https://www.faz.net/-gtl-6uufe

Basketball : Punkten und passen

  • -Aktualisiert am

Der Amerikaner DaShaun Wood (rechts) von Alba Berlin ist einer der korbgefährlichsten Aufbauspieler der Bundesliga. Bild: dapd

Der Trend im Basketball geht zum korbgefährlichen Aufbauspieler - und an den Deutschen vorbei. In der Bundesliga übernehmen fast nur Amerikaner die wichtige Position.

          3 Min.

          Gordon Herbert hat die Aufzeichnung des Basketball-Bundesligaspiels der Baskets Oldenburg gegen den FC Bayern München genau studiert. Am Sonntag spielen die Niedersachsen bei Alba Berlin, und Cheftrainer Herbert wird sich Gedanken machen müssen, wie sein Team Bobby Brown stoppen soll. Der amerikanische Spielgestalter in Diensten der Baskets erzielte am Wochenende 28 Punkte und war damit der Hauptgrund, warum die Oldenburger dem FC Bayern nach vier Siegen am 6. Spieltag wieder eine Niederlage zufügten. Am 2. Spieltag hatte Brown gegen den BBC Bayreuth bereits die 30-Punkte-Marke geknackt. Durchschnittlich erzielte der 1,88 Meter große Aufbauspieler (Point-Guard) 21,3 Punkte pro Spiel. Damit ist er zurzeit der erfolgreichste Korbjäger in der Basketball-Bundesliga. Gegen Alba Berlin, wo er in der Saison 2007/08 spielte, wird der Amerikaner zusätzlich motiviert sein.

          Brown ist nur ein Beispiel für einen Trend, der sich in Deutschland abzeichnet: Viele Vereine setzen auf amerikanische Aufbauspieler, die korbgefährlich sind und im Idealfall die Liga bereits kennen. DaShaun Wood, vergangene Saison wertvollster Spieler der BBL, wechselte von Frankfurt nach Berlin. Jared Jordan kehrte nach einjähriger Stippvisite in Griechenland zu den Telekom Baskets Bonn zurück. Jerry Green geht in Ludwigsburg in seine insgesamt fünfte Saison, für Louis Campbell ist Tübingen bereits die vierte Station in Deutschland.

          Spielmacher-Rarität: Steffen Hamann (rotes Trikot) vom FC Bayern München ist neben Per Günther von Ratiopharm Ulm der einzige deutsche Aufbauspieler, der für sein Bundesliga-Team in der Startformation steht.

          Neu in der Liga, aber ungemein korbgefährlich sind der Frankfurter Wood-Ersatz Justin Gray (17,3 Punkte pro Spiel) und Quakenbrücks neuer Dirigent, der nur 1,70 Meter große David Holston (19,5). "Wir haben bei der Auswahl unseres neuen Spielmachers weniger auf dessen Qualitäten als Vollstrecker, sondern vielmehr als Vorlagengeber geachtet", sagt Hermann Schüller, Geschäftsführer der Oldenburger, trotz der Scoring-Mentalität Browns. 4,7 Pässe, die anschließend zum Korb führen (Assists), gelingen ihm pro Spiel, nur fünf andere Profis sind in dieser Kategorie besser. "Die Aufbauposition ist der Schlüssel zu einer funktionierenden Mannschaft. Ein Spielmacher muss sich deutlich in den Dienst der Mannschaft stellen. Andererseits sind gerade amerikanische Point-Guards starke Individualisten und nicht immer einfache Charaktere", sagt Schüller. Er weiß um den schmalen Grat, auf dem Vereine bei der Suche nach einem passenden "Kopf" wandeln.

          Nur zwei deutsche Spielmacher in der Bundesliga

          In Bonn hatten sie diesen schon in der Saison 2009/10 gefunden. Damals führte Jared Jordan die Baskets zu den meisten Hauptrunden-Siegen der Klubgeschichte. Nun holte Cheftrainer Michael Koch ihn wieder an den Rhein. Jordan ist verantwortlich für den guten Saisonstart mit fünf Siegen und einer Niederlage. Mit 8,3 Assists führt er die Liga in dieser Kategorie mit Abstand an. "Ich habe noch nie mit jemandem zusammengespielt, der eine solch gute Übersicht über das gesamte Spielfeld hat", sagt der 37 Jahre alte Bonner Center Chris Ensminger. "Jared ist unter den amerikanischen Aufbauspielern in der Liga die große Ausnahme. Er schaut zuerst auf den Pass und erst danach auf den eigenen Abschluss", ergänzt Oldenburgs Geschäftsführer Schüller.

