Alle Zahlen und Daten von Nowitzki nach nun 19 Spielen belegen seine außergewöhnliche Klasse selbst im Kreis der Stars.

          „Es gibt schon noch einiges zu verbessern“

          "Es läuft nicht schlecht", sagt Nowitzki und lächelt. Seine Augen funkeln mit dem Ring im linken Ohr um die Wette. Die 53 Punkte gegen Houston waren kein Zufall. Mit nun durchschnittlich 27,7 Punkten pro Spiel führt er die Liste der erfolgreichsten Korbschützen an, vor einem gewissen Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers. Bryant gilt als Superstar der Branche. Was den blondgelockten Sonnyboy aber noch stolzer macht: Er steht mit im Schnitt 10,8 Rebounds als Siebter unter den Top Ten. "Ich habe speziell im Sommer am Rebounding gearbeitet. Ich bin jetzt unterm Korb schneller auf den Beinen. Aber es gibt schon noch einiges zu verbessern", sagt Nowitzki. "Im Paßspiel muß ich noch besser werden. Aber das kommt mit den Spielen. Wenn ich zum Beispiel gedoppelt werde (zwei Verteidiger nehmen einen Angreifer in die Zange), dann muß ich den Ball aus der Bedrängnis spielen. In solchen Situationen habe ich manchmal noch vier, fünf Ballverluste."

          Einmal in Fahrt gekommen, läßt sich der Selbstkritiker Nowitzki kaum noch einfangen. "Ich habe zwar 53 Punkte gegen Houston gemacht, aber auch 17 Dinger verhauen. Da waren schlechte Würfe dabei. Ich hätte locker über 60 Punkte machen können. Ich muß noch konzentrierter werden."

          Für die Führungsrolle bei den Mavericks reicht es längst

          Nowitzki hat noch die Zeit dazu. Er ist mit 26 Jahren noch längst nicht auf dem Zenit. "Ich denke, daß ich mit 28, 29 Jahren ein kompletter Spieler sein kann. Ich werde noch an mir arbeiten." Für die Führungsrolle bei den Mavericks reicht es längst. Auf und außerhalb des Courts. Nowitzki, der Leader. Er will ein stiller Chef sein. Einer, der keine großen Reden schwingen, aber mit seiner professionellen Haltung Zeichen setzen will. "Ich gehe halt jeden Abend noch in die Halle um zu schießen und freue mich, wenn mir andere folgen."

          Sie folgen ihm nicht nur ins Extratraining. Sie suchen ihn auch bei jeder Vorstellung: "Ich bin automatisch in diese Rolle gewachsen. Das Spiel läuft mehr über mich. Ich habe plötzlich den Ball öfter in der Hand. Der Coach spricht öfter mit mir, und ich gebe seine Kommandos an die Spieler weiter. Ich rede jetzt auch mehr im Spiel, und das ist gut so."

          „Wir stehen so mittendrin“

          Teameigner Mark Cuban und Cheftrainer Nelson setzen auf Nowitzki, auf seine Angriffsstärke. So ist er zu den 53 Punkten gekommen und gleichzeitig zu den Fehlversuchen, die ihm in der Trefferquoten-Statistik zur Zeit Rang 44 (rund 45 Prozent) bescheren. Nowitzki hat nicht mehr den Spielraum, dann zu werfen, wann es ihm gerade paßt. Er muß aus allen Lagen draufhalten. Und so bekommt er den Ball auch, wenn es eng wird, wenn in allerletzter Sekunde ein Treffer das Spiel entscheidet.

          Dallas mit einem Franken auf dem Weg zum Titel? Wohl kaum. Denn der gestärkte Nowitzki kann allein den Wechsel von Steve Nash zu den Phoenix Suns, wo der Aufbauspieler in den nächsten sechs Jahren 60 Millionen Dollar verdient, nicht ausgleichen. "Wir vermissen ihn sehr. Wenn wir Steve jetzt noch in der neuen Mannschaft hätten, wären wir ein Top-Favorit für die Meisterschaft. So fehlt es uns halt am Aufbau, und wir stehen so mittendrin", sagt Nowitzki.

          Spielen die Suns nicht so wie einst die Mavericks?

          Die Statistik gibt ihm recht: Nash wurde zum Spieler des Monats November gewählt, ist gegenwärtig der beste Paßspieler der Liga (10,9 pro Spiel). Das Management von Dallas nimmt den Schwung der Suns zähneknirschend zur Kenntnis. Spielt da nicht ein Team so wie einst die Mavericks? In drei Sekunden überbrücken die Suns das Spielfeld, sind dank Nash und der leichtathletischen Begabung unter den Spielern so schnell wie kein anderer Gegner. Phoenix erzielt die meisten Punkte in der Liga, mit Abstand.

          Im Gegensatz zu den Suns scheinen die Mavericks in dieser Saison für den NBA-Titel - als ob sie ihre neuen Trikots danach ausgewählt hätten - zu grün. "Abgesehen von Michael Finley und mir sind ja fast alle neu. Außerdem waren wir bis jetzt nie komplett. Immer waren einer oder zwei verletzt, wie jetzt Michael. Ich denke, daß wir die Play-offs schaffen, aber dann muß man mal sehen, wie weit wir uns bis dahin eingespielt haben."

          Nach dem ersten Viertel der Saison ist das Spiel der Mavericks eine One-Man-Show - auch wenn der Hauptdarsteller dies nicht so gerne hört. Er setzt lieber neue Maßstäbe.

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