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Basketball : Skyliners entzaubern Alba

Skyliners-Coach Gordon Herbert hat offenbar den richtigen Dreh für den Playoff-Coup Bild: Wonge Bergmann

Die Basketballspieler der Frankfurt Skyliners siegen 76:71 beim Favoriten Alba Berlin und träumen in den Play-offs schon vom ganz großen Coup. „Wir haben einen großen Schritt getan“, sagt Aufbauspieler Pascal Roller.

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          Diese Mallorca-Reise hat sich gelohnt: Die Frankfurt Skyliners haben am Sonntagabend beim achtmaligen Meister Alba Berlin ihr erstes Viertelfinalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft gewonnen. „Es lag alles am Teamwork“, sagte der überragende Spieler bei diesem 76:71, Derrick Allen. Mit 16 Punkten und vier Rebounds ragte er aus seiner Mannschaft heraus, die sich nach der Hauptrunde zum „Teambuilding“ ein Trainingslager auf Mallorca gegönnt hatte und dessen Erfolg mit einer massiven und ausdauernden Zonenverteidigung demonstrierte. Das Selbstbewusstsein, mit dem er seine Mannschaftsdienlichkeit in Verteidigung und Angriff am Sonntag krönte, hat er sich noch zu Zeiten des ehemaligen Skyliners-Trainers Murat Didin erworben. „Wir haben hier doch schon mal gewonnen“, sagte er und meinte den 76:70-Sieg Mitte März; eine Überraschung sei der Erfolg des Siebten der Hauptrunde und Finalisten des EuroCup über den Zweiten der Liga keinesfalls.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Beim Korbwurf wurde Allen vor den nur 9.600 Zuschauern in der Berliner Arena nur von seinem amerikanischen Landsmann und Mannschaftskameraden Seth Doliboa übertroffen, der auf 17 Punkte kam; er traf bei vier Distanz- und drei Freiwürfen. Bei den Berlinern kamen Aufbauspieler Rashad Wright und Flügelspieler Julius Jenkins auf je 16 Punkte, Immanuel McElroy erzielte 15 Punkte und holte zehn Rebounds. „Wir sind froh, dass wir hier ein Spiel klauen konnten“, sagte der Frankfurter Aufbauspieler Pascal Roller. „Wir hatten es ja auch die meiste Zeit unter Kontrolle. Die Berliner müssen jetzt reagieren, aber sie werden mit dem Druck umgehen können. Wir haben einen großen Schritt getan.“ Am Donnerstag findet in der Frankfurter Ballsporthalle die zweite Partie der Serie statt. Sie ist beendet, sobald eine Mannschaft drei Mal gesiegt hat.

          Alba rannte sich in der Defensive fest

          „Der Einsatz meiner Spieler hat mir gefallen“, sagte der Initiator der Mallorca-Reise, der kürzlich zurückgekehrte Trainer Gordon Herbert. „Aber wir müssen uns verbessern. Und wir können uns verbessern.“ Vom Start weg zeigten die Frankfurter den Zusammenhalt, den Herbert als entscheidend für die Play-off-Spiele bezeichnet hat. Der 29 Jahre alte Allan war es, der den Sprungball zu Beginn gewann, der mit dem 3:0 den Ton für die Partie setzte und der als Letzter einen Wurf von McElroy blockte, als die Berliner schon dazu übergegangen waren, die Frankfurter durch taktische Fouls zu Freiwürfen zu zwingen. Reihum warfen die Frankfurter, vorzugsweise von außen. Von zwölf Versuchen trafen sie in den ersten zwanzig Minuten fünf, die Quote von 42 Prozent blieb bis zum Schluss, als zehn Dreier (von 24 Versuchen) ihr Ziel gefunden hatten.

          Die Skyliners kamen von einer 7:3-Führung über einen 10:15-Rückstand durch Distanzwürfe von Doliboa und Jimmy McKinney (11 Punkte) schon vor der Halbzeit wieder in Führung (28:23). Zwei Punkte Vorsprung retteten die Skyliners in die Halbzeitpause (30:28) und schienen doch ratlos, als Alba daraus in fünf Minuten ein 33:30 machte. Herbert nahm eine Auszeit, dann ging es weiter wie zuvor: Die Berliner rannten sich entweder in der Frankfurter Defensive fest oder versuchten sich in Einzelaktionen. Schon nach dem dritten Viertel hatten die Skyliners den Berlinern die fünf Punkte voraus, die auch am Schluss den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachten.

          Zwölf davon steuerte Aufbauspieler Aubrey Reese bei, elf Flügelspieler Jimmy McKinney, und acht kamen von Center Greg Jenkins. „Viele haben gedacht, dass die Serie 0:3 ausgeht“, konstatierte Allen nach der Partie. „Aber wir haben hart verteidigt, jeder von uns hat seinen Job großartig erledigt. Jetzt haben wir den Heimvorteil auf unserer Seite.“ Der Berliner Trainer Luka Pavicevic beklagte: „Wir haben dem Gegner erlaubt, uns immer einen Schritt voraus zu sein. Sie haben ihr Pick and Roll gespielt und waren bei den Offensiv-Rebounds überlegen. Sie haben einige Dreier beim zweiten Versuch getroffen.“

          Berliner ohne Feuer

          Die Frankfurter schnappten sich die Abpraller offenbar im rechten Moment. 35 Mal gelang ihnen das in diesem Spiel, dabei zehn Mal im Angriff; die Berliner konnten sich im Nachfassen nur unwesentlich weniger, nämlich 32 Mal durchsetzen (elf Mal offensiv), doch aus den zweiten Gelegenheiten nicht so viel machen wie die Frankfurter.

          Wer meinte, die von den Berlinern ausgelöste Schiedsrichter-Diskussion hätte Spieler oder Publikum zusätzlich belebt, sah sich getäuscht. Die Berliner spielten, wie deren Aufbauspieler Steffen Hamann beklagte, ohne Feuer, und das Publikum schien sich lange die Augen zu reiben, bevor es sein Team in den letzten Minuten frenetisch anfeuerte. Aber da war die Partie schon längst verloren.

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