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Basketball-Profi Tibor Pleiß : „Ich freue mich über jeden, der sich an mich erinnert“

Kampf für Istanbul: Tibor Pleiß (links) spielt seine neunte Euroleague-Saison. Bild: Imago

Tibor Pleiß ist etwas aus dem Fokus geraten – obwohl er beim derzeit besten Team der Basketball-Euroleague spielt. Nun kommt der Profi nach München und Berlin und spricht auch über eine mögliche Rückkehr ins Nationalteam.

          3 Min.

          Ist das eine Frage: Saisonziel Köln?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Keine Frage! Wir steuern mit Anadolu auf alle Fälle das Final Four an. Für mich persönlich würde ein großer Traum wahr werden, in meiner Heimat um den Sieg in der Euroleague zu spielen. Das wäre ein Höhepunkt meiner Karriere.

          Sie sind Kölner, Sie haben in Köln das Basketballspielen gelernt und 2006 in Köln Ihr Debüt als Profi gegeben. Nun sind Sie im zweiten Jahr Center von Anadolu Efes Istanbul, der Nummer eins der Euroleague. Dennoch wird die Mehrzahl der Zuschauer, wenn Sie an diesem Freitag (20.30 Uhr) bei Bayern München spielen und in der kommenden Woche bei Alba Berlin, überrascht sein, Sie zu sehen. Erleben Sie das auch so?

          Manchmal ist das traurig. Obwohl ich eine Zeit lang nicht in der Nationalmannschaft gespielt habe, vertrete ich doch mein Land in der Liga und mache dabei einen guten Job. Ich spiele meine achte Saison im Ausland und spüre, dass ich ein bisschen aus dem Fokus des Publikums geraten bin. Ich freue mich über jeden Fan, der sich noch an mich erinnert.

          Geht diese Distanz mit einem Mangel an Wertschätzung einher?

          Ich halte mich nicht oft in Deutschland auf. Nun werde ich mich zwei Mal kurz zeigen, dann bin ich wieder weg. Früher, als nur ein Klub Euroleague spielte, war ich nur ein Mal pro Saison dort. Für die Nationalmannschaft gilt ein bisschen: aus den Augen, aus dem Sinn. Aber es ist ja nicht so, dass ich mich mit meiner Leistung nicht anbieten würde.

          Klarer Größenvorteil: Tibor Pleiß (rechts) gegen Gabriel Deck

          Bundestrainer Chris Fleming hat Sie 2016 aus der Nationalmannschaft geworfen. Holt Henrik Rödl Sie zurück?

          Diese Frage kann ich nicht beantworten. Das kann nur Henrik Rödl. Wir hatten gute Gespräche hier in Istanbul. Die Vorwürfe von damals sind – das passt zur fünften Jahreszeit in Köln – alte Kamelle. In meinem Kopf und in den Köpfen der Beteiligten spielen sie keine Rolle mehr.

          Sie haben damals die Nationalmannschaft verlassen, weil Ihnen ein lukrativer Vertrag winkte, war das nicht so?

          Ich bekam damals die Chance, bei zwei NBA-Teams vorzuspielen. Ich wollte meinen Traum von Amerika realisieren. Auf dem Weg zum Flughafen hat er sich in Luft aufgelöst.

          Sie hatten schon für Utah Jazz gespielt und für deren Farm-Team in Idaho.

          Als ich im Auto zum Flughafen saß, rief Coach Ergin Ataman an und sagte, wir könnten zusammen Großartiges leisten. Wenn ein Trainer persönlich anruft und sagt, dass er dich haben will, ist das die beste Situation, in die du kommen kannst. Ich habe die Try Outs in den Vereinigten Staaten sausen lassen, denn ich liebe diesen Sport und sah die Chance, viel Spielzeit zu bekommen. Das bereue ich nicht.

          Ataman hat Sie damals zu Galatasaray geholt, jetzt ist er bei Anadolu Ihr Trainer. Ist Ihre Situation sportlich und wirtschaftlich mit einem Engagement in der NBA vergleichbar?

          Die Euroleague ist die beste Liga Europas. Wie attraktiv sie geworden ist und welchen Anspruch sie an ihre Spieler stellt, zeigt sich auch daran, dass so viele Spieler aus der NBA zurückgekommen sind nach Europa. Ich spiele meine neunte Saison in der Euroleague, und ich habe nicht den Eindruck, dass jemand sagen kann, ich spielte dort nur, weil ich es in der NBA nicht geschafft hätte. Ich bin stolz auf meine Karriere.

          Waren Sie erleichtert, dass Sie nicht zur Nationalmannschaft gehörten, die bei der Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres gescheitert ist? Oder wäre es mit Ihnen anders gelaufen?

          Das weiß man nicht. Froh bin ich jedenfalls nicht. Ich habe mir im Trainingslager meines Klubs in Italien ein paar Schlussviertel der Spiele Deutschlands angeschaut. Ob es mit mir besser gelaufen wäre, ist Spekulation.

          Sind Sie bereit, in Split mit um die Olympia-Qualifikation zu spielen?

          Ich war immer stolz, den Adler auf der Brust zu tragen, und ich habe mich auf jedes meiner hundert Länderspiele gefreut. Ich wäre froh, wenn ich gesund bin und es zeitlich passt, mit dem Bundestrainer darüber zu sprechen.

          Was erwarten Sie von Bayern München, wo Sie an diesem Freitag spielen?

          Sie befinden sich gerade am uns entgegengesetzten Ende der Tabelle. Aber man darf sie nicht unterschätzen. Das ist eine gefährliche Mannschaft. Unsere Spieler Shane Larkin und Vasilije Micic haben Verletzungsprobleme. Larkin hat beim 104:75 im Hinspiel 49 Punkte gemacht, die werden uns fehlen. Und ob Micic zurück sein wird, ist ungewiss. Auf dem Level der Euroleague mit ihren erstklassigen Teams kann das Fehlen eines solchen Spielers den Unterschied machen.

          Was halten Sie von Berlin?

          Auch sie sind sehr gefährlich. Ich habe ihren Pokalsieg gegen Oldenburg gesehen. Sie haben einen großartigen Zusammenhalt gezeigt. Ich kann mir vorstellen, dass sie aus diesem Sieg viel Selbstbewusstsein mitnehmen.

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