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Basketball : Nur das Maskottchen bleibt Alba treu

  • -Aktualisiert am

Bye, bye, Berlin: Auch Heiko Schaffartzik dribbelt künftig in München Bild: dpa

Alba Berlin verliert seine Stars an den FC Bayern. Der Berliner Basketballklub setzt dafür auf Vernunft und Talente - und immerhin verlängert der Kapitän. Den Humor haben sie dennoch nicht verloren - und in der Zukunft soll ein solcher Aderlass nicht mehr vorkommen.

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          Als in der vorigen Woche nach Yassin Idbihi und Nihad Djedovic auch Nationalspieler Heiko Schaffartzik und Topscorer Deon Thompson von Alba Berlin zu den Basketballprofis von Bayern München wechselten, blieb dem Berliner Sportdirektor Mithat Demirel nur noch Galgenhumor: „Zur Sicherheit haben wir unser Maskottchen, den Albatros, schon angekettet.“

          Viel mehr war aus dem Alba-Team aber auch nicht mehr zu retten. Trainer Sasa Obradovic wird zum Trainingsbeginn eine komplett neue Mannschaft in Berlin begrüßen. Manager Marco Baldi räumt dabei ein, dass der ehemalige deutsche Basketball-Serienmeister diesen in der Vereinsgeschichte beispiellosen Neustart trotz eines enttäuschenden Endes der Vorsaison nicht ganz freiwillig angeht. Immerhin hat Kapitän Sven Schultze seinen Vertrag nun um
          ein weiteres Jahr verlängert. Der 127-fache Nationalspieler entschied
          sich damit anders als die anderen Stammspieler der Berliner. „Sven ist ein Vorzeigeprofi wie ihn sich jeder Trainer nur wünschen kann. Er gibt immer 100 Prozent für seinen Club und bringt viel positive Energie in die Mannschaft - sowohl auf als auch abseits desSpielfelds“, sagte ALBA-Cheftrainer Sasa Obradovic über den
          35-Jährigen.


          Schon früh in der Saison 2012/13 hatten die Berliner mit Vule Avdalovic und Nathan Peavy die beiden Anführer des Teams mit Kreuzbandrissen verloren. Beide sind heute noch nicht wieder einsatzfähig. Nachdem die derart dezimierte Mannschaft sich davon nicht aus der Bahn hatte werfen lassen, in der Euroleague mit dem 13. Platz sogar das beste Resultat einer deutschen Mannschaft in der Geschichte der „Champions League des Basketballs“ erzielte und deutscher Pokalsieger wurde, nahm die Berliner Vereinsführung schon im Frühjahr Gespräche mit den wichtigsten Kräften auf, die man halten wollte.

          Aber sowohl Idbihi als auch Thompson und Zach Morley mochten sich damals nicht festlegen und hofften - zu Recht, wie man nun weiß - auf besser dotierte Angebote. Im Wettbieten mitzugehen kam für Baldi wegen eines bei acht Millionen Euro stagnierenden Budgets nicht in Frage: „Unsere Vorgabe ist es, eine schwarze Null zu schreiben und nicht mehr Geld auszugeben, als wir einnehmen.“

          Keine A-Lizenz für die Euroleague

          Neben den gescheiterten Vertragsverlängerungen trübten auf der Saisonzielgeraden aber auch nachlassende sportliche Leistungen die Stimmung. Die monatelange Doppelbelastung aus Euroleague und Bundesliga forderte gegen Saisonende unübersehbar ihren Tribut. Und dass der Trainer ehrgeizig die letzten Reserven mobilisieren wollte, machte die Atmosphäre im Team eher schlechter als besser. Am Ende ergab sich das von weiteren Verletzungen gebeutelte Team in den Play-offs beinahe lustlos dem Gegner aus München, der jetzt kurioserweise das halbe Alba-Team aufgekauft hat.

          Die letzten Hoffnungen auf einen versöhnlichen Saisonabschluss zerstörte die Euroleague, die den Berlinern die erhoffte A-Lizenz verweigerte. Eigentlich galt Alba als aussichtsreichster Kandidat auf diesen dem polnischen Vertreter Gdynia entzogenen langfristigen Startplatz. Doch die Euroleague-Führung entschied sich dafür, Budiwelnyk Kiew eine Wild Card zu geben, weil das ein paar hunderttausend Euro mehr in die von der Finanzkrise geplünderte Ligakasse spülte, als es die Vergabe einer A-Lizenz an die Berliner getan hätte. Sich selbst um eine solche Wild Card zu bemühen, hatten die Berliner im Glauben, bei der A-Lizenz in der Pole Position zu stehen, unterlassen.

          „Sie haben sehr gut gescoutet“

          Marco Baldi will das im Nachhinein nicht als Fehler sehen: „Mit einem Euroleague-Startplatz würde unser Team jetzt sicher anders aussehen, und der eine oder andere Spieler wäre doch noch bei uns geblieben. Mittlerweile bin ich aber - ganz ehrlich - froh, dass das nicht so ist.“ Zu oft habe man sich in den vergangenen Jahren für kurzfristige Ziele nach dem Unmöglichen gestreckt und darüber die Kontinuität aus den Augen verloren: „Deshalb gehen wir jetzt mit einer jungen Mannschaft einen neuen Weg, auf dem wir uns mit unserem ordentlichen Budget in der Bundesliga und auch im Eurocup sicher nicht hinten anstellen müssen.“

          Experten bescheinigen den Berlinern, ein sehr talentiertes Team um junge Spieler wie den gerade für das Nationalteam nachnominierten Jonas Wohlfarth-Bottermann oder den 21-jährigen Deutschisraeli Bar Timor zusammengestellt zu haben: „Sie haben sehr gut gescoutet“, lobt auch Bayern-Manager Marko Pesic die Berliner. Angst, dass die reichen Münchener im kommenden Sommer wieder die halbe Alba-Mannschaft aufkaufen, müssen die Berliner Fans angesichts des neuen langfristigen Konzepts indes nicht haben: „Von den elf Spielern, die wir jetzt schon unter Vertrag haben, stehen neun mindestens bis 2015 unter Vertrag - ohne Ausstiegsklausel“, sagt. Baldi. Da kann Mithat Demirel den Albatros doch eigentlich schon wieder losketten.

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