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Basketball-Bundestrainer Fleming : „Nowitzki ist immer herzlich willkommen“

  • -Aktualisiert am

Lautstark und gestenreich: Basketball-Coach der DBB-Männer, Chris Fleming, während der EM-Qualifikation gegen die Niederlande. Bild: dpa

Chris Fleming arbeitet als Basketball-Bundestrainer – und gleichzeitig bei einem NBA-Klub. Im Interview spricht er über das Leben als Niedersachse in New York , die Ziele bei der EM und Anrufe bei einem Superstar.

          Wie lebt es sich als Niedersachse in New York?

          Das ist natürlich ein anderes Leben. Aber ich habe mich schon gut eingelebt, warte noch auf meine Familie. Wir haben Anfang Oktober unsere Tochter Heidi bekommen. Am 20. November ist es so weit, und sie darf fliegen. Dann kommt meine Frau mit den drei Kindern. Es ist eine gute, familienfreundliche Ecke, in der wir in Brooklyn wohnen werden. Wir freuen uns sehr.

          In der vergangenen NBA-Saison waren Sie noch Assistenztrainer bei den Denver Nuggets und hatten dort einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben. Nun tragen Sie aber den Trainingsanzug der Brooklyn Nets. Wie kam es zu dem Wechsel?

          Brooklyns Trainer Kenny Atkinson war ein Uni-Kollege von mir und ist ein guter Freund. Als er den Job bei den Nets bekommen hat, hat er in Denver angefragt, und Denver hat es mir netterweise erlaubt, nach New York zu ziehen. Ausschlaggebend war das Konzept der Nets, an das ich einfach glaube. Zudem habe ich mehr Verantwortung als in Denver.

          Wenn Sie ins NBA-Tagesgeschäft eingebunden sind, wie sehr können Sie dann eigentlich noch Bundestrainer sein?

          Im vergangenen Sommer hat das ganz gut geklappt, und ich gehe stark davon aus, dass das nächsten Sommer auch der Fall sein wird. Seitdem ich in Brooklyn bin, habe ich Kontakt zu allen Spielern. Dennis Schröder und Paul Zipser sehe ich, wenn wir in der NBA gegen sie spielen. Makai Mason spielt an der Yale Universität, die ist nicht weit weg von New York. Von daher glaube ich, dass die Situation bei uns im Verband sehr gut ist. Mein Assistent, Henrik Rödl, macht sehr viel in Deutschland und Ralph Held (Sportdirektor des Deutschen Basketball-Bundes/Anm. d. Red.) sowieso.

          Wie darf man sich Ihre Arbeit als Bundestrainer während der NBA-Saison vorstellen?

          Ich arbeite nicht täglich für den DBB. Aber ich halte Kontakt zu den Spielern und auch relativ viel zu Henrik Rödl und Ralf Held. Dass ich verbandstechnisch mehr Arbeit habe, kommt situativ.

          Inwiefern kann die Nationalmannschaft von Ihrem Job als NBA-Assistenztrainer profitieren?

          Ich denke, ganz gut. Denn ich entwickele mich als Trainer, und diese Kenntnisse bringe ich mit zur Nationalmannschaft, wenn wir im Sommer zusammen sind.

          Die Mannschaft hat sich im vergangenen Sommer mühseliger als erwartet für die Europameisterschaft 2017 qualifiziert. Es gab Niederlagen gegen Dänemark und die Niederlande und deshalb reichlich Kritik. Wie sehen Sie die Auftritte mit einigem Abstand?

          Älteres Bild: Fleming noch als Trainer der Brose Baskets Bamberg.

          Ehrlich gesagt, habe ich die Kritik nicht verstanden. Wir wussten von vornherein, dass es nicht so einfach sein wird, weil wir relativ unerfahren waren - besonders auf den Außenpositionen. Im Nachhinein betrachte ich den Sommer ganz anders als viele andere. Die Jungs haben sehr gut gearbeitet, die Aufgabe gelöst, sich für die EM qualifiziert. Und wir sind vom Beginn bis zum Ende hin besser geworden, eine ganze Ecke besser sogar. Von daher bin ich sehr stolz auf das, was die Mannschaft erreicht hat und blicke nach vorne - das sollten wir alle tun.

          Tibor Pleiß hatte die Mannschaft nach drei von sechs Qualifikationsspielen verlassen und sich auf Vereinssuche begeben. Erst sollte er bei den Nets trainieren, letztlich unterschrieb er aber in Istanbul. Sie haben damals gesagt, dass Sie sich schwer tun würden, ihn noch einmal zu nominieren. Stehen Sie zu der Aussage oder setzen Sie sich mit ihm noch einmal zusammen?

          Ich habe jetzt kein anderes Gefühl als damals. Aber ich kenne Tibor lange genug, und wir werden sicherlich mal in der nächsten Zeit miteinander sprechen.

          Dennis Schröder hatte ebenfalls für die Qualifikation abgesagt, um sich auf seine Rolle als Nummer-eins-Spielmacher in Atlanta vorbereiten zu können. Wie sehen Sie seinen Fall?

          Der Verzicht war sicherlich nicht alleine Dennis’ Entscheidung, man muss das akzeptieren. Aber es war immer so besprochen, dass er trotzdem weiterhin Nationalmannschaft spielen wird.

          Basketballer Zipser (r.) versucht sich in der NBA bei den Bulls und steht damit unter genauerer Beobachtung von Fleming.

          Was trauen Sie NBA-Neuling Paul Zipser bei den Chicago Bulls zu?

          Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass er sich in der NBA verbessert. Ich fand, dass er sich in den vergangenen beiden Sommern, als er bei der Nationalmannschaft war, durch extrem hohen Arbeitsfleiß stetig verbessert hat. Das wird in Chicago nicht anders sein.

          Was ist das Ziel bei der EM 2017?

          Ich glaube, wenn wir als Mannschaft komplett sind, sollten wir um eine Medaille spielen - darum geht’s.

          Wie verführerisch ist es, bei Dirk Nowitzki anzurufen und versuchen, ihn zu einer EM-Teilnahme zu überreden?

          Dirk hat seinen Abschied schon gegeben. Er ist immer herzlich willkommen, aber dass er tatsächlich noch einmal zu uns kommt, erwarte ich gar nicht von ihm.

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