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Basketball : Rookie gegen Elder Statesman

  • -Aktualisiert am

Noch ein Leichtgewicht: Dennis Schröder hat großes Talent, muss aber in jeder Hinsicht zulegen Bild: AP

Dennis Schröder gegen Dirk Nowitzki: So verkauft man vor dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Deutschen zum NBA-Start in der Nacht zum Mittwoch ein Duell, das keines ist. Das 20 Jahre alte Ausnahmetalent muss sich erst beweisen.

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          In ihrer Zentrale in New York bastelt die NBA jeden Sommer monatelang an einem ziemlich aufwendigen Puzzle. Es besteht aus 30 Teams und dem Plan, die 82 Spiele jeder Mannschaft in einer Saison in einen Zeitrahmen von 170 Tagen zu pressen. Da hilft es, wenn man wenigstens den einen oder anderen Termin schon mal als fix setzen kann. So wie die Begegnung zum Auftakt am Mittwoch zwischen den Dallas Mavericks und den Atlanta Hawks, was der Logik einer werbebewussten Liga entspricht, die in Deutschland um Aufmerksamkeit buhlt.

          Hüben: Dirk Nowitzki, inzwischen 35 Jahre alt und schon so was wie ein Elder Statesman in Sachen Basketball. Drüben: Dennis Schröder, gerade mal 20 und ein Talent, in das nicht nur sein neuer Arbeitgeber große Hoffnungen setzt. Es dürfte die PR-Verantwortlichen der Liga freuen, dass so einige die Begegnung der beiden als „Duell“ verkaufen. Denn auch wenn eine solche Metapher an der Realität des Spiels vorbeigeht, in dem der 2,13 Meter lange Sprungwurfspezialist Nowitzki und der 1,86 Meter große Aufbauspieler Schröder völlig unterschiedliche Aufgaben haben, wirkt sie offensichtlich unwiderstehlich. Sie entspringt einer unerklärlichen Sehnsucht, die gar nicht mal besonders komplizierten Sachverhalte der temporeichen und zirzensischen Mannschaftssportart auf noch simplere Formate zu reduzieren.

          Nowitzki kann sich gut in Dennis Schröder hineinversetzen

          Die Realität ist subtiler, wie Nowitzki 1999 in seiner ersten NBA-Begegnung herausfinden konnte, als ihn der Chefplaner der Liga mit den Mavericks in Seattle gegen den bis dahin unbestritten besten deutschen Basketballprofi Detlef Schrempf und seine SuperSonics antreten ließ. Sein Trainer vermied es geschickt, den Neuling in Situationen einzusetzen, die eine Auseinandersetzung Mann gegen Mann bedeutet hätten. Und trotzdem war das Match eine einzige Ernüchterung. Zwei magere Punkte waren alles, was für den damals 20-jährigen Nowitzki unterm Statistik-Strich herauskam. Und dann noch das: „Im Moment schiebt mich unter dem Korb noch jeder hin und her. Und in puncto Kraft habe ich noch einiges an Nachholbedarf“, sagte der Würzburger damals.

          Vierzehn Jahre später kann er sich denn auch sehr gut in einen Nachwuchsbasketballer wie Dennis Schröder hineinversetzen. Seit der bei einem Probetraining im Frühjahr vor der Draft in Dallas war, sind die beiden miteinander in Kontakt, und der 35-Jährige gibt Tipps. „Ich soll einfach mein Spiel spielen“ war einer der Ratschläge, sagte der Braunschweiger am Montag in einer Telefonkonferenz mit deutschen Journalisten. Der 20-Jährige verriet, dass er zusammen mit dem Fitnesstrainer der Hawks daran arbeitet, Gewicht zuzulegen, ohne dabei an Spritzigkeit zu verlieren. Das funktioniert, wie sich zum Beispiel in der vergangenen Woche zeigte, als die beiden bei einem Vorbereitungsspiel zum ersten Mal aufeinandertrafen – mit Schröder in der Startaufstellung und seiner Bilanz von beachtlichen 21 Punkten. Dessen Selbstvertrauen sei unübersehbar, wobei Nowitzki die gerne benutzte englische Vokabel „Swagger“ für irreführend hält. Dieser Begriff – irgendwo auf der Skala zwischen Angeberei und Arroganz – sei „ein dummes Wort“, sagte Nowitzki. Zumal noch so einiges hinzukäme: „Er ist schnell. Und er hat lange Arme.“

          Schröders Vater: Nimm das Spiel ernst

          Obendrein besitzt er mittlerweile ein ganz erstaunliches Maß an Trainingseifer. Was Schröder den Rest der Welt gerne über die von ihm oft bespielten Social-Media-Kanäle wissen lässt. So neulich in einem kurzen Video von einer Session aus der Trainingshalle der Hawks („fünf Uhr dreißig, ist verdammt früh“). Bei anderen Gelegenheiten propagiert er gerne gebetsmühlenartig den Spruch: Harte Arbeit zahlt sich aus. Zumindest dann, wenn man so begabt ist, wie der NBA-Neuling.

          Der eigentliche Test, ob das Ausnahmetalent bereits über ausreichend Energie und Ehrgeiz für das enorme Pensum einer NBA-Saison verfügt, findet jedoch nicht auf dem Platz statt, sondern im Privatleben. Nachdem Schröder vor dem Draft wochenlang auf Werbetour durch Amerika unterwegs war, hatte er bereits festgestellt, was ihm fehlt: „Meine family“. Die Familie – das sind die Mutter aus dem westafrikanischen Land Gambia und drei Geschwister. Der Vater war vor drei Jahren gestorben, aber hatte Dennis vorher ermahnt, das Spiel ernst zu nehmen – auch, um so als Profi seine Angehörigen wirtschaftlich unterstützen zu können.

          Noch zwei unterschiedliche Gewichtsklassen: Dennis Schröder und Dirk Nowitzki (l.)

          Doch womöglich wird das alles erst mal genau andersherum sein. Sie werden ihn unterstützen müssen, damit er mit dem Leben in der Fremde zurechtkommt. Die Schwester ist mit ihrer Tochter in die Vereinigten Staaten mit umgezogen. Sein bester Freund reiste nach. Zum ersten Spiel kommt auch ein Bruder. Ebenso wichtig ist der Kontakt zu seinem Entdecker Liviu Calin in Braunschweig. Der Rumäne wirkt wie die personifizierte Bodenhaftung. Jemand, der weiß, dass trotz so mancher Hoffnungen Schröders Rolle zunächst nur begrenzt sein wird. Als Einwechselspieler kann er mit einer Einsatzzeit von fünfzehn Minuten (von insgesamt 48) pro Partie rechnen.

          Calin glaubt, dass der Rookie mit solchen Umständen wie der endlosen Reiserei kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gut zurechtkommt. Weshalb er sich als Entdecker und Förderer auch gar nicht im Stil eines Holger Geschwindner in die weitere Entwicklung einbringen will. Es gebe „nicht diese Symbiose“ zwischen ihm und Schröder, verriet er der „Braunschweiger Zeitung“ vor ein paar Tagen, als es um den Vergleich zu der langjährigen, erfolgreichen Partnerschaft von Nowitzki mit seinem Mentor und Manager Geschwindner ging. Aber das sei auch kein Problem. Sein Zögling sei in nur kurzer Zeit „sehr selbstständig“ geworden: Er „hat sich in den vergangenen Monaten als Persönlichkeit spektakulär entwickelt.“

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