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Basketball : Pavicevic fehlte das Herz für Talente

Bezwungen: Luka Pavicevic ist nicht mehr Trainer bei Alba Berlin Bild: dapd

Jeder Trainer, den Alba Berlin nach der Entlassung von Luca Pavicevic verpflichtet, wird auch gegen den Schatten von Svetislav Pesic spielen, der vier Meistertitel mit „seinem Verein“ gewann und immer noch in der Hauptstadt wohnt.

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          Haltung hat er bewahrt, das muss man ihm lassen. Als Luka Pavicevic am Freitagabend erfahren hatte, dass er die Mannschaft von Alba Berlin nicht mehr in der Basketball-Bundesliga und in den Top 16 des EuroCup betreuen wird, ging der 42-Jährige gemeinsam mit Manager Marco Baldi zum Training des Teams und verabschiedete sich von den Spielern. Für ihn sei das persönlich und beruflich ein sehr harter Moment, sagte er. Es werde eine große Herausforderung sein, ihn zu überwinden. Pavicevic hatte die Mannschaft im Sommer 2007 von Henrik Rödl übernommen und in der folgenden Saison die Meisterschaft gewonnen; es war die achte und vorerst letzte für den Verein, der den Anspruch pflegt, nicht nur die meisten Zuschauer der Liga zu haben – im Schnitt mehr als 10.000 – sondern auch am erfolgreichsten Basketball zu spielen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Als Trainer von Alba Berlin gewann Pavicevic in der Saison 2008/09 lediglich den Pokal; in der Meisterschaft schied sein Team im Halbfinale aus. In der vergangenen Saison scheiterte Alba schon im Viertelfinale, hatte allerdings im EuroCup das Endspiel erreicht. Nach dem Einbruch in der Play-off-Runde trennte sich Alba von nahezu allen Spielern und ließ Pavicevic ein neues Team zusammenstellen. Diese Mannschaft allerdings hat in 19 Bundesligapartien bereits sechs Mal verloren, im Dezember sogar 52:103 beim deutschen Meister und Erzrivalen Bamberg. Team-Manager Mithat Demirel sprach von einer Schande. Baldi bezeichnete die Lage in der Liga als prekär.

          Gegen den Schatten von Svetislav Pesic

          Pavicevic brachte das Berliner Publikum nicht selten mit seiner starren Haltung gegen sich auf, vor allem, wenn er die talentierten Nachwuchsspieler nicht einsetzte. Jahrelang mühte sich Philip Zwiener um den Durchbruch in Berlin; nun ist der Nationalspieler der Star von TBB Trier. Auch mit dem in der vergangenen Spielzeit gekommenen Nationalspieler Lucca Staiger und dem vor drei Wochen verpflichteten Aufbauspieler der Nationalmannschaft, Heiko Schaffartzik, konnte Pavicevic augenscheinlich wenig anfangen. Zuschauer riefen oft vergeblich nach deren Einsatz.

          Jeder Trainer, den Alba nun verpflichtet, wird auch gegen den Schatten von Svetislav Pesic spielen. Der 61 Jahre alte Trainer, der mit der deutschen Nationalmannschaft 1993 Europameister wurde, hat sich in sieben Jahren beim Basketballpublikum von Berlin nicht nur durch seine vier Meistertitel und den Gewinn des Korac-Pokals beliebt gemacht. Der gebürtige Serbe lebt bis heute in der Hauptstadt. Bis zum Ende dieser Spielzeit ist er in Valencia engagiert.

          Anfang des Jahres sagte er: „Alba ist der einzige Verein, über den ich sagen kann: Das ist mein Verein. Egal, wer da Trainer war oder Trainer sein wird: Sie werden von mir immer Unterstützung bekommen, wenn sie es denn wollen.“ Pesic machte in dem Interview deutlich, dass er mit der nahezu gesamten Vereinsspitze von Alba in engem Kontakt stehe, nicht allerdings mit seinem früheren Spieler Pavicevic. „Alba als Basketballklub hat alles, um optimistisch in die Zukunft zu sehen“, sagte er. „Aber der Klub Alba verdient eine Mannschaft, die besser spielt. Definitiv.“

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