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EWE Baskets Oldenburg : Ein Basketballverein unter dem Radar

  • -Aktualisiert am

Rickey Paulding ist das Aushängeschild der Oldenburger Basketballer. Bild: Picture-Alliance

In der Bundesliga auf Platz vier, im Pokal das Finale und im Eurocup die Zwischenrunde erreicht – Oldenburg ist neben Alba die einzige deutsche Mannschaft auf drei Hochzeiten. Aber große Anerkennung gibt es dafür nicht.

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          In der Bundesliga auf Platz vier, im Pokal das Finale und im Eurocup die Zwischenrunde erreicht – die EWE Baskets Oldenburg sind neben Alba Berlin die einzige deutsche Mannschaft, die noch auf drei Hochzeiten tanzt. Aber große Anerkennung wird ihnen dafür nicht zuteil. Die Oldenburger fliegen beinahe schon traditionell unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. So war es schon in den vergangenen Jahren, obwohl das Team von der Hunte in neun von zehn Spielzeiten die Play-offs erreichte. Es mussten schon Titel gewonnen werden wie die Meisterschaft 2009 und der Pokal 2015, um vorübergehend ins Rampenlicht treten zu dürfen. Das große mediale Interesse gilt den Branchenriesen Bayern München und Alba Berlin, die im nationalen und vor allem im internationalen Geschäft mit ihrer Teilnahme an der Euroleague die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

          Oldenburg spielt immerhin im Eurocup, dem zweithöchsten kontinentalen Wettbewerb, und erreichte nach guten Leistungen die Zwischenrunde. Dort besiegte man gleich zum Auftakt Venedig und wurde wieder mit dem alten Dilemma konfrontiert: „Wir haben den italienischen Meister geschlagen, aber keiner nimmt Notiz davon“, sagte Headcoach Mladen Drijencic drei Tage nach der Begegnung. An diesem Mittwoch hätten die Oldenburger mit einem Auswärtssieg in Brescia einen großen Schritt in Richtung Viertelfinale machen können, unterlagen aber 67:70.

          National steht die Mannschaft im Pokalfinale, obwohl sie in jeder Runde auswärts antreten musste. Auch für das Endspiel am 16. Februar blieb den Norddeutschen das Lospech treu, sie müssen beim Favoriten in Berlin antreten. In der Liga gilt das Drijencic-Team als Halbfinalkandidat. Es läuft also in allen Wettbewerben. Der Hauptgrund könnte in der Zusammenstellung des Kaders liegen, bei der sich die Verantwortlichen an der erfolgversprechenden Formel orientiert haben, zwei Superstars mit guten Nebendarstellern zu kombinieren.

          Rickey Paulding ist das Aushängeschild des Vereins. Der 37-Jährige spielt seit 2007 in Oldenburg und ist der wahrscheinlich beliebteste Spieler der Liga. Der Mannschaftskapitän, der über einen Jungbrunnen verfügen muss, glänzt mit einer ansteckenden Spielfreude und ist mit 15,2 Punkten im Schnitt der Oldenburger Bundesliga-Topscorer. Sein kongenialer Partner ist Center Rasid Mahalbasic, der in der Vorsaison eine Metamorphose durchlebte, indem er an Gewicht verlor und seine herausragenden Fähigkeiten als Passgeber noch stärker in den Vordergrund rückte. Im 1:1 ist er kaum zu verteidigen, wenn man Hilfe schickt, findet er regelmäßig die freien Mitspieler. Vor allem Paulding profitiert vom guten Auge des 2,10 Meter großen Österreichers, der zu den heißesten Kandidaten auf die Auszeichnung des wertvollsten Spielers der Liga zählt.

          Dazu verfügen die Oldenburger über zwei sehr starke Point Guards, die dem Spiel ihre unterschiedlichen Stempel aufdrücken können. Braydon Hobbs, der sich in München unter Dejan Radonjic aufgrund seiner defensiven Schwächen nie etablieren konnte, steht trotz seines blitzsauberen Distanzwurfes für den klassischen Spielmacher, der primär seine Mannschaftskameraden in Szene setzt. Der nachverpflichtete Ex- Frankfurter Tyler Larson verkörpert den selbst punktenden Typus. Drijencic setzte in der Vergangenheit eher auf kurze Rotationen mit acht Spielern, kann aber in dieser Spielzeit bedenkenlos zehn Akteure auf das Parkett schicken, was sich vor allem in der Verteidigung positiv bemerkbar macht. Während in der Vorsaison auf den deutschen Positionen nur die Routiniers Karsten Tadda und Philipp Schwethelm Akzente setzen konnten, stehen jetzt mit dem von Bayern München ausgeliehenen Robin Amaize und dem Rookie Kevin McClain zwei zusätzliche Spieler zur Verfügung.

          An diesem Sonntag spielen Paulding, Mahalbasic und Co. in Bayreuth (14.45 Uhr bei Magenta Sport). Es ist das letzte von fünf Auswärtsspielen innerhalb von zwei Wochen. Auch wenn die Aufmerksamkeit nicht mit der in der Euroleague vergleichbar ist, so ist es in der aktuellen Saisonphase zumindest die Belastung. In den Play-offs dürfte Oldenburg wieder der härteste Konkurrent für die Platzhirsche München und Berlin sein. Um die Meisterschaft zu erringen, müsste man aber in der Lage sein, eine Serie gegen die Favoriten zu gewinnen. Das ist eher unwahrscheinlich. Die Überraschung könnte eher im Pokal gelingen – und dann kämen auch die Medien nicht mehr an Oldenburg vorbei.

          Der Autor war zweimal Trainer des Jahres.

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