          Bobby Brown, hier noch im gelben Trikot von Alba Berlin, spielt inzwischen bei den Baskets Oldenburg - und erzielt dort im Durchschnitt 21,3 Punkte pro Spiel.

          Für den Bonner Trainer Koch ist es eine Frage der Spielphilosophie, welcher Spielmacher-Typ bevorzugt wird. "Korbgefährliche Point Guards sind ohne Zweifel ein Trend in der Liga, aber ich bevorzuge einen Aufbauspieler, für den der Pass die erste Option ist und der jeden Mitspieler involviert. Ein Spielmacher muss sich zurücknehmen und jeden auf dem Feld glücklich machen können." Koch weiß, wovon er spricht: In der vergangenen Saison hatte er mit Nic Wise einen Spielmacher, der lieber den eigenen Abschluss suchte, als den Nebenmann zu bedienen. Die Folge: Große Unzufriedenheit im Team, Bonn verpasste erst zum zweiten Mal die Play-off-Runde.

          Mit Steffen Hamann (Bayern München) und Per Günther (ratiopharm Ulm) gibt es in der Bundesliga lediglich zwei Deutsche, die auf der wichtigsten Position im Basketball für ihr Team in der Startformation stehen. Ein dritter Nationalspieler, Heiko Schaffartzik, kommt in Berlin nur von der Bank. "Die Problematik im Spielaufbau gibt es in Deutschland schon lange. Wir müssen uns eingestehen, dass es uns nie gelungen ist, einen Spielmacher von internationalem Format zu entwickeln", sagt Dirk Bauermann, Cheftrainer von Bayern München.

          Andere Länder fördern gezielt großgewachsene Aufbauspieler

          Dennoch sei für ihn nach dem Aufstieg der Bayern die Verpflichtung eines amerikanischen Aufbauspielers nie ein Thema gewesen. "Ich wollte keinen Spielmacher, der den Ball zu sehr dominiert und offensiv immer Vollgas gibt. Das mag bei anderen Klubs Sinn machen, bei uns nicht." Im Münchener Star-Ensemble, in dem fünf aktuelle A-Nationalspieler stehen, verteilt Hamann pro Spiel 5,2 Assists und ist damit sechstbester Passgeber der Liga; mit sieben Punkten pro Partie rangiert er in Bayerns interner Korbjägerliste dafür nur auf Rang sieben.

          Die Europameisterschaft in Litauen hat wieder gezeigt, dass deutsche Aufbauspieler im internationalen Vergleich nur zweitklassig sind. "Viele andere Nationen wie Griechenland oder Spanien haben eine regelrechte Kultur daraus gemacht, hochkarätige und vor allem großgewachsene Aufbauspieler zu formen. Uns gehen, gerade in jungen Jahren, zu viele Talente verloren. Wer in Deutschland 15 Jahre und 1,95 Meter groß ist, wird halt unter den Korb gestellt", sagt Bauermann. "So gewinnt man vielleicht die nordbayerische Jugendmeisterschaft, aber keinen potentiellen Spielmacher.“

          Weitere Themen

          Görges verliert Finale in Luxemburg

          Tennis : Görges verliert Finale in Luxemburg

          Julia Görges verpasst trotz aufsteigender Form die Wiederholung ihres Titelgewinns beim Damentennis-Turnier in Luxemburg. Im Endspiel unterliegt sie einer früheren French-Open-Siegerin.

          Topmeldungen

          Bernie Sanders ist zurück – und fühlt sich bereit für das Präsidentenamt.

          Bernie Sanders in New York : „Ich bin wieder da!“

          Bei seiner ersten Wahlkampfveranstaltung nach seinem Herzinfarkt bricht Bernie Sanders Besucherrekorde. In New York ist auch seine bislang wichtigste Unterstützerin dabei.
          Legte den Grundstein für den Kölner Erfolg: Angreifer Simon Terodde

          3:0 gegen Mitaufsteiger : Köln begeistert im Kellerduell

          Mit dem Heimerfolg gegen den SC Paderborn gelingt den Rheinländern der Schritt aus der direkten Abstiegszone, der unterlegene Gegner indes fällt am Tabellenende weiter zurück. Der Führungstreffer sorgt derweil für Diskussionen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.