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Basketball-Kapitän Benzing : „Wir haben extrem viel Potential“

Führungsspieler: Robin Benzing (r.) will als Kapitän des deutschen Nationalteams vorangehen Bild: AFP

Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft kämpft bei der EM ums Weiterkommen. Kapitän Robin Benzig spricht vor dem Spiel gegen Italien über seine Rolle und die Chancen seines Teams.

          Am vergangenen Freitag ist Ihre Tochter geboren worden. Dennoch sind Sie in Tel Aviv bei der Europameisterschaft geblieben – andere Nationalspieler haben wegen ihrer NBA-Karriere abgesagt. Wie bewerten Sie das?

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Der Stellenwert der Karriere ist natürlich wichtig für jeden, auch für mich. Ich finde es aber auch wichtig, sein Land zu vertreten und als Kapitän und erfahrenerer Spieler den Jüngeren auch ein Stück weit voranzugehen, um ihnen die Bedeutung der Nationalmannschaft zu zeigen. Die Europameisterschaft ist wichtig und muss von den Spielern auch gespielt werden. Das heißt nicht, dass ich etwas gegen die Leute habe, die nun abgesagt haben. Die haben ihre guten Gründe, und auch ich hätte einen riesigen gehabt. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Es ist natürlich schade, dass ich meine Tochter jetzt nicht sehe, aber wir haben die Entscheidung gemeinsam getroffen und müssen sie jetzt auch durchziehen.

          Welche Rolle spielt die Nationalmannschaft für die Karriere eines Spielers?

          Eine wichtige natürlich. Es ist immer wieder schön zu lesen, wie viele Länderspiele du schon absolviert hast. Bei den Spielen kann man sich immer weiter verbessern und sich mit den besten Spielern Europas oder der Welt messen.

          Am Sonntag haben Sie trotz eines 16-Punkte-Vorsprungs gegen Israel verloren. Hat die Mannschaft die erste Niederlage im dritten Vorrundenspiel schon verdaut vor dem wichtigen Spiel gegen Italien an diesem Dienstag (17.30 Uhr, live bei Telekom)?

          Ein bisschen haben wir zu knabbern. Es war eine ärgerliche Niederlage. Dabei hatten wir das Tempo bestimmt und das Spiel eigentlich im Griff gehabt. Dann gab es einige strittige Entscheidungen gegen uns, die Israelis hatten die Fans im Rücken, und uns fehlte das Quentchen Glück.

          Wie kann man als Kapitän in so einer Phase dagegenhalten?

          Als Kapitän hätte ich sicher noch einen besseren Job machen müssen, den Jungs als erfahrener Spieler mehr sagen sollen, ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu geraten. Wir waren eigentlich genau im Soll und hätten einfach da bleiben sollen, wo wir waren.

          Fehlt es der jungen Mannschaft etwas an Erfahrung?

          Darauf kann man es natürlich immer schieben. Aber auch die Jungen sind schon gestandene Spieler, die schon viel erlebt haben.

          Wie sehen Sie Ihre Rolle als Kapitän neben Dennis Schröder, dem Star und Aufbauspieler?

          Wir übernehmen beide die Rolle des Leaders: Dennis natürlich als Scorer und Ballverteiler, aber die Ansprache an die Mannschaft teilen wir uns, sowohl auf als auch abseits des Feldes. Eine klare Aufteilung der Zuständigkeiten haben wir nicht, jeder agiert, wie er sich gerade fühlt. Wir ergänzen uns.

          Sie sind seit acht Jahren Nationalspieler. Wie hat sich das Team in der Zeit entwickelt, und wo kann es noch hingehen?

          Wir haben extrem viel Potential in der Mannschaft. Und wenn die Spieler, die jetzt abgesagt haben, also Maximilian Kleber (Dallas Mavericks) oder Paul Zipser (Chicago Bulls), auch mal einen Sommer zusammen sein können, dann haben wir noch mal mehr Potential. Wir brauchen mehr Kontinuität und mehr gemeinsame Zeit zusammen mit denselben Leuten. Das ist aber immer schwerer wegen der vielen kleinen Zeitfenster, die uns die Basketballverbände dafür lassen.

          Kommt die Nationalmannschaft zu selten zusammen?

          Ja, natürlich, jeweils nur der Sommer reicht nicht. Aber andere Nationen haben diese Probleme auch und schaffen es irgendwie, jeden Sommer schlagkräftige Mannschaften zusammen zu kriegen. Wir brauchen diese Kontinuität auch.

          Hätte Bundestrainer Chris Fleming seine Position dabei nicht als Vollzeitjob ausüben und nicht als Teilzeitposition neben einem Assistenztrainerposten in Amerika ausüben sollen?

          Es ist wichtig, dass der Trainer die ganze Saison über Spieler beobachtet und besuchen kann, mit ihnen spricht. Das ist natürlich schwierig durchzuhalten, wenn man das Jahr über eigentlich mit anderen Mannschaften im Verein beschäftigt ist.

          Ihr Vertrag bei Saragossa in Spanien ist ausgelaufen, haben Sie schon einen neuen?

          Es gibt noch nichts, ich kann auch über Gespräche nichts sagen.

          Inwiefern haben Sie Ihre zwei Jahre in Spanien weitergebracht?

          Die zweite Saison und die zweite Hälfte der ersten waren gut, der Tapetenwechsel in Spanien hat mir gutgetan, mal rauszugehen aus Deutschland. Bei Bayern München hatte ich mein Spiel etwas verloren, in Spanien habe ich es wiedergefunden. Die spanische Liga kommt mir als großem Flügelspieler mehr entgegen, auch weil dort strukturierter und positionsbezogener gespielt wird als in Deutschland.

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